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Bonn: Basketball-Legionäre erneut zu stark für deutsche Profis

Bonn : Basketball-Legionäre erneut zu stark für deutsche Profis

Es war sein Abend, und Isaiah Swann genoss die Momente. Der Basketballprofi aus den USA, der sein Geld beim Bundesligisten Braunschweig verdient, traf siebenmal mit Würfen jenseits der Drei-Punkte-Linie (6,75 m vom Korb entfernt), kam auf 25 Punkte, glänzte zudem als Passgeber und Spiellenker. Die Wahl zum wertvollsten Spieler (MVP) des All-Star-Spiels in Bonn war ein verdienter Lohn. "Das fühlt sich gut an", sagte der 28-Jährige. Auch im sechsten Versuch schafften es die deutschen Erstliga-Profis nicht, ihre ausländischen Kollegen zu besiegen. 116:121 (65:63) endete die Partie, in der Lucca Staiger (München) mit 16 Punkten der erfolgreichste Nationale war. "In der ersten Hälfte wollten wir eine Show zeigen. Dann aber ging es darum, nicht zu verlieren", betonte Swann.

Der emotionale Höhepunkt war mit einem vermeintlichen Blackout eingeleitet worden. Nationalspieler Heiko Schaffartzik hatte vier Minuten vor der Halbzeit den Ball einfach Richtung Kabinenausgang geworfen und dafür Kopfschütteln ausgelöst. Doch dann kam Chris Ensminger (40), seit einem halben Jahr Trainer des Zweitligisten Gotha, mit dem Ball aufs Spielfeld. In 14 Jahren war der US-Amerikaner zu einem prägenden Gesicht der Liga (BBL) geworden.

Vier Punkte gestatteten ihm seine Ex-Kollegen beim Kurzeinsatz. Als ihm BBL-Geschäftsführer Jan Pommer ein speziell gefertigtes Trikot mit seinen vier Stationen (Weißenfels, Bamberg, Paderborn, Bonn) präsentierte, hatte der kantige Center dann sogar Tränen in den Augen.

Es war ein gelungener Tag, an dem sich auch die besten Nachwuchsspieler den 6000 Fans präsentierten, Calvin Harris (Ludwigsburg) den Drei-Punkte-Wettbewerb gewann und der polnische Amateur Rafal Lipinski sich im Dunking-Wettbewerb gegen fünf Bundesligaprofis durchsetzte.

Es war eine unterhaltsame Inszenierung des Basketballs, dessen Topliga bis 2020 die spanische als Nummer eins in Europa ablösen möchte. Was die Leistungsdichte aller 18 Klubs angeht, so Geschäftsführer Pommer, "brauchen wir uns hinter keinem zu verstecken". Aber zur besten Liga gehöre auch, dass man Teams hat, die dauerhaft in der Euroleague zu den Kandidaten auf einen Platz im Final 4 gehören. Da gibt es noch Nachholbedarf.

Nach der Saison treffen sich die Klubvertreter, um während einer mehrtägigen Konferenz die Aufgaben, Standards und Ziele für die Zeit bis 2020 festzulegen.

(RP)