Darts-WM 2023 Der leise Abschied des Gary Anderson

London · Der Schotte gehört zu den erfahrenen Spielern und den ganz großen Namen im Darts. In der Rangliste droht ihm nach der WM allerdings ein Absturz.

 An guten Tagen kann der Schotte immer noch jeden schlagen.

An guten Tagen kann der Schotte immer noch jeden schlagen.

Foto: dpa/John Walton

Es gibt viele Spieler, die gute Darts spielen können. Der Schotte Gary Anderson ist ohne Zweifel einer von ihnen. Und bei kaum einem sieht es so einfach aus wie beim „Flying Scotsman“. Er steht recht gerade zum Board, visiert das dreifache 20er-Segment an und wirft einfach. Und spätestens seit seinem mit Spannung erwarteten Wechsel zur PDC im Jahre 2009 ist der Name Gary Anderson aus der Riege der Topstars nicht mehr wegzudenken. 2011 spielte er sich erstmals ins Finale der PDC-WM, dort unterlag er Adrian Lewis.

Dass er mit einem begnadeten Talent gesegnet ist, zeigte er bereits in frühen Jahren, als er mit 25 Jahren mit dem Sport in Berührung kam. So wird ihm nachgesagt, schon seine zweite jemals geworfene Aufnahme sei eine 180 gewesen. Auch später kokettierte Anderson stets damit, kaum bis gar nicht zu trainieren. All dies unterstreicht in erster Linie, dass Gary Anderson nicht durch harte Arbeit, sondern durch eine besondere Gabe so erfolgreich werden konnte.

Seine Hochzeit auf der PDC-Bühne erlebte der Schotte zweifelsohne ab 2014. Major-Halbfinals und Finals waren in dem Jahr bereits ein Fingerzeig, bei der Weltmeisterschaft 2015 setzte sich Anderson erstmals die Krone auf. Im Finale schlug er in einem fantastischen Spiel den großen Phil Taylor knapp mit 7:6. Ein Jahr später gelang ihm die Titelverteidigung, was vor ihm erst zwei Spieler geschafft hatten. Phil Taylor und Adrian Lewis. Letzteren besiegte Anderson mit 7:5. Der Hattrick ein Jahr später wurde ihm aber verwehrt. Zwar stand Anderson erneut im Endspiel, dieses Mal unterlag er seinem Kontrahenten allerdings und Michael van Gerwen feierte seinen zweiten WM-Titel.

Über ein mögliches Karriereende des inzwischen 51-Jährigen rankten sich in den vergangenen Jahren immer mal wieder Gerüchte, die Anderson zumeist mit herausragenden Leistungen am Board zu kontern wusste. Im Jahr 2019 hatte er mit anhaltenden Rückenproblemen zu kämpfen, weshalb er die Teilnahme an der Premier League hatte absagen müssen. In diesem Jahr konnte der Schotte allerdings kaum überzeugen. Vor allem in der im neuen Modus ausgetragenen Premier League wurde dies deutlich. Nur einen Abend konnte er für sich entscheiden, am Ende schied er mit nur neun Punkten als Letzter aus. Gerwyn Price, der als Vorletzter die Segel streichen musste, hatte mehr als doppelt so viele Punkte auf der Habenseite.

Auf der Pro Tour spielte Anderson 2022 26.250 Pfund ein, damit landete er am Ende nur auf Platz 60 der Pro Tour Order of Merit. Und auch bei den Major-Turnieren, wo es für Gary Anderson oft gut lief, wollte es in diesem Jahr nicht so recht klappen. Da machte es sich besonders bemerkbar, dass Anderson schon seit Jahren keine Events der European Tour spielt, da er weniger Reisestrapazen auf sich nehmen möchte.

Solange die Ergebnisse bei den anderen Turnieren ausreichend waren, um die Ranglistenposition zu halten, war dies kein Problem. Jetzt könnte Anderson dies zum Verhängnis werden. Denn bei der anstehenden Weltmeisterschaft hat der Schotte eine Menge Preisgeld zu verteidigen, da er beim Turnier vor zwei Jahren noch im Finale stand und dort an Gerwyn Price gescheitert war. Heißt, Anderson muss mindestens wieder das Finale erreichen, um das Geld zu sichern. Ein vorzeitiges Aus kann mitunter einen großen Absturz in der Weltrangliste bedeuten. Und die aktuelle Form spricht nicht unbedingt für ihn.

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Foto: afp, LEON NEAL

Beweisen muss Anderson als zweifacher Weltmeister niemandem mehr etwas, doch sein eigener Anspruch ist selbstverständlich: Wenn er spielt, will er auch gewinnen. Ob es aber auch die letzte Weltmeisterschaft des Gary Anderson sein wird, weiß nur der Schotte selbst. Und es wird wohl auch stark davon abhängen, wie weit er es beim Turnier schafft.

Die WM-Auslosung jedenfalls hätte, zumindest für die Auftakthürde, auf den ersten Blick schlimmer kommen können. In Runde zwei trifft er wahrscheinlich auf Madars Razma, eine Runde weiter könnte Chris Dobey warten. Im Achtelfinale würde er, sofern sich der am besten gesetzte Spieler durchsetzt, auf Rob Cross treffen, im Viertelfinale droht ein Duell mit Michael van Gerwen. Um einen tiefen Run zu starten und sein Preisgeld zu verteidigen, müsste er also wahrscheinlich den Topfavoriten aus dem Turnier nehmen. Die Vergangenheit hat aber auch gezeigt, dass Anderson das drauf hat. Besonders bei einer WM.

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