Duell der Großmeister in Astana Bei der Schach-WM kommt es zum Showdown

Astana · Der Zweikampf um die Schach-Weltmeisterschaft zwischen Ian Nepomniachtchi und Ding Liren erlebt am Samstag die 14. und damit entscheidende Partie. Bislang verlief die WM ungewöhnlich spannend.

 Die Großmeister Ian Nepomniachtchi (l.) aus Russland und Ding Liren aus China treffen in Astana aufeinander.

Die Großmeister Ian Nepomniachtchi (l.) aus Russland und Ding Liren aus China treffen in Astana aufeinander.

Foto: AFP/-

Die Sportwelt erlebt derzeit ein ungewöhnliches Phänomen: den Typus des amtsmüden Weltmeisters. Von einer seltsamen Lethargie ist ja der Norweger Magnus Carlsen befallen, der seinen Nimbus als unbesiegbarer Schachkönig nicht mehr verteidigen will. Seit 2013 hat er das Amt des Weltmeisters inne, zunehmend empfand er es als Bürde. Im vergangenen Jahr entschied er definitiv, gar nicht mehr um den Titel anzutreten. Sollen doch die Kronprinzen den Titel unter sich ausmachen! Ihm sei es egal.

Die einen sehen darin eine maßlose Arroganz, die anderen eine hilfreiche Lösung aus der fortwährenden Umklammerung durch Carlsen, die Anakonda des Betriebs. Seit dem 9. April spielen also in Astana (Kasachstan) der Zweit- und der Drittplatzierte der Weltrangliste, der Russe Ian Nepomniachtchi und der Chinese Ding Liren, gegeneinander – und was soll man sagen: Die beiden liefern sich großartige Duelle. Dreimal ging „Nepo“ in Führung, dreimal glich Ding wieder aus, zuletzt – in der zwölften Partie – in einem wahrhaft historischen Fight, bei dem auf beiden Seiten hoch gepokert wurde. Irgendwann betrat Ding die Siegerstraße, nachdem er ein paar Züge zuvor schrecklich auf Verlust gestanden hatte. Dringend im Internet nachspielen!

Nachdem die 13. Partie ein Remis brachte, hat Ding am heutigen Samstag in der 14. und letzten Partie mit den weißen Steinen einen gewissen Vorteil. Im Internet kann man auf chess.com ab 11 Uhr dabei sein. Apropos live: Die Übertragung bringt natürlich eine gewisse Verzerrung der Wahrnehmung mit sich. Jeder Zug wird parallel von dem aktuell stärksten Schachprogramm Stockfish 15.1 mit einer absurden Schnelligkeit und Denktiefe mitberechnet. Da passiert es, dass nach der Dauer eines Wimpernschlags ein Zug als epochaler Fehler gebrandmarkt wird, von dem 17 von 20 Spitzenspielern sagen würden, er sei ein durchaus solides Manöver. So ist die neue Zeit!

Sollte am Samstag keine Entscheidung fallen, gibt es einen Tie-Break mit vorerst vier Schnellpartien. Sollte danach kein Sieger feststehen, wird die Bedenkzeit immer weiter verkürzt.

Wie man hört, soll Carlsen über die kasachischen Vorgänge nur müde lächeln. Nun, die Welt staunt über die beiden wagemutigen Helden von Astana und lächelt höflich zurück.

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