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Düsseldorf schockt St. Pauli

Düsseldorf schockt St. Pauli

Den Rückstand nach einem Fehler ihres Torhüters Ratajczak steckte Fortuna weg. Beim 3:1-Sieg im Zweitliga-Gipfel beim Bundesliga-Absteiger drehten Lambertz (2) und Beister die Partie. Nach dem Wechsel trumpften die Gäste auf.

HAMBURG Zahlen spielten eine große Rolle vor der Spitzenbegegnung der 2. Fußball-Bundesliga. Zum einen natürlich in Form der großartigen Serie von Fortuna Düsseldorf, die mit 17 Punktspielen in Folge ohne Niederlage zum FC St. Pauli reiste. Zum anderen allerdings auch in Form von 20 bitteren Jahren, in denen Fortuna nicht mehr beim Kiez-Klub gewinnen konnte. Und jenes 2:3 vom 20. April 1991 war dann auch gleich der einzige Sieg, den die Düsseldorfer am Millerntor erringen konnten. Bis gestern Abend. Da setzten sich die Rot-Weißen dank einer enormen Steigerung in der zweiten Hälfte verdient 3:1 durch und rückten damit dem Spitzenduo Greuther Fürth und Eintracht Frankfurt als Tabellendritter ganz dicht auf die Pelle.

Einen frühen Rückstand wie zuletzt bei Eintracht Braunschweig wollte die Mannschaft von Trainer Norbert Meier unbedingt vermeiden. "Wir brauchen vollste Konzentration von der ersten Minute an", forderte der Coach, der nur wenige Kilometer entfernt von der Reeperbahn in Reinbek geboren worden war. Zugehört hatten seine Spieler ohne Frage – die Umsetzung dieses Vorhabens jedoch ging in die Binsen. Ein Patzer von Außenverteidiger Tobias Levels blieb noch ohne Folgen, doch der zweite Aussetzer brachte St. Pauli in Führung. Kapitän Andreas Lambertz schlief bei einem gekonnten Hackentrick von Finn Bartels, ließ Torjäger Max Kruse ungehindert zum Schuss kommen. Schlimmer noch als "Lumpis" Nickerchen war jedoch der Schnitzer von Torhüter Michael Ratajczak, der Kruses harten, aber unplatzierten Schuss über die Fäuste ins Netz rutschen ließ.

Diese Szene passte zu einer ersten Hälfte, die dem Prädikat "Spitzenspiel" nur in Sachen Tempo und Intensität gerecht wurde. Spielerisch enttäuschte das Duell der alten Rivalen, denn allen Beteiligten unterliefen einfach zu viele Stockfehler. Die Fortuna des Jahres 2011 zeichnet jedoch aus, dass sie Rückschläge jederzeit wegstecken und wirkungsvoll zurückschlagen kann. Selbst wenn es bis in die Nachspielzeit der ersten Hälfte dauert: Dann setzte Lambertz an der Mittellinie zu einem fantastischen Sololauf an, den er mit einem satten 18-Meter-Schuss in den linken Torgiebel abschloss. 1:1 zur Pause – alles war wieder offen, und der Fehler des Kapitäns beim 1:0 vollkommen egalisiert.

Das Wichtigste an diesem Treffer war jedoch, dass er die Vorzeichen völlig veränderte. Fortuna kam mit breiter Brust aus der Kabine, produzierte nun fast keine Fehler mehr. Zudem machte sich eine taktische Umstellung bezahlt, die Meier schon mehrfach anwendete: Thomas Bröker, zuvor einzige Spitze, und Flügelflitzer Maximilian Beister tauschten die Rollen – mit dem Resultat, dass beide deutlich stärker wurden. Und dann gab's da ja noch Lambertz, der nach Sascha Röslers Traumpass seinen zweiten Treffer zum 2:1 erzielte.

St. Pauli war geschockt und merkte nun in vielen Szenen, dass sein bester Stürmer Marius Ebbers kurz vor Spielbeginn wegen Wadenproblemen passen musste. Als sich dann noch Markus Thorandt nach einer Serie von Fouls seine Gelb-Rote Karte förmlich erbettelte, war die Sache gelaufen. Beister, nach dem Wechsel nicht mehr zu bremsen, erhöhte auf 1:3 – und fortan zerlegten die Gäste die Hamburger in ihre Einzelteile. 213 Tage ohne Niederlage ist Fortuna nun, und in der Form der zweiten Hälfte ein Kandidat für die Erste Liga.

(RP)