Schon zum zweiten Mal muss Kevin Gaudet gehen:: Deutschlands kuriosester DEL-Club entlässt Trainer

Schon zum zweiten Mal muss Kevin Gaudet gehen:: Deutschlands kuriosester DEL-Club entlässt Trainer

Hannover (dpa). Die Hannover Scorpions sind ihrem Ruf als kuriosester Club der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) erneut gerecht geworden. Der Verein hat sich am Dienstag zum zweiten Mal von Trainer Kevin Gaudet getrennt. Die von der Familie Haselbacher geführten Scorpions hatten den Kanadier bereits Anfang des vergangenen Jahres des Amtes enthoben und den Schweden Curt Lindström engagiert. Obwohl Clubchef Jochen Haselbacher sich mehrfach abwertend über Gaudet geäußert hatte, durfte der in der neuen Saison wieder als Chefcoach arbeiten.

Dieses Mal sollen sich die Wege endgültig trennen. "Es gibt kein zurück", sagte Geschäftsführer Jochen Haselbacher am Dienstag. Sein Sohn Eric, der als Manager des Vereins tätig ist, soll bis zum Wochenende einen neuen Trainer suchen. Mit der Ära Gaudet endet eine zehnjährige Erfolgsgeschichte. Der 37-jährige hatte den Verein aus der Gemeinde Wedemark, 30 Kilometer nördlich von Hannover gelegen, aus der Oberliga bis in die höchste deutsche Spielklasse geführt. Gaudet musste nun gehen, weil der Tabellenneunte mit acht Punkten Rückstand die Playoff-Plätze zu verpassen droht.

Die Scorpions sind das einzige Familienunternehmen in der DEL. Geschäftsführer Jochen Haselbacher und dessen Eltern gehört der Club. Sohn Eric ist Manager und Stadionsprecher, Tochter Kathrin führt die Geschäftsstelle, und Mutter Christiana ist für die Sponsorenbetreuung zuständig. Trainer Gaudet gehörte fast zur Familie. Er arbeitete in den Anfangsjahren in der damaligen Discothek von Eric Haselbacher und feierte mit der Familie Weihnachten. Gaudet: "Der Abschied tut weh."

Immerhin kostet Gaudets Ausscheiden den Verein kein Geld, weil der Trainer einer Trennung ohne Abfindung zustimmte. "Mein Herz hängt am Verein und an den Spielern", begründete Gaudet diesen Weg: "Vielleicht kann ich so helfen, dass die Playoffs noch erreicht werden." Geschäftsführer Haselbacher kommt das entgegen, denn mit sechs Millionen Mark verwaltet er einen der kleinsten Etats der DEL. Darin sieht Gaudet auch einen der Hauptgründe für das schwache Abschneiden: "Wir hatten zu wenig Geld und daher einen zu kleinen Kader." Wochenlang mussten die Scorpions mit nur vier Verteidigern auskommen.

Die Scorpions stehen zusätzlich unter Druck, weil sie im kommenden Jahr vom kleinen Mellendorfer Icehouse in die große Preussag Arena in Hannover umziehen wollen. Derzeit laufen die Verhandlungen mit den Betreibern der Halle, die ein erfolgreiches Team wünschen, um die Halle füllen zu können.

(RPO Archiv)
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