Basketball-WM: Schröder-Kritik, Rödl-Garantie - Basketballer suchen Weg aus WM-Frust

Schröder-Kritik, Rödl-Garantie : Basketballer suchen Weg aus WM-Frust

Der deutsche Basketball steht unter Schock. Nach dem blamablen Scheitern in der WM-Vorrunde soll zumindest der Olympia-Traum gerettet werden. Was muss sich dafür ändern?

Dennis Schröder rang sich ein gequältes Lächeln ab. Den Frust über die WM-Blamage hatten die tief gestürzten Basketballer auch beim Treffen mit 50 deutschen Fans im Raum Madrid 3 ihres noblen Fünf-Sterne-Teamhotels von Shenzhen längst noch nicht abgeschüttelt. Nach dem Autogrammeschreiben zu leiser Pianomusik ging der selbst erklärte Anführer erst hart mit sich und der Mannschaft ins Gericht, offenbarte atmosphärische Störungen im Team und formulierte dann eine Bedingung für seine weitere Zukunft im Nationaltrikot.

„Ich werde jetzt nicht, weil wir bis jetzt noch kein erfolgreiches Turnier gespielt haben, sagen, dass ich nicht mehr dabei bin. Dafür bin ich ein zu großer Kämpfer“, betonte der 25-Jährige nach einer langen Pause und tiefem Luftholen auf die Frage zu seiner Zukunft. Das Team könne viel erreichen. „Aber da müssen natürlich auch alle mitziehen, solange alle mitziehen, bin ich auch dabei.“

In seiner ersten öffentlichen Erklärung deutete Schröder, der am Abend vorher noch wortlos verschwunden war, eine gestörte Stimmung im Team während der Spiele an und forderte mehr Zusammenhalt. „Die Gegner hatten mehr Energie als wir“, sagte der Aufbauspieler. „Ihre Bank habe ich gesehen, die waren immer happy füreinander, wir haben das leider nicht so getan.“

Am Tag nach dem desaströsen Auftritt beim Scheitern in der Vorrunde gab es erste Antworten, wie es mit dem deutschen Basketball weitergeht. Trotz des historisch schlechten WM-Starts mit erstmals zwei Niederlagen zum Auftakt und dem drohenden Aus für den Olympia-Traum erhielt Bundestrainer Henrik Rödl eine Jobgarantie. „Es wird keinen Wechsel geben. Henrik Rödl steht nicht zur Disposition“, sagte Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball Bunds (DBB), der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch.

Der Coach sprach vor den Anhängern im Tagungssaal selbst von „einem schweren Gang“ und zeigte sich anschließend in der Frage um seine persönliche Zukunft sehr gelassen. „Ich habe im Moment keinen Grund, mir darum Sorgen zu machen, weil ich im Moment noch drei Spiele vor mir habe“, betonte Rödl, dessen Vertrag als Bundestrainer erst nach der Heim-EM 2021 endet.

Zuvor soll in China zumindest noch die Teilnahme an einem von vier Qualifikationsturnieren für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio gerettet werden. Mit drei Erfolgen gegen Jordanien am Donnerstag zum Vorrundenabschluss sowie Senegal und Kanada in der Platzierungsrunde um die Ränge 17 bis 32 in Shanghai wäre die Chance gewahrt. Bei einer weiteren Niederlage müsste gezittert und gerechnet werden. „Ich glaube, dass das Gegner sind, die wir alle schlagen können“, betonte Rödl vor dem Dreierpack binnen fünf Tagen. Die Mannschaft müsse sich „zusammenreißen, um das hinzukriegen“.

In der Aufarbeitung der bisherigen Auftritte zeigte sich auch Danilo Barthel schonungslos. Dabei attestierte der Kapitän des FC Bayern der Mannschaft eine für Auftritte auf der Weltbühne fatale kollektive Einstellung. „Das Gefühl des hundertprozentigen Willens ist irgendwie nicht aufgekommen“, sagte Barthel. „Ich glaube, dass jetzt eine Reaktion kommen muss.“

Schon Maodo Lo hatte die „Körpersprache“ des deutschen Teams bemängelt, Kapitän Robin Benzing sah die Gegner als „hungriger“ an. „Ich nehme das auch in erster Linie auf mich, ich bin ja der Leader der Mannschaft, da habe ich gar kein Problem mit“, sagte Schröder zur Schuldfrage. Diese Defizite muss das Team nun ablegen. Der Kern der Mannschaft wird auch in den kommenden Jahren zusammenbleiben, muss aber seine Turnier-Reife erst noch beweisen.

Auch Schröder, der bei der WM seine Form vergeblich suchte. „Wir haben uns alle zu sehr auf die Qualität von Dennis verlassen, wir haben ihm zu viel auf die Schultern gepackt“, sagte Barthel. Wir hätten ihn durch den ein oder anderen Spieler, der auf dem höchsten Niveau spielt, entlasten können.“

(pabie/dpa)
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