1. Sport

Zukunft, Geld, Taktik und Tradition: Die Sport-Branche trifft sich in Düsseldorf

Zukunft, Geld, Taktik und Tradition : Die Sport-Branche trifft sich in Düsseldorf

Die Schwergewichte des Sports debattieren in diesen Tagen beim Kongress "SpoBiS" über die Zukunft des Metiers und des Geschäfts damit. Es geht um Geld und Übertragungsmöglichkeiten, aber auch um Taktik und Traditionen.

An diesem Tag im Congress Center Düsseldorf feiert sich eine Branche selbst. Auf dem Podium steht Ralf Rangnick und erzählt seine Version der Geschichte. Der frühere Bundesligatrainer arbeitet mittlerweile als doppelter Sportdirektor für die Fußballvereine des Energydrink-Konzerns "Red Bull" im österreichischen Salzburg und Leipzig. "Wir haben", sagt der 54-Jährige, "einen gigantischen Druck, aber auch gigantische Möglichkeiten." Rangnick erzählt von einer globalen Marke, und im nächsten Satz versucht er die Grundkenntnisse von aggressiver Raumdeckung zu vermitteln.

Es ist die 17. Auflage des sogenannten "SpoBiS", zum dritten Mal trifft sich die Szene am Rhein. Es gibt an zwei Tagen viel zu bereden. Dirk Zingler, der Präsident von Union Berlin, referiert über die Umsatzverdopplung von Eisern Union, ein Eventmanager darf darüber erzählen, wie Milka zur erfolgreichen Wintersportmarke gemacht wurde, und aus dem Bereich "Tue Gutes und rede darüber" beschäftigt sich ein Workshop mit dem Thema "Echte Nachhaltigkeit: Wie ein globales Sponsorship für eine Umweltschutz-Expedition millionenfache Awareness generiert". Im Publikum sitzen viele gut gekleidete Menschen, es werden ziemlich oft Smartphones gezückt und englische Fachausdrücke miteinander ausgetauscht.

Das Wichtigste bei einer solchen Veranstaltung ist das Gipfeltreffen in den Gängen. Es werden Visitenkarten und Prospekte ausgetauscht. Sport ist ein gigantischer Markt, und es gibt reichlich Angebote und auch Nachfrage. Beim "SpoBiS" werden neue Einlasssysteme für Stadien vorgestellt oder Möglichkeiten, das Stadion-TV besser produzieren zu können. Fast jeder Bundesligist hat eine Abordnung entsandt, die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sind mit fast 50 Teilnehmern aus Frankfurt angereist. Auch andere Sportverbände zeigen Präsenz. Basketball, Eishockey und die Handball-Liga — jeder hofft auf einen Kontakt für neue Geschäfte.

Der Eintritt zu diesem exklusiven Kreis hat seinen Preis — ein Tagesticket für die Veranstaltung kostet 690,20 Euro. Rund 1600 Gäste sind in diesem Jahr dabei. "Es geht nicht nur darum, dass sich eine Branche selbst feiert, sondern es geht darum zu reflektieren, was ist schon gut und was könnte vielleicht noch besser gemacht werden", sagt Veranstalter Marco Klewenhagen, Chefredakteur der Fachzeitschrift "Sponsors". "Am Anfang hatten wir Probleme, genügend Referenten für die Themen zu finden, heute sind viele enttäuscht, wenn wir sie nicht ansprechen. Die Szene hat den SpoBis für sich entdeckt." Auch im nächsten Jahr wird der Kongress in Düsseldorf veranstaltet. Das ist bereits fest gebucht.

In Raum 27 ist die Luft gegen Mittag schon recht abgestanden. Alle Plätze sind besetzt. Es geht um Spielervermittler und Transfers. Jörg Schmadtke ist als einer der Experten geladen. Der Manager von Hannover 96 (übrigens ein echter Düsseldorfer) sagt: "Es gibt schon einige schräge Typen in dem Geschäft. Du kriegst manchmal Spieler angeboten, die kennen die eigenen Berater nicht." Natürlich sieht das Roman Grill ein wenig anders. Einer der bekanntesten Spielerberater des Landes fordert indes für seine Zunft ein besseres Jobprofil, um sich von den schwarzen Schafen absetzen zu können. Man streitet sich ein wenig, nach ein paar Minuten haben sich dann aber auch alle wieder lieb. Muss ja schließlich zusammen weitergehen.

Am Ende des ersten Tages haben die Schwergewichte der Fußballszene ihren Auftritt. Es geht um die Frage, wie Traditionsvereine und Werksklubs in der Bundesliga miteinander existieren können. "Dietmar Hopp ist komplett in Ordnung. Hoffenheim braucht die Bundesliga nicht zwingend", sagt Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Applaus im Saal. Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser sagt: "Ihr habt bei eurem Börsengang aber auch reichlich Geld verbrannt. Wer sich sportlich qualifiziert hat, der hat auch eine Berechtigung, in der ersten Liga dabei zu sein." Man ist eben nicht immer einer Meinung.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Ralf Rangnick

(RP/can)