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World Matchplay 2020: Darts-Highlight ohne große Show und mit Corona-Regeln

World Matchplay : Darts-Highlight ohne große Show

Lange war nicht klar, ob das zweitwichtigste Major-Turnier im Darts wegen der Corona-Pandemie stattfinden kann. Doch das World Matchplay kann am Samstag starten - an einem neuen Ort und mit besonderen Regeln.

Die Corona-Krise hat den Sport weltweit für einige Monate quasi zum Erliegen gebracht. Auch bei der Professional Darts Corporation (PDC), dem wichtigsten Weltverband im Darts, war der Spielbetrieb seit Mitte März eingestellt. Nun starteten auch die Darts-Profis wieder aus der Pause. Vom 8. bis 12. Juli fand in Milton Keynes die PDC Summer Series statt, eine Turnierreihe, die die ausgefallenen Ranglistenturniere ersetzen sollte. An fünf aufeinanderfolgenden Tagen standen täglich sogenannte Players Championships an, die regulär ohne Zuschauer ausgetragen wurden. Jeden Tag traten die 128 Tour-Card-Halter an um ihre Ranglistenplätze zu verbessern und sich für das zweitwichtigste Major-Turnier im Kalender, das World Matchplay vom 18. bis 26 Juli (Dazn/Sport1), zu qualifizieren. Dieses wird normalerweise jedes Jahr in Blackpool vor mehreren Tausend Zuschauen veranstaltet, findet dieses Jahr aber ebenfalls in Milton Keynes statt, um den Spielern zusätzliche Reisen zu ersparen.

Die Top-16 der Weltrangliste sind gesetzt, ihre 16 Erstrundengegner setzen sich aus der Preisgeld-Rangliste der Players-Championship-Turniere des Jahres zusammen.

Die Briten Ricky Evans und Ryan Joyce, der sogar ein Tur-nier der Summer Series gewann, konnten sich so noch einen Platz erspielen, für sie rutschen der Engländer Ryan Searle und der Belgier Kim Huybrechts aus dem Feld. Als einziger Deutscher wird Gabriel Clemens an den Start gehen. Den 36-jährigen Saarlouiser erwartet in der ersten Runde ein schwerer Brocken. Sein Gegner ist der 29-jährige Titelverteidiger und ehemalige Weltmeister Rob Cross aus England.

Das Hygienekonzept bei den Turnieren ist wegen der Corona-Pandemie streng. Das Spielerhotel und die Veranstaltungshalle sind eine Quarantänezone, die nicht verlassen werden darf. Die 14-tägige Quarantäne, die bei Einreise ins Vereinigte Königreich verpflichtend ist, wird dadurch eingehalten. Alle Teilnehmer, Manager oder Begleitungen müssen bei der Ankunft getestet werden, bei einem positiven Ergebnis ist die Abreise zwingend. Die Abstandsregeln müssen dauerhaft eingehalten werden, ein Abklatschen vor, während oder nach den Spielen ist nicht gestattet. Die Sanktionen sind hart und haben einen direkten Einfluss auf das Spiel. Nach zwei Ermahnungen folgt der Verlust des Legs, also eines Durchgangs bei dem von 501 Punkten auf null gespielt wird. Beim nächsten Verstoß wird das Match als verloren gewertet. Diesen Strafenkatalog wendet die PDC auch bei anderen Vergehen an und hat ihn nun auf das Hygienekonzept ausgeweitet.

Ähnlich war es bereits bei der Ende Mai ausgetragenen Super League Germany, bei der ein deutscher Teilnehmer für die Weltmeisterschaft im Dezember ermittelt wurde. Der 23-jährige Hanauer Nico Kurz setzte sich hierbei mit 10:9 Legs im Finale ge-gen Dragutin Horvat durch und löste das Ticket für seine zweite WM-Teilnahme in Folge. Auffällig war dabei ein zusätzlicher Offizieller, der den Spielern mit einem Schild anzeigte, wann sie zum Wurf vortreten durften. Bei der Summer Series verzichtete die PDC auf einen sogenannten „Lollipop-Man“. Insgesamt ist sogar eine geringere Anzahl an Schiedsrichtern vor Ort als sonst, sodass mitunter bereits ausgeschiedene Teilnehmer oder Spieler mit Freilosen als Punktezähler agieren müssen.

Wartezeiten, Abstandsregeln und veränderte Laufwege führen zu ei-nem anderen Rhythmus im Spiel. Dabei ist dieser in einem mental anspruchsvollen Sport wichtig, um gute Leistungen zu erzielen. Dennoch blieben die erwarteten Überraschungen größ-tenteils aus. Der 31-jährige Weltranglistenerste Michael van Gerwen aus den Niederlanden gewann zwei Turniere, der aktuelle Weltmeister Peter Wright eines. Der 50-jährige Schotte führte außerdem die Rangliste der Summer Series an. Auch der Erfolg des Engländers James Wade kam nicht von ungefähr, schließlich ist der 37-Jährige schon seit mehr als zehn Jahren Teil der erweiterten Weltspitze. Einzig der Sieg von Ryan Joyce beim zweiten Turnier der Summer Series war durchaus über-raschend. Zwar stand der 34-jährige Engländer bei der WM 2019 im Halbfinale, hatte diesen Erfolg jedoch im letzten Jahr kaum bestätigen können.

Die strengen Regeln bezüglich der Handschläge nach den Spielen wurde weitestgehend eingehalten, ab und zu kam es zu Fauststößen als Gratulation. Ähnlich wie bei den Torjubeln in der Fußball-Bundesliga ließ der Verband das durchgehen, zumal alle Spieler nachweislich negativ auf das Coronavirus getestet waren.