Nächster Akt im Turn-Skandal Olympiastützpunkt Sachsen trennt sich von Trainerin Frehse

Chemnitz · Turn-Trainerin Gabriele Frehse hat nach den schweren Vorwürfen der psychischen Gewalt nun doch ihren Job verloren. Der Olympiastützpunkt Sachsen hat sich von der Chemnitzer getrennt.

 Pauline Schäfer zeigt ihre Schwebebalken-Kür.

Pauline Schäfer zeigt ihre Schwebebalken-Kür.

Foto: dpa/Thomas Frey

Im Turn-Skandal um die Chemnitzer Trainerin Gabriele Frehse stehen die Zeichen weiter auf Konfrontation. Der Olympiastützpunkt Sachsen hat seiner langjährigen Trainerin nun gekündigt, nachdem einige Athletinnen um die frühere Balken-Weltmeisterin Pauline Schäfer schwere Vorwürfe gegen die 60-Jährige wegen psychischer Gewalt und überharten Trainingsmethoden erhoben hatten. Das berichten mehrere Medien.

"Das Arbeitsverhältnis zwischen dem OSP Sachsen und der Trainerin Gabriele Frehse wurde beendet", teilte der OSP auf Anfrage der Sächsischen Zeitung mit. Eine genaue Begründung der Kündigung wurde zunächst nicht bekannt.

Eine vom Deutschen Turner-Bund (DTB) in Auftrag gegebene Untersuchung war zu dem Ergebnis gekommen, dass es in mehreren Fällen hinreichende tatsächliche Anhaltspunkte für die Anwendung psychischer Gewalt durch die Trainerin gegeben habe. Auch soll Frehse Schützlingen ohne Absprache mit Ärzten Schmerzmittel verabreicht haben, die Staatsanwaltschaft nahm wegen des Verdachts der Körperverletzung Ermittlungen auf.

Der DTB hatte die Entlassung von Frehse gefordert und wollte seine Athletinnen nicht mehr von der Trainerin betreuen lassen. Frehse war nach Bekanntwerden der Vorwürfe Anfang Dezember als Cheftrainerin zunächst nur suspendiert worden. Nun sprach der OSP die Kündigung aus.

Ulla Koch, Teamchefin der deutschen Kunstturnerinnen, hatte sich Mitte April kritisch zur Affäre um Frehse geäußert. "Diese Vorfälle belasten die anderen Trainer. Der Generalverdacht ist schlimm, die Verallgemeinerung trifft uns hart", sagte die 65-Jährige.

Noch unklar ist, ob sich Frehse arbeitsrechtlich gegen die Kündigung wehrt. Die erfahrene Trainerin, die die Vorwürfe stets zurückgewiesen hat, verwies laut SZ auf das schwebende Verfahren und wollte sich nicht äußern.

Unterstützung erhält Frehse von ihrem Verein TuS Chemnitz-Altendorf. Dessen Präsident Frank Munzer will, dass die Trainern weiter ehrenamtlich im Klub tätig ist. "Ich stehe dazu, weil mir einfach die Mädels wichtig sind. Es geht darum, für sie schnellstmöglich eine Lösung zu finden", sagte Munzer der SZ und ergänzte: "Wir versuchen, gemeinsam mit Frau Frehse gegen die Kündigung vorzugehen, die in unseren Augen durch nichts zu rechtfertigen ist."

Rückendeckung hatte Frehse auch von der Olympia-Dritten Sophie Scheder und anderen Turnerinnen erhalten, die für ihren Verbleib kämpften. Die Gruppe um Scheder, die bei den Spielen 2016 in Rio Bronze am Stufenbarren gewann, unterschrieb einen offenen Brief an den Olympiastützpunkt, um gegen die Freistellung von Frehse als Trainerin vorzugehen.

Im Sportausschuss des Deutschen Bundestages war der seit Monaten anhaltende Turn-Skandal ebenfalls bereits Thema. Auch am Mittwoch könnte der Fall Frehse wieder zur Sprache kommen. Dann nämlich beschäftigt sich der Sportausschuss des hohen Hauses ab 14 Uhr in einer öffentlichen Sitzung mit dem Thema interpersonaler Gewalt im Sport.

SID ni ab

(sid/old)
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