WM ohne Boll und Ovtcharov Mit einem Europameister und frischem Blut zu alten Zielen

Köln/Chengdu · Erstmals seit 1995 sind weder Timo Boll noch Dimitrij Ovtcharov bei einer Tischtennis-WM dabei. Bundestrainer Jörg Roßkopf setzt auf Europameister Dang Qiu an der Spitze einer jungen Generation.

 Dang Qiu.

Dang Qiu.

Foto: dpa/Marius Becker

Bei der letzten Tischtennis-WM ohne Timo Boll oder Dimitrij Ovtcharov war Dang Qiu noch gar nicht geboren. 27 Jahre später soll der Europameister bei der Team-WM in Chengdu die deutschen Männer in der Weltspitze halten, und er nimmt diese Rolle mit großer Freude an. „Bei einer WM gerade in China die Nummer eins im deutschen Team zu sein, ist ein schönes Gefühl“, sagte Qiu dem SID vor der Abreise.

So ein bisschen will Qiu „seine“ Mannschaft, für die in der Vorrunde gegen Frankreich, Indien, Kasachstan und Usbekistan der Achtelfinal-Einzug Pflicht ist, auch im Sinne von Boll und Ovtcharov führen. „Ich weiß, dass es für eine erfolgreiche WM mehr braucht als einen starken Spieler, nämlich Zusammenhalt in der Mannschaft. Ich habe habe mir von Timo und Dima einiges abschauen können“, sagte Qiu selbstbewusst.

Mit dem 25-jährigen Qiu als Frontmann ist Chengdu für den Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) so etwas wie die Einleitung einer Zeitenwende, obwohl Sportdirektor Richard Prause „natürlich nicht“ von einem Generationswechsel sprechen will, er nennt die Kaderplanung einfach „eine andere Strategie“. Bundestrainer Jörg Roßkopf wolle der neuen Generation „frühzeitig Verantwortung für den Umgang mit Drucksituationen“ vermitteln.

Tatsächlich aber zielt Roßkopfs WM-Nominierung schon mehr auf Olympia 2028 in Los Angeles als auf Paris 2024. Ohne den WM-Dritten Boll (41), Ex-Europameister Ovtcharov (34) und Team-Europameister Patrick Franziska (30) – das Silber-Trio von Tokio 2021 – sinkt der Altersschnitt des DTTB-Quintetts für Chengdu um eine ganze Spielergeneration auf 24,6 Jahre. Statt der drei Altstars sind in China unter anderem Qiu sowie die Youngster Kay Stumper (19) und Fanbo Meng (21) dabei.

Trotz aller Veränderungen rückt Roßkopf von seinen Ambitionen im ewigen Duell mit Seriensieger China kaum ab. „Der Traum, Weltmeister zu werden, bleibt der gleiche“, sagte der 53-Jährige, 1989 in Dortmund gemeinsam mit Steffen Fetzner Weltmeister im Doppel: „Natürlich wird es in dieser Konstellation nicht einfacher, aber ich glaube immer daran, dass meine Mannschaft das Maximum erreichen kann. Wir visieren erst einmal eine Medaille an.“

(lonn/SID)
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