Turn-WM 2019: Elisabeth Seitz und Sarah Voss wollen WM veredeln

Mehrkampf-Finale : Turnerinnen Seitz und Voss wollen Heim-WM veredeln

Routinier Elisabeth Seitz und die neue deutsche Meisterin Sarah Voss haben es bei den Kunstturn-Weltmeisterschaften in Stuttgart gemeinsam ins Mehrkampf-Finale geschafft. Am Wochenende wartet auf beide Athletinnen eine weitere Herausforderung.

Für Elisabeth Seitz sind ihre beiden letzten WM-Auftritte fast schon Routine, auf Teamkollegin Sarah Voss wartet dagegen eine völlig neue Herausforderung. Und so blickt die 19 Jahre alte BWL-Studentin geradezu ehrfürchtig zur sechs Jahre älteren deutschen Rekordmeisterin auf, obwohl die beiden Kunstturnerinnen aktuell beinahe auf einem Leistungslevel sind.

Die Kölnerin hat schon jetzt viel mehr erreicht, als sie sich von den Heim-Weltmeisterschaften in Stuttgart jemals erträumt hat. Kurzfristig für den Mehrkampf nachnominiert, überraschte die deutsche Mehrkampf-Meisterin Voss mit Rang 14 in der Qualifikation. Und der Sprung ins Schwebebalken-Finale am Sonntag war nun schon überhaupt nicht eingeplant.

Mittendrin statt nur dabei also - entsprechend gelöst sieht Voss dem Mehrkampf-Finale am Donnerstag (16.00 Uhr/SWR Livestream) entgegen: "Mir geht es sehr, sehr gut, ich habe für mich schon jetzt 100 Prozent aus dieser WM herausgeholt." Überschüssige Energien fließen daher aktuell in ihr Fernstudium ein, sogar im Wellnessbereich des Mannschaftshotels wird hin und wieder der Laptop aufgeklappt.

Ganz der Vollprofi an den Turngeräten, lässt Seitz hingegen ihr Lehramtsstudium während der WM-Tage von Stuttgart ruhen. Denn ihre Chancen, WM-Bronze von 2018 am Stufenbarren zu wiederholen, sind durchaus real. "Ich bin ja keine No-Name-Turnerin mehr", sagt die 25-Jährige - wovon sich die Lokalmatadorin am Samstag keine besseren Noten verspricht, aber "eine gerechte Bewertung".

Selbstbewusst kratzt die deutsche Rekordmeisterin sogar ein bisschen am makellosen Image von Mehrkampf-Olympiasiegerin Simone Biles. Ausgerechnet am Stufenbarren hat die Rekord-Weltmeisterin aus den USA noch keinen Titel geholt. Für Seitz durchaus nachvollziehbar: "Simones Übung ist hochwertig, und sie bekommt ihre Punkte, aber andere Übungen gefallen mir besser." Rums. Die eigene Übung eingeschlossen, was sie dann lieber doch nicht direkt sagt.

Damit sie auf den Punkt gelingt, muss Vereinskollegin Kim Bui quasi als Maskottchen wie schon in Doha die Holme präparieren. Nahezu der einzige Aberglaube, den Seitz pflegt. Nur vom Ritual des zeitlich ausgedehnten Schminkens und Frisierens vor dem Wettkampf kann und will sie nicht lassen: "Dafür nehme ich mir eine Stunde, 20 Minuten würden auch ausreichen."

Nun müssen nur noch die "unberechenbaren Füße" (O-Ton Seitz) bei der Olympiavierten von 2016 am Stufenbarren halten, aktuell ist Seitz gut unterwegs. Entsprechend hoch ist ihr Ziel im Mehrkampf: "Top Ten wäre ein Traum, aber da müsste alles sehr gut laufen." Bisheriger Bestwert ist Rang neun bei den Welttitelkämpfen 2017 in Montreal.

(rent/sid)
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