Imagefaktor Sachsenring: Deutsches Motorrad-Ansehen wird aufpoliert

Imagefaktor Sachsenring : Deutsches Motorrad-Ansehen wird aufpoliert

Hohenstein-Ernstthal (rpo). Der Sachsenring poliert das Ansehen des deutschen Motorradrennsports gehörig auf. Bis zu 180.000 Besucher werden am Wochenende zum Deutschland-Grand-Prix auf dem traditionsreichen Kurs im Chemnitzer Land erwartet.

Fast vergessen sind die Zeiten, da der deutsche Lauf zur Motorrad-Weltmeisterschaft auf Hockenheim- und Nürburgring nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. In Hohenstein-Ernstthal hat man es binnen vier Jahren geschafft, dass neben den Formel 1-geprägten Rennkursen im Badischen und in der Eifel sowie dem hochmodernen Lausitzring auch der Sachsenring international in den Schlagzeilen ist und man dort wieder mit Hochachtung vom deutschen Grand Prix spricht.

Doch nicht nur für den ausrichtenden Allgemeinen Deutschen Automobilclub (ADAC) hat der Boom auf dem vor 74 Jahren erstmals genutzten Ring bei Hohenstein-Ernstthal positive Auswirkungen. Besonders die eher strukturschwache Region profitiert jährlich von den "drei tollen Tagen" im Juli. So rechnet man nach bisherigen Erfahrungen damit, dass die Gäste am Wochenende mehr als 20 Millionen Mark (10,2 Millionen Euro) am Rande der Veranstaltung ausgeben, von denen rund 17 Millionen Mark ausschließlich der Region zu Gute kommen. Damit ist die Rennstrecke ein bedeutender Image- sowie Wirtschaftsfaktor für das Ballungsgebiet zwischen Chemnitz und Zwickau, sagt Paul-Willy Heilmann, Geschäftsführer der Sachsenring Betriebs GmbH.

Heilmann ist sich sicher, dass die etwa 80 Millionen Mark, die in den vergangenen zehn Jahren zu großen Teilen aus Fördertöpfen in den Um- und Ausbau des Kurses gesteckt wurden, gut angelegt sind. Jährlich zwei bis vier größere Rennveranstaltungen auf dem nicht als permanente Rennstrecke ausgewiesenen Sachsenring schaffen etwa 150 dauerhafte Arbeitsplätze in der Region.

Beim Grand-Prix-Rennen 1999 übernachteten beispielsweise 4900 Besucher in den Hotels und Pensionen nahe der Rennstrecke. Dabei hätten die Beherbergungsbetriebe einen Umsatz von 1,7 Millionen Mark verbuchen können, hieß es. Die Auslastung der Bettenkapazität stieg von 36 Prozent im Jahresdurchschnitt auf 86 Prozent an Rennwochenenden.

Der Oberbürgermeister der Stadt Hohenstein-Ernstthal, Erich Homilius, betont allerdings die multifunktionale und ganzjährige Nutzung des Sachsenrings. So lockt beispielsweise das Verkehrssicherheitszentrum ganzjährig Privatleute und Unternehmen ins Chemnitzer Land. Die Piste selbst wird regelmäßig von Automobilherstellern zu Tests ihrer Prototypen, der so genannten Erlkönige, genutzt. Naturgemäß erfährt die Öffentlichkeit davon allerdings wenig. Zudem finden auf dem Areal des Sachsenrings aufwendige Promotion-Aktionen zur Einführung neuer Produkte statt.

Im kommenden Jahr wird am Pfingstwochenende das 75-jährige Jubiläum des Sachsenrings gefeiert. Das erste Rennen auf dem so genannten "Badberg-Viereck" fand 1927 statt. 1934 erlebte der Ring den Große Preis von Deutschland und 1936 den Grand Prix von Europa. Im Jahr 1961 wurde erstmals ein Weltmeisterschaftslauf auf dem Sachsenring gestartet. Von 1991 bis 1996 ruhte der Rennbetrieb. Die inzwischen 3,7 Kilometer lange Strecke ist bis Juni 2001 nach den Richtlinien internationaler Motorsportverbände umgestaltet worden und hat bis 2006 den Zuschlag als Ort des deutschen Motorrad-WM-Laufes.

(RPO Archiv)
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