Tischtennis-DM 2019: Timo Boll zum 13. Mal deutscher Meister

Rekordsieger : Boll zum 13. Mal deutscher Tischtennis-Meister

Bei seiner letzten an einer Tischtennis-DM hat Timo Boll seinen 13. Einzel-Triumph gefeiert. Damit krönte sich der 37-Jährige zum erfolgreichsten Spieler in der Geschichte der nationalen Titelkämpfe.

Timo Boll hat bei seinem Abschied von den deutschen Tischtennis-Meisterschaften ein standesgemäßes Schlusskapitel seiner 22-jährigen DM-Geschichte geschrieben. Durch seinen 13. Titelgewinn nach einem deutlichen 4:0 im Finale gegen seinen Nationalmannschafts-Kollegen Patrick Franziska (Saarbrücken) krönte sich der Rekordsieger zum erfolgreichsten Teilnehmer der 89-jährigen Turnierhistorie.

"Ich bin sehr froh über den Titel, der nie eine Selbstverständlichkeit ist. Aber natürlich ist trotz dieses perfekten Abschlusses auch etwas Wehmut dabei", sagte Boll. Fünf Tage vor seinem 38. Geburtstag war der Düsseldorfer von den Standing Ovations des Publikums sichtlich gerührt.

Eine offizielle Verabschiedung des Idols, das "die Deutschen" seit dem Debüt 1997 nachhaltig geprägt hat, fand nicht statt. "Ich höre ja nicht auf. Es ist auch kein Abschied auf Raten. Aber ich muss ökonomisieren", erklärte Boll.

Dem Moment nach seinem persönlich letzten Vorhang bei einer DM hatte Boll schon nach seinem Achtelfinaleinzug mit gemischten Gefühlen entgegengeblickt. "Es wird sicher schmerzen", meinte der ehemalige Weltranglistenerste auf SID-Nachfrage. Aufgrund der gestiegenen Belastungen auf internationaler Ebene wird Boll in Zukunft nicht mehr bei den nationalen Titelkämpfen aufschlagen. "Ich denke schon, dass mein Entschluss endgültig ist", sagte er.

Ursprünglich hatte Boll geplant, seine DM-Karriere schon 2018 zu beenden, seinen Sinneswandel sah der nur rund 100 km von Wetzlar in Höchst/Odenwald aufgewachsene EM-Rekordchampion durch die emotionalen Momente bei der Siegerehrung bestätigt: "In der Heimat ist es das schönere Ende."

Wetzlar, wo Doppel-Europameisterin Nina Mittelham (Berlin) bei den Damen durch ihren ersten Erfolg die Nachfolge der erkrankt fehlenden Titelverteidigerin Han Ying (Düsseldorf/Tarnobrzeg) antrat, bleibt Boll jedoch nicht nur als Heimspiel in guter Erinnerung. Der Weltranglistenfünfte übertrumpfte mit der Gesamtbilanz seiner 20 DM-Starts (16-mal Gold, siebenmal Silber und fünfmal Bronze) die bisherige Bestmarke von Bundestrainer und Ex-Doppelweltmeister Jörg Roßkopf (16/5/6).

Seine Klasse und besonders auch seine Popularität dürften den Titelkämpfen künftig fehlen. Mehrere hundert Kinder und Jugendliche in einer über 50 m langen "Warteschleife" bei Bolls obligatorischem Autogrammmarathon zeugten ebenso von der Beliebtheit des Linkshänders wie nur wenig kürzere Schlangen an den Eingängen während der laufenden Finalrunden am Schlusstag. Die mit jeweils 3300 Zuschauern an den beiden letzten DM-Tagen ausverkaufte Rittal Arena und Serverprobleme bei den Livestreams von Bolls Halbfinale (4:2 gegen Dang Qiu/Grünwettersbach) und Endspiel waren nur weitere Belege für die Strahlkraft des Idols.

Die Spitze des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) erwartet für das Traditionsturnier jedoch auch ohne Boll keinen massiven Attraktivitätsverlust. "Langweilig", sagte DTTB-Präsident Michael Geiger dem SID in Wetzlar, "wird die DM sicher nicht".

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(sid/old)
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