Klitschko-Fight: Zeitungsjunge Chambers will auf den Thron

Klitschko-Fight: Zeitungsjunge Chambers will auf den Thron

Düsseldorf (RPO). Mit großen, wachen Augen verfolgt er jede Bewegung und jede Aktion des scheinbar übermächtigen Gegners. Angst vor Schwergewichts-Weltmeister Wladimir Klitschko lässt Eddie Chambers nicht erkennen. "Jetzt bin ich am Ziel, jetzt kann ich den Titel dorthin zurückbringen, wo er hingehört: Nach Amerika", sagte Chambers, der den Zwei-Meter-Hünen aus der Ukraine am Samstag in der Arena in Düsseldorf herausfordert (ab 22.05 Uhr, den einen Kampfbericht gibt es im Anschluss an den letzten Gong auf unserer <a href="/sport/mehr/boxen/index.html:" target="_blank">Box-Seite</a>).

Dann wirft der 27-jährige Amerikaner beim Public Workout wieder schnell einen Blick auf den IBF-WBO-IBO-Champion, der mit wuchtigen Geraden und Haken seine Pratzenarbeit verrichtet. "Das Mentale ist höchstwahrscheinlich der Schlüssel zum Sieg", sagt der Boxer, der wegen seiner Schnelligkeit "Fast Eddie" gerufen wird. Viele Gegner des zurzeit wohl besten Schwergewichtlers weltweit haben vor einem Klitschko-Fight große Töne gespuckt und sind auf dem Weg zum Ring in sich zusammengefallen.

Das ist nicht die Sache von Eddie Chambers, der 15 Zentimeter kleiner und rund 15 Kilogramm leichter ist als Klitschko. Ihn treibt der Wille an, das Leben hat ihn Demut gelehrt. Chambers ist in einfachen Verhältnissen in der ehemaligen US-Stahlmetropole Pittsburgh aufgewachsen. Das ist kein ungewöhnlicher Hintergrund für einen Boxer in den Staaten. Aber Eddie Chambers tritt als wohlerzogener, interessierter Mensch auf, er wirkt fast wie ein College-Student.

Sieben Geschwister, vier Jungs und drei Mädchen, hat der Herausforderer. Einer seiner Brüder starb im Alter von acht Jahren. Als Ältester wurde Chambers in die Pflicht genommen. Er musste seiner Stiefmutter Lynn im Haushalt helfen, Müll raustragen, Geschirr spülen und die Wohnung mit aufräumen.

Als Zeitungsjunge für die Pittsburgh Post Gazette trug er zum Einkommen der Familie bei. Gleichzeitig packte ihn die Leidenschaft für das Boxen. Als Eddie neun Jahre alt war, brachte ihm sein Vater Eddie Sr., der in den 70er Jahren ebenfalls boxte und den er als seinen Mentor bezeichnet, die ersten Kniffe bei.

  • Hier boxen sich Klitschko und Chambers warm

Chambers besuchte die Westinghouse High School in Pittsburgh, aus der einige berühmte US-Football- und Basketball-Profis hervorgingen. "Ich wollte aber immer boxen. Im Boxen kann ich der Beste sein. Ich wollte schon immer Weltmeister aller Klassen werden", sagte Chambers. Die Lebensgeschichten der Großen wie Muhammad Ali, Jack Johnson, Joe Louis oder Rocky Marciano faszinierten ihn. Als er 14 war, gab der Vater seinem Drängen nach und erlaubte ihm, die Box-Karriere einzuschlagen.

Für die Verwirklichung seines Traums siedelte Chambers nach Philadelphia über, das als US-Boxhochburg gilt. Trainer Rob Murray Sr., der schon den einstigen Mittelgewichts-König Bernard Hopkins betreute, nahm ihn auf. Es folgten 85 Amateurkämpfe und dann das erfolgreiche Profidebüt am 29. Dezember 2000 mit einem Zweitrunden-Knockout gegen Tyrone Austin.

Hier zieht Chambers die Parallele zu einem der größten Schwergewichts-Weltmeister der Geschichte. "Larry Holmes hat für sein Debüt ein Paar Handschuhe, eine Boxer-Shorts und 50 Dollar bekommen. Viel mehr war das bei mir auch nicht", sagt Chambers.

Holmes war einst Sparringspartner von Ali, wurde später Champion und besiegte den Größten aller Zeiten. Der in 35 Profi-Kämpfen nur einmal besiegte Chambers, der Wladimir Klitschko 2006 in der Vorbereitung zur Verfügung stand, will diese Geschichte für sich wiederholen und den Traum vom großen Ruhm und Geld verwirklichen. Auf seiner Internetseite steht unter seinem Foto: "Was auch immer er anpackt, wird zu Gold."

(SID/chk)