Die Mögenburgs – eine deutsch-norwegische Familie

Die Mögenburgs – eine deutsch-norwegische Familie

Kassel Wenn Katarina Mögenburg am Mittwoch in ihre Heimat fliegt, landet sie in einem veränderten Land. Der Hochspringerin fehlen noch die richtigen Worte, um ihre Gefühle zu den Anschlägen in Norwegen auszudrücken. "Schlimm", sagt sie nur kurz und knapp.

Katarina Mögenburg hat die deutsche und die norwegische Staatsangehörigkeit. Bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften startet sie für den TSV Bayer 04 Leverkusen. So wie einst ihr Vater. Dietmar Mögenburg (49) holte 1984 in Los Angeles olympisches Gold. Seit vielen Jahren lebt er in der Nähe von Oslo, ist mit einer Norwegerin verheiratet. Sein Geld verdient er in einer Firma für Orthopädietechnik. Außerdem trainiert er seine Kinder Katarina, 20, und Jonas, 21.

"Mit mir funktioniert das ganz gut", sagt die schlaksige Hochspringerin. In ihren Bewegungen erinnert sie an den Papa: das Wegstreichen der blonden Haare vor dem Anlauf, die Trippelschritte, der Flug scheinbar ohne Anstrengung. Doch trotz Regenwetter und norwegischer Temperaturen kommt sie im Kasseler Auestadion nicht über 1,74 Meter hinaus.

Rang sieben ist eine Enttäuschung für die Springerin mit dem großen Namen. Ihre Bestleistung liegt zehn Zentimeter höher, damit hätte sie in Nordhessen Bronze gewonnen. Doch ihren Karriereplan hält sie ein: 1,85 Meter hatte sie sich für diesen Sommer vorgenommen. Bis auf einen Zentimeter ist sie an ihr Zwischenziel herangerückt.

Ob sie künftig für das Land ihres Vater oder das ihrer Mutter antreten wird, steht noch nicht fest. Bei den Junioren startet sie bislang international für Norwegen, weil die Nominierungskriterien dort nicht so hoch sind. Doch ein Wechsel des Verbands ist möglich. Bislang kommt sie aber nur für die Wettkämpfe nach Deutschland. Verwandte in Leverkusen-Rheindorf sind ihre Anlaufstelle. In Oslo wird sie auch weiterhin trainieren und im Herbst ein Studium der Kunstgeschichte aufnehmen.

Mit Sohn Jonas arbeitet Dietmar Mögenburg seltener zusammen. Vater-Sohn-Beziehungen können schwierig sein, wenn sie zu Trainer-Athleten-Beziehungen werden, erklärt Katarina. In Kassel kümmert sich der ehemalige Hallenweltrekordler (2,39 Meter) aber verstärkt um Jonas. Olivgrüne Jacke, das weiße Hemd über der Jeans – Mögenburg hat immer noch den lässigen Gang aus den 80er Jahren, als er mit Carlo Thränhardt die Szene bestimmte. Auch die Frisur ist noch dieselbe. Bis eines seiner Kinder dem 15-maligen Deutschen Meister folgt, muss aber noch einiges passieren. Jonas springt 7,10 Meter weit und scheidet als 13. eines Vorkampfes auf niedrigem Niveau aus.

(RP)
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