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Reitsport: Totilas und die Lust aufs Phantom

Reitsport : Totilas und die Lust aufs Phantom

Vechta (RPO). Das Wunderpferd Totilas gilt auch in der Zucht als Ausnahmekönner und verspricht seinen Besitzern in der Decksaison glänzende Geschäfte. Trommelwirbel, Blitzlichtgewitter und tosender Applaus: Der erste öffentliche Auftritt von Totilas seit seinem Wechsel nach Deutschland geriet bei der Hengstschau in Vechta zum großen Triumphzug.

Das teuerste Dressurpferd der Welt hat mit einer nahezu perfekten Vorstellung die vielen Züchter beeindruckt und Mitbesitzer Paul Schöckemöhle ein ausgezeichnetes Deckgeschäft in Aussicht gestellt.

Mit Strasssteinen besetzter Star

Die 4000 Pferdekenner staunen nicht schlecht, als das Millionen-Pferd mit luftleichten Passagetritten einschwebt. Sein lackschwarzes Fell schimmert, die Strasssteine an seinem Stirnband funkeln, als der Star der Hengstshow sich mit kraftvoller Eleganz durch die Arena bewegt. "Kaum waren wir in der Halle, hat er noch einmal hundert Prozent mehr gegeben. Auf leichten Schenkeldruck hat er mit noch spektakuläreren Bewegungen reagiert. Das kann wirklich nur er", sagt sein Reiter Matthias Alexander Rath.

In Piaffen, Passagen und Pirouetten von fast schwereloser Leichtigkeit beweist Totilas dem Publikum, dass er schon alles kann. Ein fliegender Wechsel im starken Galopp passt allerdings nicht ganz. Für Rath ist der Wackler keine Überraschung: "Er ist körperlich und geistig eine Herausforderung für mich, weil er in allem extrem ist. Da kann ich nicht einfach einen Euro reinwerfen und er läuft los." Er wird Totilas Ende April mit auf seine Anlage im hessischen Kronberg nehmen, damit sich der Hengst ganz auf seine sportliche Karriere konzentrieren kann.

Weltweites Interesse am prominenten Samenspender

Bis dahin muss er neben dem Training noch täglich für Nachwuchs sorgen. Das Interesse an dem prominenten Samenspender ist so groß, dass er die Nachfrage im wahrsten Sinne des Wortes kaum decken kann. "Das Interesse ist weltweit da", sagt Schockemöhle. 8000 Euro beträgt die Decktaxe im Erfolgsfall. 4000 Euro zahlt der Züchter sofort, weitere 4000 Euro werden fällig, wenn die Stute trächtig ist. Einmal pro Tag wird der Hengst entsamt, das reicht für acht bis zehn Stuten.

In den Wochen der Zucht springt Totilas einmal täglich auf das "Phantom", einen lederbezogenen Stutenersatz. Der Hengst kommt schnell zur Sache, auch darin ist er Profi, manche sagen ein Genie. "Er weiß, worum es geht, macht seinen Job und ist danach gleich wieder ganz entspannt", erzählt Christin Geske. Die Pflegerin verwöhnt den Rappen anschließend mit Äpfeln, seiner Leibspeise. Nach der Liebe braucht er schließlich etwas im Magen.

"Totilas hat einfach alles"

Für Geske ist der Umgang mit Totilas eine Ehre: "Als wir ihn in Holland abgeholt haben, hat es mir Ehrfurcht eingeflößt, dieses Tier mitnehmen zu dürfen. Noch nie habe ich ein Pferd betreut, dass so sehr im Mittelpunkt steht." Die Züchter in Vechta wünschten sich jedenfalls dringend ein Stück Totilas im heimischen Stall. In welchen Dosen er seinen Genius allerdings vererbt, wird erst die Zukunft zeigen. Einen Star zum Vater und eine gute Mutter zu haben, ist schließlich noch keine Erfolgsgarantie.

Schockemöhle, der den 10-Millionen-Kauf einfädelte, ist jedenfalls begeistert. "Totilas hat einfach alles. So etwas habe ich noch nie gesehen, und deshalb war ich seit einem Jahr hinter ihm her", sagt Schockemöhle. Der 65-Jährige ist stolz auf seinen vierbeinigen Schatz, auch wenn er ihn mit Seoul-Olympiasiegerin Ann-Kathrin Linsenhoff teilen muss, der die Sportrechte gehören. "Wir sind in den vergangenen Monaten nicht nur Partner, sondern Freunde geworden, und dabei geht es nicht mehr nur um Geld", sagt Schockemöhle. Totilas sei Dank.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Hengst Totilas verzaubert den Reitsport

(SID/nbe)