Basketball-WM-Qualifikation: Henrik Rödl - ohne Fünf ins kalte Wasser

Basketball-Bundestrainer gibt Debüt: Henrik Rödl - ohne Fünf ins kalte Wasser

Der Streit zwischen dem Basketball-Weltverband FIBA und der EuroLeague bringt den neuen Bundestrainer Henrik Rödl vor seinem Debüt in Schwierigkeiten. Fünf nominierte Spieler sind vor dem Start in die WM-Qualifikation nicht da.

Wenn Henrik Rödl zum ersten Mal als Bundestrainer an der Seitenlinie steht, sind neun seiner besten Spieler nicht dabei. Grund dafür ist ein schwelender Streit im Basketball, der auch vor dem Start der WM-Qualifikation weiter tobt. "Die Situation ist, wie sie ist", sagte Rödl im SID-Interview, er fügt sich in sein Schicksal. Der 48-Jährige will dem Problem vor seinem Debüt nicht zu viel Raum geben.

Der Weltverband FIBA hat neue Länderspielfenster eingeführt, die sich teilweise mit den Klub-Wettbewerben überschneiden. Natürlich nimmt die nordamerikanische Profiliga NBA keine Rücksicht darauf und setzt ihren Spielbetrieb nicht aus. Den gleichen Weg geht aber auch die EuroLeague. Deshalb fliegen seit Monaten die Giftpfeile, eine Einigung ist nicht in Sicht - die Verlierer sind der Sport und die Fans.

"Ich wünsche mir natürlich eine Lösung - auch kurzfristig - und dass wir so viele Spieler wie möglich dabei haben", sagte Rödl vor dem ersten Qualifikationsspiel für die WM 2019 gegen Georgien am Freitag in Chemnitz (19.30 Uhr/Telekom Sport). Nur 14 der 19 nominierten Akteure bereiteten sich seit Montag für den Auftakt vor. Isaac Bonga (Fraport Skyliners) und Jonas Grof (Phoenix Hagen) strich Rödl am Donnerstag aus dem nunmehr zwölfköpfigen Kader für das Georgien-Spiel.

NBA-Stars und fünf EuroLeague-Starter fehlen

Die NBA-Profis Dennis Schröder, Maximilian Kleber, Daniel Theis und Paul Zipser fehlen, das war lange klar. Doch durch die starre Haltung der EuroLeague, die ihren Kalender nicht anpassen will und zuletzt auch Kompromissvorschläge abgelehnt hat, haben fünf weitere Spieler keine Zeit: Tibor Pleiß (Valencia), Johannes Voigtmann (Vitoria/beide Spanien) sowie Maodo Lo, Patrick Heckmann und Lucca Staiger (alle Bamberg).

Rödl muss damit leben. Druck auf die EuroLeague-Klubs kann der Deutsche Basketball Bund (DBB) nicht ausüben. Und so ist eine Situation entstanden, die aus einer Reihe von Gründen - vorsichtig gesagt - unbefriedigend ist. So kommen beispielsweise viele Profis zum Einsatz, die bei der WM keine Rolle spielen werden, wenn die Qualifikation gelingen sollte. Denn dann sind Schröder und Co. wieder dran.

Die knifflige Personalsituation sieht der bisherige Assistenzcoach Rödl, der den US-Amerikaner Chris Fleming nach der erfolgreichen EM mit dem Aus im Viertelfinale von Istanbul abgelöst hatte, als Chance. "Wir können dadurch auch den Kader erweitern und andere Leute ausprobieren", sagte der Europameister von 1993. Vor ihrem Debüt stehen Youngster wie Isaac Bonga (18), Jonas Grof oder Andreas Obst (beide 21).

Rödl trifft mit der DBB-Auswahl in der Vorrunde neben Georgien ("kann ein sehr enges Spiel werden") auf Österreich ("immer ein unangenehmer Gegner") und die starken Serben. Drei von vier Teams erreichen die Hauptrunde, das Weiterkommen ist Pflicht. Doch die Ergebnisse werden in die zweite Gruppenphase mitgenommen.

"Jedes einzelne Spiel hat eine enorme Bedeutung. Ich habe mit allen Spielern gesprochen und dabei war natürlich auch der Modus ein Thema", sagte Rödl, der fest an den Sprung zur WM in China glaubt. "Wir werden alles dafür tun, weil es auch die Voraussetzung für eine Olympiaqualifikation ist", sagte der Trainer: "Ich glaube, dass es ein realistisches Ziel ist."

Hier geht es zur Infostrecke: DBB-Team in der WM-Quali: Fragen und Antworten

(sid)