French Open Boris Becker will endlich auch Paris erobern

Paris · Der Spieler Boris Becker konnte nie die French Open gewinnen. Jetzt trainiert er Novak Djokovic und greift auf Pariser Sand nach dem Titel.

"Becker-Faust" für Djokovic
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Der Rumäne Adrian Voinea war es, der 1995 Boris Beckers Traum von einem Sieg bei den French Open beendete. Der Deutsche schied in der dritten Runde aus und sollte nie wieder auf dem roten Sand von Roland Garros spielen. In diesem Jahr gibt er sein Comeback — als Trainer von Novak Djokovic. Auch der Nummer zwei der Weltrangliste fehlt noch ein Sieg in Paris im Portfolio. Als Duo greifen sie 19 Jahre nach Beckers letztem Auftritt bei den French Open nach dem fehlenden Puzzle-Stück in ihren Karrieren.

Djokovic besiegt Nadal auf Asche
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Tennis-Legenden wie Stefan Edberg, Pete Sampras oder John Mc Enroe gehören zu den Unvollendeten. Sie gewannen im Tennisgeschäft alles — nur auf dem Pariser Sand holten sie nichts. Becker war dreimal dicht dran. Im Halbfinale scheiterte er jeweils, auch weil er sein Angriffsspiel nicht vom Rasen auf den roten Sand übertragen konnte. Das will Djokovic besser machen, helfen soll ihm dabei Becker.

Ausgerechnet er, möchte man meinen. Denn die Gründe für den fehlenden Titel in Paris waren nicht nur spielerischer Natur. Dem "Roten Baron" fehlte es in den entscheidenden Duellen auf Sand an Cleverness und Nervenstärke. Offensichtlich hat der Trainer Becker aber nicht mehr viel mit dem Spieler Becker gemeinsam. Denn Djokovic baut auf die mentale Stärke seines Lehrmeisters. "Im vergangenen Jahr gab es einige wichtige Matches, in denen ich meine Chancen nicht genutzt habe. Das war kein spielerisches, sondern ein psychisches Problem. Daran habe ich mit Boris intensiv gearbeitet", sagte Djokovic.

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Foto: AP/Jason DeCrow

Zum Start seiner Mission Titelgewinn bei den French Open wurde er psychisch noch nicht gefordert. Der Weltranglistenzweite aus Serbien machte beim 6:1, 6:2, 6:4 in der ersten Runde gegen Joao Sousa (Portugal) kurzen Prozess. Der 27-jährige Djokovic, dem unter anderem neun Asse gelangen, benötigte 1:50 Stunden für seinen ungefährdeten Erfolg. In der Box auf dem Court Philippe Chatrier spendete Becker immer wieder Applaus und zeigte nach dem verwandelten Matchball von Djokovic die berühmte Faust. Der Triumph in Roland Garros fehlt Djokovic noch in seinem Grand-Slam-Portfolio. "Ich gebe nicht auf, an meine Chance zu glauben", sagte der sechsmalige Major-Gewinner, während Becker betonte: "Das Ziel ist es, die French Open zu gewinnen. Da braucht man nicht um den heißen Brei reden."

Gemeinsam arbeiten sie an der perfekten Verfassung für den Sieg in Paris. "Er hat gegen Nadal einen Weg gefunden, durch mehr Aggressivität in seinen Schlägen und einer anderen Spielposition. Außerdem sind Einstellung und Psyche perfekt", sagte Becker der "Bild-Zeitung. Die Generalprobe für den großen Auftritt bei den French Open gelang mit einem Sieg in Rom - auf Sand gegen Nadal. Der gilt in Paris wieder als Top-Favorit neben Djokovic.

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Im vergangenen Jahr war der Serbe noch ohne Becker im Halbfinale am Spanier gescheitert. Für Becker spielten sich die entscheidenden Duelle 2013 ohnehin noch auf einem anderen Platz ab. Unvergessen sind die peinlichen Momente der Tennis-Legende in der TV-Show von Oliver Pocher. Aus dem Vorbild vieler Sportler wurde "Bum Bum peinlich". Ende 2013 rief ihn Djokovic dann aus den Tiefen der unbedeutenden Abendunterhaltung zurück ins Weltklasse-Tennis.

Für Becker ist der Auftritt in Paris deswegen auch die Chance, einer bisher verkorksten Karriere nach der Laufbahn einen Sinn zu geben. Doch im Falle eines überraschenden Aus von Djokovic müsste er eventuell um seinen Job bangen. Die Bilanz als Trainer des Serben taugt jedenfalls noch nicht als Bewerbungsschreiben für weitere Aufgaben im Tennisgeschäft. Die Titel bei den Australian Open und in Dubai konnte er nicht verteidigen. Ein Sieg in Paris könnte den holprigen Start noch zu einer Erfolgsgeschichte werden lassen. Für Djokovic und für Becker.

(RP)
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