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Leverkusen: Bayer ist bescheiden geworden

Leverkusen : Bayer ist bescheiden geworden

Eines haben sie bei Bayer Leverkusen aus der vergangenen Saison gelernt: Zu offensiv formulierte Saisonziele können einem böse um die Ohren fliegen, wenn man sie verfehlt. Insofern haben die Verantwortlichen für die neue Spielzeit eine veränderte Vorgehensweise auserkoren, die da lautet: entweder realistische Ziele ausgeben oder einfach gar keine. "In der Meisterschaft ist unser Mindestziel, die Europa League zu erreichen, sprich Fünfter oder Sechster zu werden. Wenn wir sogar die Champions League-Plätze anpeilen können – umso besser", sagte Sportdirektor Rudi Völler. Teamchef Sami Hyypiä befand beim gestrigen Trainingsauftakt: "Erst wenn der Kader komplett ist, macht es Sinn, über Ziele zu sprechen."

Unvollständig ist Bayers Kader nicht nur, weil die EM-Fahrer André Schürrle, Lars Bender und Michal Kadlec fehlen, sondern weil der Werksclub in den vergangenen Wochen vor allem Spieler abgegeben hat. "Wir haben fast nur gestandene Profis mit viel Qualität verloren", sagt Kapitän Simon Rolfes mit Blick auf Abgänge wie Michael Ballack, Tranquillo Barnetta, Eren Derdiyok oder Vedran Corluka. Als Zugänge stehen bislang erst Philipp Wollscheid, Jens Hegeler (beide 1. FC Nürnberg), Hajime Hosogai (FC Augsburg) und der 18-jährige Brasilianer Carlinhos fest. Den Rechtsverteidiger leiht Bayer für angeblich 100 000 Euro ein Jahr aus seiner Heimat aus und besitzt für die Zeit danach ein Vorkaufsrecht.

Als Partner für Stürmer Stefan Kießling wurde indes der Chilene Junior Fernandes auserkoren. Der 23-Jährige soll drei Millionen Euro Ablöse kommen und einen Vertrag bis 2016 unterschreiben. Technisch stark und flexibel einsetzbar sei er, heißt es. Mit gutem Durchsetzungsvermögen. Fix ist jedoch nichts. Fernandes spielt noch bis Sonntag um den Titel in seiner Heimat, Völlers Assistent Jonas Boldt weilt noch vor Ort. Ein richtig guter Angreifer müsse noch her, und auch bei den Außenverteidigern sei man quantitativ nicht ausreichend besetzt, sagte Trainer Sascha Lewandowski. "Wir haben uns mit unseren Vorstellungen klar positioniert."

Lewandowski und Hyypiä gehen ihre erste Saison als gleichberechtigtes Duo auf der Leverkusener Bank jedenfalls mit großer Vorfreude an. "Urlaub ist nicht so schlecht, aber auf dem Platz zu stehen, ist auch immer schön", sagte der Finne Hyypiä. Und dass es natürlich schön wäre, wieder international zu spielen. Es klang fast wie ein Saisonziel.

(RP)