Boxen: Manny Pacquiao wird ältester Champion im Weltergewicht

Ältester Super-Champion im Weltergewicht : Das Box-Märchen von Manny Pacquiao geht in die nächste Runde

Der philippinische Star Manny Pacquiao bricht alle Rekorde. Der 40-Jährige wurde zum ältesten Super-Champion im Weltergewicht. Zeit zum Feiern hat der "Pac Man" aber kaum, vom Ring in Las Vegas ging es gleich wieder zurück zum Senatssitz in seine Heimat.

Schau mich an, ich bin der Champion: Mit erhobenen Fäusten und finsterer Miene blickte Weltmeister Manny Pacquiao auf seinen am Boden liegenden Gegner hinab und demonstrierte mit Gestik und Mimik seine Überlegenheit. Der Niederschlag in Runde eins nach einer krachenden Kombination war der perfekte Beginn für den philippinischen Boxstar, am Ende stand ein Punktsieg gegen Titelverteidiger Keith Thurman (USA). Pacquiao hatte damit in der MGM Grand Garden Arena von Las Vegas einen Rekord gebrochen, der 40-Jährige ist der älteste Super-Champion der WBA.

Super-Champion - das ist die höchste Krone des Weltverbandes World Boxing Association. WBA-Weltmeister war Pacquiao bereits, doch dieser Titel ist in diesem Verband nur einer "zweiter Klasse". "Es hat Spaß gemacht", sagte der neue Super-Weltmeister, der in der Heimat wieder Begeisterungsstürme entfachte.

Millionen feierten auf den Straßen ihren Nationalhelden, die sozialen Medien überschlugen sich mit Lobeshymnen. "Senator Pacquiao hat bewiesen, dass das Alter nur eine Zahl ist, und dass er immer noch Legendäres schaffen kann", lautete ein Tweet. Einen 68 Jahre alten Fan in einem Vorort der Hauptstadt Manila kostete die Aufregung das Leben. Nach einem Kollaps verstarb er auf dem Weg ins Krankenhaus.

Der märchenhafte Weg Pacquiaos vom Schulabbrecher zum Multimillionär und Weltmeister in sieben verschiedenen Gewichtsklassen elektrisiert seine Landsleute. Aber auch außerhalb des Rings hat der "Pac Man" ein Aufgabenfeld gefunden. 2016 ließ er sich als Abgeordneter in den Senat wählen.

Zu seinen persönlichen Freunden gehört der philippinische Präsident Rodrigo Duarte, der im vergangenen Dezember sogar Gast bei Pacquiaos Feier zum 40. Geburtstag war. Duarte gratulierte natürlich auch nach dem jüngsten Coup. "Unser König hat sich nicht einschüchtern lassen und verkörpert den Geist der Philippiner - er ist ein Kämpfer", schrieb das Staatsoberhaupt.

Gegen den zehn Jahre jüngeren Thurman, der mit der makellosen Empfehlung von 29 Siegen in 29 Profikämpfen angetreten war, war Pacquiaos Kämpferherz gefragt. Nach dem schnellen Niederschlag arbeitete sich Thurman, der seinen Kontrahenten in Rente schicken wollte, auf den Punktzetteln wieder heran. Und so gab es am Ende eine so genannte "split decision": Zwei Richter sahen Pacquiao mit 115:112 vorn, der dritte entschied sich mit 114:113 für Thurman.

"Ich wusste, dass es sehr eng war", sagte der entthronte Thurman, räumte aber ein: "Der Niederschlag hat wohl den Ausschlag gegeben." Mit dem Sieg verbesserte Pacquiao seinen Kampfrekord auf 62 Siege (39. K.o) bei sieben Niederlagen und zwei Remis. Zeit zum Feiern hatte er kaum, denn nach der Kür im Ring wartete bereits das Flugzeug in die Heimat. Die Pflicht im Senat rief.

In diesem Jahr will Pacquiao nicht mehr boxen, "ich denke nächste Jahr wieder", sagte der Champion. Zuletzt hatte er seine Fans bei Twitter über den nächsten Gegner abstimmen lassen. Die Wahl fiel auf den alten Widersacher Floyd Mayweather junior, doch der hat seine Karriere inzwischen beendet. 2015 hatte Pacquiao gegen "Money" Mayweather den höchstdotierten Boxkampf der Geschichte verloren. Doch auch das hatte ihn auf seinem Weg nicht stoppen können.

(lt/sid)
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