Düsseldorf: Chaostage bei Fortuna

Düsseldorf : Chaostage bei Fortuna

Der Marketingexperte Dirk Kall ist neuer Vorstandsvorsitzender des Fußball-Zweitligisten – viele Mitglieder laufen dagegen Sturm.

Der Marketingexperte Dirk Kall ist neuer Vorstandsvorsitzender des Fußball-Zweitligisten — viele Mitglieder laufen dagegen Sturm.

Einen Tag nach der Ernennung von Oliver Reck zum Interims-Cheftrainer hat Fußball-Zweitligist Fortuna Düsseldorf auch die Führungsetage neu besetzt. Der 46-jährige Marketingexperte Dirk Kall wird ab 1. Februar Nachfolger von Peter Frymuth als Vorstandsvorsitzender. Kall erhält für seine Tätigkeit eine Vergütung von rund 150 000 Euro im Jahr. Der Verein hat sich allerdings gegen alle Eventualitäten abgesichert: Bei einem späteren Aufstieg in die Bundesliga würde sich das Salär von Kall auf bis zu 300 000 Euro erhöhen, im Falle eines Abstiegs in die Dritte Liga verlängert sich sein Kontrakt indes nicht.

Für Fortuna beginnt mit dieser Strukturveränderung eine neue Ära. Vorgänger Frymuth, der als für den Amateurbereich zuständiger Vizepräsident zum Deutschen Fußball-Bund (DFB) geht, hatte in seinen neun Amtsjahren nie ein Gehalt vom Verein bezogen. Viele Mitglieder äußerten lautstark ihren Unmut über den Wechsel von Kall vom Aufsichtsrat zu einem bezahlten Posten im Vorstand. Sie werfen dem Kontrollgremium in Internetforen Postengeschacher und unverantwortlichen Umgang mit den Vereinsfinanzen vor. Viele verübeln dem ehemaligen Telekom-Manager auch, dass er noch vor wenigen Wochen ganz offiziell Ambitionen auf das Vorstandsamt bestritten hatte.

Dirk Kall kann die Vorwürfe nachvollziehen und wirbt um Vertrauen. "Dieser Kritik werde ich mich sehr deutlich stellen", sagt er. "Wir haben uns sehr lange Gedanken gemacht, wie Fortuna Düsseldorf sich auf der Führungsebene neu aufstellen soll. Ganz unabhängig von Personen sind wir zu dieser Entscheidung gekommen." Er selber habe in der Tat lange betont, nicht ins operative Geschäft des Vereins wechseln zu wollen, sei schließlich aber von den anderen acht Mitgliedern des Aufsichtsrats überzeugt worden. Tatsächlich fiel die Entscheidung in der Nacht zu Dienstag einstimmig aus. Zuvor hatte es eine hitzige Sitzung des Gremiums gegeben, in der die Mitglieder kontrovers diskutierten. Teilnehmer sprachen von einer turbulenten Atmosphäre.

Als ersten Tagesordnungspunkt an diesem Abend hatte sich der künftige Sportvorstand Helmut Schulte dem Aufsichtsrat vorgestellt. Der Sauerländer, derzeit noch Sportdirektor bei Rapid Wien, stellte dabei klar, dass er erst am 1. Januar seine Tätigkeit aufnehmen werde. Die aktuell drängenden sportlichen Probleme durch die Talfahrt in der Zweiten Liga (Tabellenplatz 15), die zur Trennung von Cheftrainer Mike Büskens geführt hatte, muss Fortuna noch ohne Schulte bewältigen. Wenngleich er über die geplanten Schritte informiert wird.

(RP)
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