Nach dem Erfolg gegen Norman: Daniel Elsner: Vom "enfant terrible" zum Hoffnungsträger

Nach dem Erfolg gegen Norman: Daniel Elsner: Vom "enfant terrible" zum Hoffnungsträger

Stuttgart (sid). Weiße Baseball-Kappe auf dem Kopf, Stacheldraht-Tattoo am Oberarm, Bartstoppeln im Gesicht: Als Mr. Cool hat Daniel Elsner die Tenniswelt in zumindest auf dem Stuttgarter Weißenhof in wenigen Tagen aufgemischt. Nach seinem sensationellen Achtelfinal-Erfolg gegen Titelverteidiger und Branchenführer Magnus Norman (Schweden) nährte ausgerechnet das 21 Jahre alte einstige "enfant terrible" die Hoffnungen auf bessere Zeiten im deutschen Tennis.

"Ich habe noch nicht realisiert, was ich hier geschafft habe. Aber ich glaube wieder an mich selbst, und das war nicht immer so", meinte der Allgäuer, der trotz seiner jungen Jahre schon etliche Höhen und Tiefen erlebt hat. Daviscup-Teamchef Charly Steeb hat auf Elsner bereits ein Auge geworfen und prophezeit dem extrovertierten Rechtshänder eine große Zukunft: "Wenn er so weitermacht, kann er am Jahresende unter den Top 50 stehen. Bald könnte er auch bei mir zum erweiterten Kreis gehören."

Die glänzenden Perspektiven hat Elsner auch seiner Wandlung vom Saulus zum Paulus zu verdanken. Vor drei Jahren noch als "Becker der Zukunft" gefeiert, drohte dem lebensfrohen Memminger nach seinen großen Triumphen im Junioren-Bereich - Sieger Australian Open und French Open (jeweils 1997) sowie US Open (1996) - der Absturz ins Bodenlose. "Ich hatte im Hinterkopf, dass ich der Beste bin. Ich habe gedacht, bei den Challenger-Turnieren haue ich alle weg", bekennt "Else".

Der Überheblichkeit folgten bittere Rückschläge und wenig später vernichtende Schlagzeilen. Der Deutsche Tennis Bund (DTB) warf Elsner 1999 wegen disziplinarischer Verfehlungen aus dem B-Kader und dem Leistungszentrum in Hannover. Die Gründe: Eine Flasche Wodka, zwei Mädels und ein Joint. "Meine Einstellung auf dem Platz und auch sonst war nicht professionell", analysiert der Mann mit der Igelfrisur im Rückblick: "Ich habe gerne Partys gefeiert und Blödsinn gemacht."

Doch die Besinnung folgte. Der Tipp eines Freundes brachte Elsner in die Tennisschule des ehemaligen Becker-Coaches Günther Bresnik nach Wien. "Ich trainiere jetzt konsequent und versuche immer, hundert Prozent zu geben", betont der in der Bundesliga für Grün-Weiss Mannheim startende Elsner. Auch Steeb sieht in dem Umzug den Schlüssel zum Erfolg: "Es war wichtig, dass er auf eigenen Beinen steht. Es gibt ebene verschiedene Wege, um nach oben zu kommen."

Dank guter Ergebisse auf kleineren Turnieren hat sich Elsner inzwischen bis auf Rang 129 in der so genannten "Entry List" der ATP hochgearbeitet. Sein nächstes Ziel ist die direkte Qualifikation für das Hauptfeld der Australian Open im Januar 2001.

In Zeiten, da vermeintliche Galionsfiguren wie Tommy Haas und Nicolas Kiefer aus unterschiedlichsten Gründen schwächeln, sind die Fans dankbar für charismatische Emporkömmlinge. Zumal Daniel Elsner zum Publikumsliebling taugt - und einiges dazu gelernt hat: Nach dem Triumph über Norman war keine ausgelassene Siegesfeier angesagt. "Ich werde mich noch massieren lassen und dann vor dem Fernseher einschlafen", so Elsner.

(RPO Archiv)
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