Steffi Graf sah Agassi-Sieg - Sampras weiter: Australian Open: Rittner und Prinosil in Runde zwei

Steffi Graf sah Agassi-Sieg - Sampras weiter : Australian Open: Rittner und Prinosil in Runde zwei

Melbourne (sid). Zwei deutsche Veteranen und ein "Frischling" haben die Nervenspiele im Melbourne Park zum Auftakt der Australian Open mit Mühe, Krampf und Kampf überstanden. Barbara Rittner, David Prinosil und Greta Arn zogen als deutsche Vorhut beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres in die zweite Runde ein. Markus Hantschk und Anca Barna blieben dagegen auf der Strecke. Zwölf der insgesamt 17 deutschen Profis, darunter Tommy Haas und Nicolas Kiefer, waren erst für Dienstag angesetzt. Die amerikanischen Mitfavoriten Pete Sampras und Lindsay Davenport überstanden ihre erste Bewährungsprobe in der "Night-Session".

2:57 Stunden brauchte die 21 Jahre alte Greta Arn, ehe sie durch den 3:6, 7:6 (7:4), 12:10-Erfolg über die Kanadierin Jana Nejedly zum ersten Mal in ihrer Karriere die dritte Runde eines Grand-Slam-Turnier erreicht hatte. "Ich freue mich wahnsinnig", sagte die 146. der Weltrangliste. Am Ende des Marathonmatches waren beide Spielerinnen körperlich angeschlagen. "Wir wurden beide unheimlich müde am Ende", erklärte Arn die Serie von insgesamt 23 Breaks in der Partie: "Mein Aufschlag kam gar nicht."

Dafür hielten ihre Nerven, zwei Matchbälle wehrte sie im zweiten Satz ab, dreimal schaffte sie ein Rebreak im dritten, als ihre Gegnerin zum Matchgewinn servierte: "Ich habe habe gar nicht gemerkt, dass es Matchbälle gegen mich waren, ich habe mich nur auf den nächsten Ball konzentriert." In der nächsten Runde wartet Titelverteidigerin Lindsay Davenport, und Greta Arn freut sich: "Da kann ich doch gar nichts verlieren."

Diese Einstellung konnte Barbara Rittner nicht in ihr Spiel gegen die US-Amerikanerin Erika de Lone einbringen, entsprechend verkrampft begann sie bei ihrem mühevollen 2:6, 6:3, 6:3-Erfolg. Auch Daviscup-Spieler David Prinosil hatte sich beim 7:5, 6:1, 1:6, 2:6, 6:1 über den zweimaligen French-Open-Champion Sergi Bruguera (Spanien) nicht immer im Griff: "Ich habe schon zweimal in diesem Jahr in der ersten Runde verloren und war deshalb sehr nervös. Aber ich werde besser im Kopf, und wenn ich ein paar Runden überstehe, kann sehr viel passieren."

Prinosils nächster Gegner ist der Amerikaner Cecil Mamiit, eine lösbare Aufgabe. Dann kommt aber wahrscheinlich Titelverteidiger Andre Agassi. "So weit denke ich nicht", meint der drittbeste deutsche Profi: "Ich denke nur von Runde zu Runde." Barbara Rittner hatte da schon weiter geschaut: "ich habe eine ganz gute Auslosung erwischt und wollte deshalb mein erstes Match unbedingt gewinnen", sagte die Leverkusenerin: "Ich habe mich in der Vorbereitung sehr gequält. An der Hitze oder vielen Spielen liegt es sicher nicht, wenn ich hier ausscheide". Ihre nächste Gegnerin ist Meilen Tu (USA), Nummer 56 im WTA-Computer.

Qualifikantin Anca Barna (Nürnberg) war gegen die an Nummer 15 gesetzte Belgierin Kim Clijsters beim 3:6, 2:6 chancenlos. Clijsters durfte sich während der gesamten Partie über die lautstarke Anfeuerung ihres Freundes Lleyton Hewitt freuen. Der 19-jährige Australier unterschrieb am

Wochenende einen neuen Fünfjahresvertrag mit seinem US-Ausrüster (Nike), der ihm 3,3 Millionen US-Dollar per anno garantiert. In der Tennisszene hat nur Venus Williams einen besser dotierten Kontrakt: Die Wimbledonsiegerin ist ihrem Ausrüster (Reebok) für fünf Jahre insgesamt 40 Millionen Dollar wert.

Große Überraschungen blieben zum Beginn der mit 7,76 Millionen Dollar dotierten Veranstaltung aus, die Stars hatten ihre Nerven im Griff. Auch Lindsay Davenport, die sich im Match des Tages gegen die "abtrünnige" Australierin Jelena Dokic mit 4:6, 6:4, 6:3 durchsetzte. "Es war sehr schwer unter diesen ungewöhnlichen Umständen gegen eine wirklich gute Gegnerin zu starten", sagte die Weltranglistenzweite. Bei den Herren musste sich Pete Sampras über drei Stunden lang gegen den Slowaken Karol Kucera quälen, ehe sein Viersatzerfolg feststand. Vor zwei Jahren noch hatte Kucera den siebenmaligen Wimbledonsieger in Meldbourne ausschalten können, diesmal allerdings musste er sich am Ende mit 6:7, 6:3, 4:6, 6:7 geschlagen geben.

Unterdessen verkündete Andre Agassi nach seinem 6:0, 7:5, 6:3 gegen den Tschechen Jiri Vanek wenige Wochen nach seinem US-Landsmann Pete Sampras das Ende seiner Daviscup-Karriere: "Ich halte das Format dieses Wettbewerbs für falsch. Änderungen sind aber nicht in Sicht, also werde ich nicht mehr spielen."

(RPO Archiv)