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Nach Hinrichtung des Ringers Navid Afkari: Iran auch sportpolitisch am Pranger

Iran am Pranger : „Akfaris Hinrichtung darf nicht folgenlos bleiben“

Die Hinrichtung des iranischen Ringers Navid Akfari hat weltweit für Bestürzung gesorgt. IOC und DOSB reagierten schockiert, der Ruf nach Konsequenzen wird lauter.

Die Bestürzung über die Hinrichtung des iranischen Ringers Navid Afkari ist gewaltig, der Ruf auch nach sportpolitischen Sanktionen gegen das Regime in Teheran wird immer lauter.

"Jetzt sind das Internationale Olympische Komitee und der internationale Ringerverband United World Wrestling am Zug", sagte Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im deutschen Bundestag auf SID-Anfrage: "Nur bedauernde Worte und dann der Übergang zur Tagesordnung - das ist jetzt endgültig zu wenig."

Allerdings befürchtet die SPD-Politikerin, dass selbst Afkaris Tod wenig ändern wird. "Welche Konsequenzen werden die internationalen Sportfachverbände mit ihrer Dachorganisation IOC an der Spitze ziehen?", fragte sie und lieferte ihre Antwort selbst: "Wenn man sich die Vergabepraxis internationaler Sportveranstaltungen der letzten Jahre ansieht, muss man befürchten: nichts." Sie zog die Schlussfolgerung: "Der organisierte Sport tritt seine doch so gerne zitierten ethischen Werte selbst mit Füßen."

Eine ähnliche Haltung nimmt Athleten Deutschland ein. "Navid Akfaris Hinrichtung darf nicht folgenlos bleiben. Wir erwarten vom Internationalen Olympischen Komitee und von United World Wrestling, sich entschieden gegen Menschenrechtsverletzungen von Athlet*innen und anderen Personengruppen zu stellen, die Teil der olympischen Bewegung sind oder sich in ihrem Wirkungskreis befinden", teilte die Athletenvertretung auf SID-Nachfrage mit. Hierzu gehöre auch, "einen entsprechenden Sanktionsmechanismus in die Wege zu leiten. Es ist längst überfällig, dass sich die tief humanistisch geprägte olympische Bewegung zur Wahrung der Menschenrechte verpflichtet."

Auch Präsident Manfred Werner vom Deutschen Ringer-Bund (DRB) zeigte sich im Gespräch mit dem SID "schockiert", das Handeln des Iran sei "nicht zu akzeptieren". Für Werner ist klar: "Wenn man auf der großen Bühne dabei sein will, müssen die Menschenrechte gewahrt werden."

In dieser Hinsicht hat der Iran Nachholbedarf, das zeigte nicht erst der Fall Afkari. So wurde der iranische Judoverband im vergangenen Herbst von der International Judo Federation suspendiert, nachdem ein iranischer Athlet von Funktionären seines Verbandes unter Druck gesetzt worden war, nicht gegen einen Israeli zu kämpfen.

Taekwondo-Kämpferin Kimia Alisadeh, Irans bislang einzige Olympiamedaillengewinnerin, floh Anfang des Jahres nach Deutschland. Sie bezichtigte die iranischen Sportfunktionäre des Sexismus und bezeichnete sich als "eine von Millionen unterdrückten Frauen im Iran".

Das Urteil und dessen Vollstreckung gegen den 27-jährigen Afkari haben allerdings eine andere Dimension. US-Präsident Donald Trump, Amnesty International, das IOC, Athleten Deutschland und, und, und - sie alle beknieten den Iran regelrecht in der vergangenen Woche, von der Hinrichtung abzusehen.

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Am Samstagmittag nahm Teheran den Mitgliedern der internationalen Solidaritäts-Kampagne jede Hoffnung: Staatsanwalt Kazem Mousavi verkündete im staatlichen Fernsehen, die Todesstrafe sei vollstreckt worden.

Afkari soll während einer Demonstration 2018 einen Sicherheitsbeamten getötet und die Tat auch gestanden haben. Das Geständnis soll jedoch unter Folter erzwungen worden sein, erklärten Menschenrechtsorganisationen.

Das IOC zeigte sich "geschockt" angesichts der "traurigen Nachricht". Man respektiere Irans Souveränität, es sei jedoch "zutiefst bestürzend, dass die Appelle von Athleten aus aller Welt und all die Arbeit des IOC im Hintergrund" nicht ans Ziel geführt hätten. IOC-Präsident Thomas Bach habe zuletzt in Briefen an den Obersten Führer Ali Chamenei sowie den iranischen Präsidenten Hassan Rohani um Gnade für Afkari gebeten.

Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) reagierte "schockiert und sehr betroffen". Präsident Alfons Hörmann sagte, man habe "kein Verständnis dafür, dass die Strafe vollzogen wurde, ohne dem Angeklagten einen fairen Prozess als eines der grundlegenden Menschenrechte zu gewähren."

Die Strafe sei "auf Beharren der Familie des Opfers" vollstreckt worden, sagte Mousavi. Afkaris Anwalt Hassan Younessi teilte via Twitter mit, auch ein Verurteilter habe laut Gesetz das Recht, vor der Hinrichtung seine Familie zu sehen: "Wart ihr so sehr in Eile, dass ihr Navid seinen letzten Besuch verwehren musstet?"

(dpa/sid/old)