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Hockey-Star im Interview: Zeller: "Unser Verdienst ist ein Witz"

Hockey-Star im Interview : Zeller: "Unser Verdienst ist ein Witz"

Mönchengladbach (RP). Christopher Zeller, 25, Star der Hockey-Nationalmannschaft sprach am rande der Champions Trophy mit Karsten Kellermann und Thomas Grulke über die Entwicklung im deutschen Hockey.

Für die ersten beiden Spiele der Champions Trophy in Mönchengladbach mussten Sie noch wegen einer Oberschenkelverhärtung passen. Reicht es für einen Einsatz heute gegen Spanien?

Zeller Ich hoffe, dass es reicht und die Muskulatur nach der Belastung des gestrigen Trainings nicht reagiert.

Zuletzt haben Sie sogar ein Dreivierteljahr in der Nationalelf pausiert.

Zeller Ich musste zwischen der Weltmeisterschaft im letzten März sowie den Olympischen Spielen 2012 in London abwägen. Und da war die Entscheidung einfach. So habe ich mich zuletzt intensiv um mein Studium gekümmert, um nun wieder den Fokus auf den Sport zu richten. Und es haben sich auch alle gefreut, dass ich jetzt wieder dabei bin.

Bundestrainer Markus Weise sagte, dass Deutschland mit Ihnen das WM-Finale gegen Australien womöglich nicht verloren hätte.

Zeller Das ist natürlich ein schönes Kompliment, aber auch schwer zu sagen. Die deutsche Mannschaft zeigt grundsätzlich im Verbund immer ihre besondere Stärke. Und bei einer WM ist das Niveau so hoch, das wenige Schlüsselsituationen den Ausschlag geben können.

Die WM 2006 in Mönchengladbach war jedoch Ihr Turnier. Wie haben Sie den Titelgewinn damals erlebt?

Zeller Das war natürlich der Höhepunkt meiner Karriere. Das Turnier war perfekt organisiert und die Stimmung im Stadion einfach unglaublich. Dort dann auch noch Weltmeister zu werden, war ein absoluter Traum.

Ärgert es Sie, dass Sie trotz dieser großen Erfolge zum Auftakt der Champions Trophy vor 3000 Leute spielen, während sich nebenan 6000 Menschen das Show-Training bei Borussia Mönchengladbach anschauen?

Zeller Damit habe ich keine Probleme. Bei uns in der Mannschaft sind schließlich auch alle fußballverrückt, der Sport zieht nun mal die Massen an. Aber es wäre natürlich schön, wenn wir im Hockey konstante Zuschauerzahlen von 3000 Besuchern bei Bundesligaspielen oder 10.000 Fans bei Länderspielen hätten.

Mittlerweile wird aber auch vereinzelt in der Bundesliga investiert. Könnte es in Deutschland mal für eine Profiliga reichen?

Zeller Es stimmt schon, dass jetzt mehr ausländische Topspieler nach Deutschland wechseln. Doch um den Sport einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren, müssten zumindest regionale Fernsehsender über die Spiele berichten.

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Sie gelten bereits als der Star des deutschen Hockeys. Stünden Sie einer erhöhten Medienpräsenz offen gegenüber?

Zeller Es hat sicher Vor- und Nachteile, wenn man relativ ungestört seiner Sportart nachgehen kann. Das ist einfach so. Doch wir wären natürlich schon froh, wenn wir ein klein wenig mehr Aufmerksamkeit erhalten würden. Wir können mit Hockey zwar unser Studium finanzieren. Doch angesichts unseres Aufwands ist der Verdienst eigentlich ein Witz.

Was treibt sie dann nach dem Titel bei der Weltmeisterschaft und Olympia-Gold 2008 noch an? Was ist Ihre Motivation?

Zeller Es macht einfach Spaß, mit diesem Team zusammen zu arbeiten. Zudem sind Weltmeisterschaften und Olympische Spiele Höhepunkte, für die sich der Aufwand absolut lohnt. Und ich bin noch hungrig auf weitere Erfolge mit dieser Mannschaft.

Was soll bei der Champions Trophy in Mönchengladbach für die Auswahl rausspringen?

Zeller Wir wollen immer gewinnen. Zumal die Trophy im heimischen Stadion einfach ein tolles Erlebnis ist.

(RP)