Mannschaft des Jahres: Der Mythos Deutschland-Achter lebt

Mannschaft des Jahres: Der Mythos Deutschland-Achter lebt

Nach dem Olympiasieg in London ist der Deutschland-Achter zum sechsten Mal seit 1959 zur Mannschaft des Jahres gewählt worden.

Mythos, Flaggschiff, nationales Erfolgssymbol: Der Deutschland-Achter ist seit über 50 Jahren Inbegriff des Mannschaftssports. Egoismus und Star-Allüren gibt es nicht. Die Erfolgsformel lautet Disziplin, Verantwortung, Gleichklang. Der Einzelne ist nichts, das Kollektiv alles. Schwächelt ein Ruderer, setzt er einen einzigen falschen Schlag, ist das gemeinsame Ziel gefährdet.

Dabei feierte das Paradeboot des Deutschen Ruderverbandes (DRV) in London nach einem Parforceritt auf dem Dorney Lake seinen vierten Olympiasieg seit 1960 nicht aufgrund von unzertrennlicher Freundschaft unter den acht Modellathleten und Steuermann Martin Sauer. "Erfolg entsteht nicht immer nur mit Harmonie. Harmonie gibt es in einer Thekenmannschaft", sagte Trainer Ralf Holtmeyer.

"Größten Respekt vor der Mannschaft"

Jeder Ruderer übte eine wichtige Rolle aus. Die unterschiedlichen Charaktere ergänzten sich prächtig, ohne sich dabei zu wichtig zu nehmen. "Ich habe größten Respekt vor der Mannschaft", sagte Holtmeyer, der nach der Havarie von Peking mit dem letzten Platz bei den Olympischen Spielen 2008 auf die Kommandobrücke des Achters zurückkehrt war.

Es war der Beginn einer einzigartigen Erfolgsgeschichte mit einer der längsten Siegesserie im Profisport. Der Deutschland-Achter gewann auf der olympischen 2000-m-Strecke 36 Rennen und drei WM-Titel in Folge. In London krönte die Crew um Schlagmann Kristof Wilke die bemerkenswerte Serie und vereinte beim Finalsieg vor Olympiasieger Kanada und Gastgeber Großbritannien Nervenstärke, perfekte Technik und große Willenskraft.

"Die Mannschaft ist nicht nur stark in den Beinen und Armen, sondern auch stark im Kopf", erklärte Steuermann Sauer, während sich Schlagmann-Legende Roland Baar nach der grandiosen Goldfahrt festlegte: "Das ist der beste Achter aller Zeiten."

Erstmals Gold in Seoul 1988

Begründet wurde der Mythos Deutschland-Achter auf dem Albaner See 1960 in Rom durch den legendären Trainer Karl Adam, der mit seinen Ruderern erstmals in der Geschichte der Olympischen Spiele das amerikanische Großboot schlug. Nach der Silbermedaille 1964 in Tokio wurde der Triumph acht Jahre später in Mexiko-Stadt wiederholt. 1988 in Seoul gab es ebenfalls olympisches Gold. Trainer damals: Ralf Holtmeyer.

Der Deutschland-Achter, der zum sechsten Mal zur Mannschaft des Jahres gewählt wurde, ist auch gern gesehener Dauergast bei Double-Gewinner Borussia Dortmund. Auch wenn der deutsche Fußball-Meister bei der Wahl in diesem Jahr nur auf Platz vier landete, gönnt Trainer Jürgen Klopp dem Achter den Sieg: "Den Deutschland-Achter und uns verbindet eine Freundschaft. Das sind wahnsinnig tolle Jungs, die ich persönlich sehr schätze."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Olympia 2012: Die Triumphfahrt des Achters

(sid)
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