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Timo Boll gewinnt elften deutschen Meistertitel im Tischtennis

Tischtennis : Boll gewinnt seine elfte deutsche Meisterschaft

Erfahrung macht den Meister: Titelhamster Timo Boll (Düsseldorf) ist bei der Tischtennis-DM in Bamberg drei Tage vor seinem 36. Geburtstag durch seinen elften Einzel-Triumph zum ältesten Champion in der 86-jährigen Turniergeschichte avanciert.

Mit seinem 4:0-Finalsieg gegen Ruwen Filus (Fulda) löste der Rekordgewinner den bisherigen "Altersmeister" Torben Wosik ab, der 2008 mit 34 Jahren und 174 Tagen den wichtigsten nationalen Titel gewonnen hatte.

"Wenn man fit und gesund ist, muss das Alter keine Rolle spielen. Vor allem aber macht mir Tischtennis weiter Spaß", sagte Boll nach seinem Matchball. Aufgrund prominenter Ausfälle wie Ex-Europameister Dimitrij Ovtcharov (Hameln/Orenburg/Rückenprobleme) fehlte seinem Erfolg gut zweieinhalb Monate vor der Heim-WM in Düsseldorf (29. Mai bis 7. Juni) jedoch der ganz große Glanz.

Bei den Damen holte Doppel-Europameisterin Kristin Silbereisen (Kolbermoor) durch die Wiederholung ihres Vorjahreserfolges als "Teilzeit-Profi" zum dritten Mal den Titel (4:2 im Finale gegen die Weltranglistenzwölfte Shan Xiaona/Berlin). In den Doppel-Konkurrenzen ging Gold an die Kombinationen Filus/Ricardo Walther (Bergneustadt) und Shan/Silbereisen.

"Methusalem" Boll war 19 Jahre nach seinem ersten DM-Titel eine Klasse für sich. In Abwesenheit des favorisierten Weltranglistensechsten Ovtcharov oder von Titelverteidiger Patrick Baum (Saarbrücken/private Gründe) und weiteren Nationalspielern gab der ehemalige Weltranglistenerste in seinen fünf DM-Matches nur im Halbfinale beim 4:1 gegen Walther einen Satz ab. Bei den ersten Wettkämpfen nach einer leichten Oberschenkel-Blessur vor Monatsfrist agierte der Linkshänder offenkundig beschwerdefrei.

Bolls einziges Problem in Bamberg war das Haustier-Verbot im Spieler-Hotel: Samt Frau, Töchterchen und Terrierhündin Carrie musste der EM-Rekordsieger noch spätabends vor DM-Beginn ein Ersatzquartier beziehen. "Wir hatten Carrie bei der Anmeldung ja nicht versteckt, und dann mit einem kleinen Kind um halb neun abends zum sofortigen Auszug aufgefordert zu werden, finde ich befremdend", klagte der Familienvater.

Auf dem Weg zur WM hatten die Titelkämpfe für die Bundestrainer Jörg Roßkopf (Herren) und Jie Schöpp (Damen) durch die Absagen mehrerer Düsseldorf-Kandidaten nur eingeschränkte Aussagekraft. Aus Roßkopfs Team fehlten neben Ovtcharov und Baum auch die Rekonvaleszenten Bastian Steger (Bremen) und Patrick Franziska (Saarbrücken). Für das Damen-Turnier war die topgesetzte Weltranglistensechste Han Ying (Düsseldorf/Tarnobrzeg) kurzfristig aus familiären Gründen ausgefallen, nachdem Ex-Meisterin Petrissa Solja (Berlin) und Doppel-Europameisterin Sabine Winter (Kolbermoor) bereits zuvor wegen Verletzungen abgesagt hatten.

Die nackrückenden Generationen ließen die Gunst der Stunde weitgehend ungenutzt: Inklusive Boll und Silbereisen waren fünf der acht Einzel-Halbfinalisten bereits älter als 30 Jahre.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Timo Boll

(sid)