Düsseldorf: Bayern heute gegen Indiens Nationalteam

Düsseldorf: Bayern heute gegen Indiens Nationalteam

Was seine Fläche und die Bevölkerung betrifft, so ist Indien ein Gigant. Mit mehr als 1,2 Milliarden Einwohnern wird das Land des Subkontinents nur noch von China (über 1,3) übertroffen. Im Fußball dagegen ist es allenfalls ein schlafender Riese und liegt in der Rangliste des Weltverbandes Fifa nur auf Rang 162 hinter den Fidschi-Inseln. Auch andere Fußballzwerge wie die Färöer (116), Liechtenstein (132), das kleine afrikanische Königreich Lesotho (147) und Samoa (149) sind besser platziert.

Wer durch Indien reist und in den Sportteilen der Zeitungen blättert, kann sich ein Bild davon machen, wie beliebt dort insbesondere der Cricketsport ist und welch große Resonanz er findet. Anders als die Fußballer haben indische Hockeyspieler für ihr Land bereits etliche große Erfolge erzielt. Mit acht Titeln sind sie Rekordolympiasieger vor Nachbar Pakistan, Großbritannien und Deutschland (je dreimal Gold).

Indiens beste Jahre im Weltfußball liegen lange zurück. 1950 konnte sich seine Auswahl sogar für die WM in Brasilien qualifizieren, doch ihr Verband verzichtete auf eine Teilnahme, da die Fifa das Barfußspielen untersagt hatte. Seitdem blieb das Riesenland entweder der Qualifikation fern, oder es konnte sich in der Ausscheidung nicht behaupten. 1956 erreichten die Asiaten bei den Olympischen Spielen in Melbourne die Begegnung um Bronze, verloren dann aber gegen Bulgarien. Der in Kolkata (Kalkutta) beheimatete East Bengal Club gewann 2003 die Asean Club Championship – damals vergleichbar mit dem früheren Uefa-Cup.

Nach dem Trainingslager in Doha (Katar) treten die Bayern heute in dem nach dem früheren Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru benannten Stadion von Neu-Delhi (Fassungsvermögen: 60 000 Besucher) gegen Indiens Nationalteam an. Sie nehmen dafür rund 4400 Flugkilometer Umweg in Kauf. Es ist das Abschiedsspiel für den früheren Kapitän der Auswahl, Baichung Bhutia, der von 1999 bis 2002 beim englischen Drittligaklub FC Bury unter Vertrag stand. Der deutsche Rekordmeister absolviert die Partie im Rahmen des Audi Football Summit. Der Ingolstädter Autohersteller ist Partner des FC Bayern, und in der indischen Hauptstadt findet derzeit eine große Auto-Messe statt. Doch natürlich dürfen sich auch die Gastgeber viel von diesem Vergleich versprechen. Er kann dazu dienen, den Fußball im Land populärer zu machen, Marketing und Merchandising anzukurbeln. Indien wird durch die hohe Bevölkerungszahl auch für den Fußball ein äußerst lukrativer Markt sein, ein immenses Potenzial. Immerhin weist die Fifa für das Land mehr als 20 Millionen (registrierte und nicht registrierte) Spieler aus.

In Kolkata steht mit dem Juba Bharati Krirangan ein gigantisches Stadion. Bei Spielen der I-League sind in der Arena zuweilen alle 120 000 Plätze besetzt. So viele Fans kamen auch im Mai 2008, als Deutschlands ehemaliger Nationaltorwart Oliver Kahn mit dem FC Bayern bei 40 Grad Celsius eines seiner Abschiedsspiele bestritt und München gegen Mohun Bagan AC nach Toren von Jan Schlaudraff (2) und Zé Roberto mit 3:0 gewann.

(RP)
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