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Das Problem mit den Fans: Warum so viele Plätze in den Stadien und Hallen frei bleiben

Zuschauer-Problem : Warum so viele Plätze in den Stadien und Hallen frei bleiben

Mit der Basketball-Bundesliga startete nun auch die vierte bedeutende Sportart in Deutschland in ihre Saison. Doch wie im Fußball, der Handball und das Eishockey ist der Zuschauerzuspruch ernüchternd ausgefallen. Eine Bestandsaufnahme aus den vier zuschauerstärksten Profi-Ligen des Landes.

Es war ein ikonisches Bild, wie Christian Streich am Sonntagabend im Dreisamstadion zu Freiburg mit einem Megafon in der Hand vor einer voll besetzten Tribüne stand. Es hätte durchaus vor der Corona-Pandemie entstehen können, als noch nicht darüber diskutiert wurde, wie viele Zuschauer nun ein Stadion betreten dürfen und welche Regeln dafür gelten müssen. Kurzum: Es ähnelte den Zeiten, in denen Fans ihre Mannschaften stimmgewaltig unterstützten, kein Verein Probleme hatte, seine Eintrittskarten zu verkaufen und niemand auch nur daran dachte, ob das Stadionerlebnis gesundheitsgefährdend sein könnte. Nur ein kleines Detail erinnerte am Sonntag daran, dass sich etwas verändert hat: Der Trainer des Fußball-Bundesligisten trug einen Mund-Nasen-Schutz.

Dieses Bild von Streich rief ins Bewusstsein, dass noch lange nicht wieder alles normal ist in diesen Tagen, wenn in Stadien und Hallen Spiele in den deutschen Profi-Ligen angepfiffen werden. Wie viele Fans dürfen rein? Maske oder nicht? 2G oder 3G? All das unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Es ist nicht leicht, den Überblick zu behalten und das spiegelt sich auch beim Zuschauer-Schnitt in den verschiedenen Ligen wider.

Beim Auftaktspiel der Basketball-Bundesliga am vergangenen Donnerstag zwischen Alba Berlin und den Telekom Baskets Bonn konnte die Kapazität, um die die Basketball-Liga (BBL) so gekämpft hatte, gerade einmal halb ausgeschöpft werden. Alba-Manger Marco Baldi war dennoch zufrieden: „Der Sinn ist wieder zurück. Dass wir es wieder teilen können und nicht nur Schuhgequietsche zu hören ist, ist super erfreulich.“

Das Resümee von BBL-Geschäftsführer Stefan Holz fiel hingegen etwas ernüchternder aus. „Wir hätten am ersten Wochenende Kapazitäten von 78 Prozent ausfüllen können. Das haben wir klar nicht geschafft. In vielen Hallen stand nur eine eins vorn. Das ist enttäuschend, war aber absehbar“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion und verwies auf die Fußball-Bundesliga, bei der die Klubs ähnliche Probleme haben. Oftmals können die Vereine nicht alle zur Verfügung stehenden Tickets an die Fans bringen. Etwa bei Bayer Leverkusen hätten am Wochenende gegen den 1. FSV Mainz 05 noch knapp 1000 Karten mehr verkauft werden können.

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Und dann gab es da das Beispiel TSG Hoffenheim aus der Fußball-Bundesliga. Beim Spiel gegen den VfL Wolfsburg hätten 15.075 Fans ein Ticket kaufen können. Gerade einmal 8523 Zuschauer waren anwesend. Sportartübergreifend aber kein seltenes Bild in diesen Wochen – weder beim Fußball, noch beim Eishockey, Handball oder Basketball. Eintrittskarten finden längst noch nicht den reißenden Absatz wie vor der Corona-Pandemie.

Auch die Düsseldorfer EG muss das in diesen Tagen einsehen, wenngleich Geschäftsführer Harald Wirtz „prinzipiell zufrieden“ ist mit dem Zuschauerschnitt von 4988 Zuschauern bei einer maximalen Kapazität von 6500 Plätzen, wie er unserer Redaktion sagte. DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke äußerte sich für die gesamte Liga  ähnlich: „Es war zu erwarten, dass die Fans und Zuschauer nicht sofort so zurückkehren wie vorher. Ich denke, es ist ein Stück weit normal in diesen Zeiten.“

Doch voran liegt das genau? BBL-Geschäftsführer Holz glaubt, dass „die Zielgruppen Berührungsängste“ hätten. Man müsse die Fans erst einmal wieder daran gewöhnen, dass sie die Hallen für Spiele besuchen dürften. Ähnlich äußerten sich auch seine Eishockey-Kollegen Tripcke und Wirtz. „Wir müssen die Fans davon überzeugen, dass sie ohne Sorge zu den Spielen kommen können und auch die Atmosphäre in den Stadien schon wieder erlebenswert ist“, erklärte Tripcke und Wirtz ergänzte: „Die Fans müssen sich an die Prozesse und die Nähe zu Menschen gewöhnen.“

Beim Fußball war das anfangs wohl das Hauptproblem. Die Frage, wie sicher das Hygienekonzept wirklich sei, schwebte über allem. Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL) erklärte noch vor einigen Wochen, dass es unter den ersten 900.000 Zuschauern in der Ersten und Zweiten Bundesliga gerade einmal sechs Nachverfolgungen wegen einer Corona-Erkrankung gegeben hätte. Zudem bleiben einige Fans dem Stadion fern, weil sie nicht ihre angestammten Plätze einnehmen oder den Tag mit ihrer Clique in gewohnter Manier verbringen können.

Nicht nur deshalb fordern viele Verantwortlichen und Fans die Aufhebung der Restriktionen. In Hamburg etwa dürfen ab dem kommenden Wochenende alle Plätze im Stadion wieder verkauft werden. Mit einer ähnlichen Entscheidung ist auch in Nordrhein-Westfalen zu rechnen, wenn es spätestens zum 8. Oktober eine neue Corona-Schutz-Verordnung geben wird. Ob die Stadien dann aber auch wirklich wieder gänzlich voll werden?

Bei Borussia Dortmund hoffen sie sicherlich darauf, vermeldete der Verein doch in allen drei bisherigen Bundesliga-Heimspielen ein unter Corona-Bedingungen ausverkauftes Stadion. Auch für das Spiel in der Champions League am Dienstagabend gegen Sporting Lissabon sind keine Karten mehr verfügbar. Das unterscheidet den BVB allerdings von den anderen drei deutschen Vertretern RB Leipzig, FC Bayern und VfL Wolfsburg. Stand Montagnachmittag gab es für alle drei Heimspiele am Dienstag und Mittwoch in der Königsklasse noch mehrere Hundert Karten zu kaufen.

Hat der Sport vielleicht generell an Bedeutung verloren? Einige Studien lassen das zumindest inzwischen erahnen, wenngleich Verantwortlichen das anders sehen. BBL-Geschäftsführer Stefan Holz kann eine generelle Abkehr vom Basketball-Sport nicht erkennen. „Wir haben im Pay-TV Top-Quoten“, sagt er. Nun ging es darum, das Freizeitverhalten der Fans wieder zu ändern und sie in die Hallen zu locken. Dabei müsse man genau erörtern, mit welchen Strategien dies am besten gelingen kann. Offen gibt er aber zu, dass es bei den bisherigen Quoten nicht bleiben dürfe. „Sonst wird es wirtschaftlich total schwierig“, sagte Holz. Das eint wohl alle Vereine in allen Sportarten.