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Leverkusen: Bayer kappt Sportförderung

Leverkusen : Bayer kappt Sportförderung

Der Konzern unterstützt künftig nur noch seine Topklubs in Leverkusen, Krefeld, Dormagen und Wuppertal. 21 kleinere rheinische Bayer-Vereine mit bis zu 90 Jahren Tradition stehen vor der Auflösung.

Um 0.00 Uhr in der vorvergangenen Nacht schickte der Bayer-Konzern eine Pressemitteilung in die Welt. "Bayer wird die Sportförderung im Umfeld der Niederrhein-Standorte neu aufstellen und sich dabei zukünftig auf sechs Großvereine konzentrieren", heißt es darin. 21 zum Teil traditionsreiche rheinische Vereine fallen damit einem Sparprogramm zum Opfer, "mit dessen Hilfe weitere Mittel für Forschung und Marketing freigesetzt werden sollen, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns zu stärken", teilte das Unternehmen mit. Unter anderem erwischt es die Bayer-Reitvereine in Leverkusen, Uerdingen und Dormagen. Aber auch kleine Klubs wie den traditionsreichen Sportangler-Verein von 1923 Bayer Dormagen-Zons. Insgesamt sind 8000 Sportler betroffen.

Als vereinsgeförderte Klubs bleiben lediglich TSV Bayer 04 Leverkusen, RTHC Bayer Leverkusen, TSV Bayer Dormagen, SV Bayer Uerdingen 08, SC Bayer 05 Uerdingen und SV Bayer Wuppertal erhalten. Diese Klubs bekommen zusammen jährlich 13 Millionen Euro für Breiten-, Jugend- und Behindertensport.

Die Bayer 04 Fußball GmbH läuft außerhalb dieser Kalkulation als Werbung treibende Tochter der AG. Sie erhält jährlich mindestens 20 Millionen Euro von der Mutter. Darüber hinaus gibt es einen Sonderfinanzierung für Michael Ballack: Für den Zweijahresvertrag des ehemaligen Nationalspielers zahlt der Konzern nach Angaben von Fußballchef Wolfgang Holzhäuser zwölf Millionen Euro. Dieses Arrangement wurde noch vor Amtsantritt des aktuellen Vorstandsvorsitzenden Marijn Dekkers, also unter Leitung seines Vorgängers Werner Wenning getroffen.

Über die Höhe des durch die jetzt anstehenden Kürzungen bei Reitern, Kanuten, Schachspielern, usw. eingesparten Betrags gab das Unternehmen keine Informationen. Durch die vorausgegangene Spar- und Umstrukturierungswelle im Jahr 2007 wurden jährlich 2,6 Millionen Euro in Schul- und Ehrenamtsprojekte umgeleitet.

Vor vier Jahren betrafen die Kürzungen die damaligen Bundesliga-Teams im Basketball, Volleyball und Handball. Auch die Leichtathleten in Leverkusen müssen mit weniger Geld auskommen, weil "die Werbewirksamkeit nicht mehr gegeben" sei, wie Michael Schade, der Leiter der Unternehmenspolitik, damals sagte. Sogenannte Werbe-Imagegelder, deren Summe nach RP-Informationen eher bei zehn als bei den damals offiziell genannten 3,8 Millionen Euro jährlich lagen, hatte Bayer bis dahin in seine Topteams gesteckt.

Die jetzt betroffenen Vereine erhalten in den kommenden drei Jahren Schritt für Schritt reduzierte Zuwendungen, 2015 läuft die Förderung durch den Konzern ganz aus. Den Klubs wird nahegelegt, sich neue Sponsoren zu suchen, mit anderen nicht vom Unternehmen geförderten Vereinen zu kooperieren oder sich als Abteilung einem der sechs Bayer-Großklubs anzuschließen. Dabei haben Vereine wie der TSV Bayer 04 Leverkusen schon genug Probleme, ihr Breitensportprogramm zu finanzieren. Die AG begründet die Kürzungen auch damit, dass die Zahl der Bayer-Mitarbeiter in einigen Vereinen drastisch zurückgegangenen sei, zum Teil auf unter 20 Prozent.

Anlässlich des Jubiläums der Bayer-Sportförderung im Jahr 2004 rühmte die Bayer AG freilich noch ausdrücklich, dass ihre Vereine auch der "Nachbarschaftspflege" dienen, und dass sie nicht nur den Werksangehörigen offen stehen. In den Festschriften veröffentlichte der Konzern stolz die Botschaft, dass unter seinem Dach "eine der größten Sportinitiativen unserer Zeit" entstanden sei. Die bröckelt weiter. Die Bayer AG trennt sich von einem weiteren Stück Unternehmenskultur und -geschichte.

(RP)