DBB-Team hat Großes vor Das sind Deutschlands Medaillen-Jäger

Düsseldorf · Der Erfolg der deutschen Basketballer hat viele Gesichter, auch wenn er maßgeblich von einem Kollektiv getragen wird. Im Halbfinale geht es nun gegen Weltmeister Spanien. Wir stellen Ihnen die Medaillen-Jäger vor.

Basketball-EM: Internationale Pressestimmen zu Deutschlands Halbfinal-Einzug
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So reagiert die Presse auf Deutschlands Halbfinal-Einzug

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Foto: AP/Michael Sohn

Die erste Medaille seit Silber bei der EM 2005 in Serbien ist für die deutschen Basketballer keine Utopie mehr. Im Gegenteil. Mit dem ersten Halbfinal-Einzug seit der Dirk-Nowitzki-Ära vor 17 Jahren will sich das Team um Kapitän Dennis Schröder noch lange nicht zufriedengeben. „Vor der EM war eine Medaille das Ziel. Natürlich wollen wir jetzt Gold“, sagte Center Daniel Theis nach dem 107:96 im Viertelfinale gegen Titelfavorit Griechenland. Die individuelle Qualität des Kaders ist hoch. Hinzu kommt die Teamchemie und Kadertiefe, die ein großes Plus ist. „Wir haben so viel Tiefe und so viel Qualität, das ist unfassbar“, sagte Kapitän Dennis Schröder nach dem Viertelfinal-Coup. Wir stellen Ihnen das Team vor.

Niels Giffey (31), der Dauerbrenner

Seit neun Jahren ist der ehemalige College-Student eine feste Größe, wenn es für die Nationalmannschaft um etwas geht. Nur bei der EM 2017 fehlte der Neffe der Regierenden Bürgermeisterin von Berlin. Nach einer enttäuschenden Saison in Kaunas sucht Giffey nach einem neuen Klub, der Profi mit den meisten Länderspielen (92) im Aufgebot hat eine Menge Erfahrung zu bieten.

Justus Hollatz (21), der Loyale

Dem Point Guard gehört die Zukunft, demnächst in Spanien bei CB Breogan. Im Nationalteam hat er noch Dennis Schröder und Maodo Lo vor sich. Doch Hollatz fügt sich in seine Bankrolle, unterstützt die Mannschaft von außen. Hollatz: „Wenn Chris (Sengfelder) und ich nicht spielen, sind wir auch auf der Bank bereit, alles zu geben“. Als Schröder gegen Ungarn geschont wurde, durfte „Juice“ ran - und deutete mit seinen elf Assists an, was in ihm steckt.

Maodo Lo (29), der Elegante

Der Aufbauspieler vom deutschen Meister Alba Berlin ist bei der EM der Backup für Dennis Schröder. Lo nimmt seine Rolle klaglos an. Wenn er seine Spielzeit bekommt, dann liefert er. Der 29-Jährige spielt ein ganz starkes Turnier, trifft großartig aus der Distanz. Sein Wurf ist eine Augenweide, weich, zielsicher. Beim Sieg gegen Frankreich wird er gar zum Spieler des Spiels gewählt. Seine Mitspieler trauen ihm eine Zukunft in der NBA zu, er selbst hat den Traum vom Sprung in die beste Basketball-Liga der Welt ebenfalls noch nicht abgehakt.

Basketball-EM 2022 Kader - die deutschen Spieler im Überblick
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Das ist der deutsche EM-Kader

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Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich

Andreas Obst (26), der Scharfschütze

Die Griechen bekamen schnell einen Geschmack davon, was den Guard des FC Bayern gefährlich macht. Obst drückte immer wieder von der Dreierlinie ab, traf am Ende fünf seiner sieben Würfe von Downtown, Quote: 71,4 Prozent. Kein deutscher Spieler ist in dieser Disziplin besser. Fast in jedem Spiel ein wichtiger Faktor in der Offensive - gegen Bosnien (13 Punkte), Litauen (neun), Slowenien (14) und Montenegro (neun).

Dennis Schröder (28), der Leader

Der unumstrittene Anführer. Bundestrainer Gordon Herbert hat sich früh auf Schröder als Kapitän festgelegt. Der 28-Jährige ist ein extrovertierter Typ, einer der polarisiert. Stellt sich bei der EM voll in den Dienst der Mannschaft, übernimmt Verantwortung. Er redet den Kader stark und geht mit Leistung voran. Dass liegt auch daran, dass er noch nie „eine so gute Teamchemie“ in einem Nationalteam gespürt habe. Über den Kapitän verliert keiner ein schlechtes Wort. „Er ist auf dem Feld und abseits unser Anführer“, sagte Johannes Voigtmann. Der derzeit vereinslose NBA-Profi ist im Eins-gegen-eins kaum zu halten, bestimmt das Tempo und setzt seine Kollegen in Szene. Dazu verteidigt er auf hohem Niveau. Einziges Manko: Bis zum Spiel gegen Griechenland wollte sein Distanzwurf nicht hochprozentig fallen.

Christian Sengfelder (27), der Energizer

Er hat fast immer die Rolle als Zuschauer, kriegt eigentlich gar keine Minuten. Doch wenn der gebürtige Leverkusener das Zeichen bekommt, brennt er. Im letzten Vorrundenspiel gegen Ungarn durfte Sengfelder ran - und zeigte seinen Wert für die Mannschaft. Der 27-Jährige war mit 22 Punkten Topscorer. Die Tiefe des Kaders ist ein großes Plus. „Das sind alles Erlebnisse, die werde ich nie vergessen und da werde ich meinen Enkelkindern noch von erzählen“, sagte Sengfelder.

Daniel Theis (30), der Turm

Wenn es gilt, einen Großen zu stoppen, kommt Daniel Theis ins Spiel. Der NBA-Profi aus Salzgitter ist in der Defense eine Macht. Ganz starke 16 Rebounds schnappte sich Theis gegen Griechenland. Hinzu kommt, dass er immer wieder Würfe aus der Mitteldistanz verwandelt. Für Bundestrainer Gordon Herbert ist Theis unersetzbar: „Wir brauchen ihn, um unsere Ziele zu erreichen.“ Beinahe hätte Schröders Kumpel aus gemeinsamen Braunschweiger Zeiten seine Karriere in diesem Jahr mit dem NBA-Titel gekrönt, er scheiterte im Finale mit den Boston Celtics. Nun geht es für ihn bei den Indiana Pacers weiter.

Johannes Thiemann (28), der MVP

Nach den Finals der Bundesliga fiel die Wahl auf den Trierer, er war auf dem Weg zum nächsten Titel mit Berlin („meine zweite Heimat“) der wertvollste Spieler (MVP) der Serie. Thiemann ist auch bei der EM ein deutscher Schlüsselspieler. Bringt Energie, Rebounds und Punkte.

Johannes Voigtmann (29), der Vielseitige

Der Eisenacher hat schwierige Monate hinter sich, nach Kriegsbeginn verließ er ZSKA Moskau und hatte keine Spielpraxis, während der EM klappte es mit dem Wechsel zu Olimpia Mailand. Kein Wunder, dass die Italiener zugriffen, denn der Co-Kapitän ist in der Startformation gesetzt und performt ordentlich. Er ist als Center stark am Korb und bei den Rebounds wichtig, hat auch den Dreier im Angebot und kann dazu passen wie ein Point Guard.

Franz Wagner (21), der Alleskönner

Für sein Idol Dirk Nowitzki ist der Berliner „ein supercooler Junge“, der einfach „alles gut kann“. Wagner hat ein enormes Repertoire und begeistert mit seinem Allround-Paket. Mit seiner Athletik, seinem Zug zum Korb, seinem (Dreipunkte-)-Wurf und seiner aggressiven Verteidigung bringt der 2,08 Meter-Mann alles mit, was man braucht, um Einfluss auf das Spiel zu nehmen. Egal ob in der Offensive oder Defensive. Auch eine Knöchelblessur konnte den 21-Jährigen, der beim NBA-Klub Orlando Magic eine bemerkenswerte Rookie-Saison spielte, gegen Griechenland nicht stoppen. Wagner stand 26 Minuten auf dem Feld und erzielte 19 Punkte.

Nick Weiler-Babb (26), der Spezialist

Kurz vor dem Start ins Trainingslager bekam der gebürtige Amerikaner seinen deutschen Pass und darf nun als „naturalisierter“ Spieler mit dem Adler auf der Brust auflaufen. Weiler-Babb ist ein bissiger Verteidiger, gemacht für Sonderaufgaben, der Gegner entnerven, ihnen den Spaß und sie aus dem Spiel nehmen kann.

Jonas Wohlfarth-Bottermann (32), der Spätstarter

Wer im Frühjahr darauf gesetzt hätte, dass WoBo beim EM-Auftakt in der Starting Five der deutschen Mannschaft steht, wäre vermutlich ausgelacht worden. Ausfälle auf den großen Positionen brachten den gebürtigen Bonner ins Spiel, der seit seinem Debüt 2013 vor der EuroBasket nur 14 Länderspiele absolvierte. Der älteste Spieler im Kader kriegt seine Minuten und erledigt seine Aufgaben zuverlässig.

Bundestrainer Gordon Herbert (63), der Ruhepol

Und wenn die Welt um ihn herum zerbersten würde, Gordon Herbert bliebe völlig cool. Der Kanadier geht nur aus sich heraus, wenn ihm nicht passt, was die Schiedsrichter treiben. Nachher ist es ihm aber unangenehm. Herbert ist ein sachlicher Analytiker, der die Sprache der Spieler spricht. Kein Mann der großen Worte, aber mit feinem Sinn für Humor. Ein Glücksfall für den Verband.

(sid/old)