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Springreiter planen nach Skandalen bei Nachwuchsreitern den Neustart

Skandale bei Nachwuchsreitern : Springreiter planen nach Enthüllungen um Alkoholexzesse den Neustart

Nach Skandalen bei den Nachwuchsreitern, hat der Verband neue Richtlinien erarbeitet. Das Präsidium und die Landesverbände würden die Ideen befürworten.

Im vergangenen Sommer erschütterten Enthüllungen um Alkoholexzesse und sexuelle Belästigungen die deutsche Reiterszene. Der „Spiegel“ hatte zahlreiche Fälle enthüllt, bei denen jugendliche Reiter auf Turnieren stark alkoholisiert auffielen und Mädchen sexuell belästigt und genötigt haben sollen. Der Verband reagierte. Griff mit Ausschlüssen durch und setzte eine Kommission ein, die erarbeiten sollte, wie der Verband besser auf solche Fälle reagieren oder sie vermeiden kann. Bei der Jahrespressekonferenz der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) in Warendorf stellte die Kommission am Donnerstag ihre Ergebnisse vor. Die Handlungsempfehlungen sollen im Mai ins Regelwerk des Verbandes aufgenommen werden. Die Zustimmung zu den Vorschlägen gilt als sicher, sagte Soenke Lauterbach, Generalsekretär der FN. Präsidium und Landesverbände würden die Ideen befürworten.

Die sehen unter anderem vor, dass jemand aus dem Kader ausgeschlossen wird, wenn er eine Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung im Sinne des Strafgesetzbuches begangen hat. Bei einer Bewährungsstrafe ist eine Aufnahme in den Kader zudem nicht mehr möglich. „Wir brauchen Rechtsgrundlagen für die Beteiligten im Sport – für die Sportler und die Verbandsgerichte“, sagt Lauterbach. Nach den neuen Regeln soll es möglich sein, dass der Reitausweis entzogen oder nicht ausgestellt wird, wenn eine Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung vorliegt.

Lauterbach betont aber auch, dass unter Juristen gestritten wird, ob es bei diesen Taten einen Bezug zum Reitsport geben muss, damit der Verband tätig werden darf: „Belästigt ein junger Reiter einen junge Frau in der Disko, gibt es juristisch berechtigte Zweifel, dass wir überhaupt tätig werden dürfen.“ Auch deshalb sieht das Regelwerk vor, dass einem Athleten der Reitausweis entzogen werden kann, wenn er ein Verbrechen begeht, dass negative Auswirkungen auf den Pferdesport hat.

Doch das sind nicht die einzigen Maßnahmen, die für ein besseres Image sorgen sollen. Der Reitverband will verhindern, dass es überhaupt zu derartigen Alkoholexzessen bei jugendlichen Sportlern kommt. Daher soll bei Turnieren eine Promillegrenze festgeschrieben werden. Schon jetzt könne der zuständige Richter Sportler von einer Prüfung ausschließen, wenn er den Eindruck hat, dass der Reiter nicht in der Lage ist, sein Pferd zu beherrschen, sagt Lauterbach. Das können zum Beispiel durch einen Sturz der Fall sein, oder eben durch Alkoholkonsum. Überschreitet der Atemalkohol bei einem Sportler 0,25 Milligramm pro Liter, wird er künftig vom Turnier ausgeschlossen – das entsprich 0,5 Promille Blutalkohol. Veranstalter können aber auch festlegen, dass bei ihren Turnieren eine 0,0 Promille-Grenze gilt. „Das ist vor allem für Nachwuchsturniere sinnvoll“, sagt Lauterbach.

Trotz dieser neuen Regeln wird es künftig keine flächendeckenden Alkoholkontrollen auf Turnieren in Deutschland geben. Aber der Verband wird stichprobenartig den Atemalkohol von Reitern messen. „Wir werden die Tests da durchführen, wo wir es für sinnvoll und angesagt halten“, sagt Lauterbach. Reiter können sich so künftig nie sicher sein, ob eine Kontrolle bevorsteht. Gänzlich verhindern, dass junge Reiter an Alkohol kommen, könne man aber nicht. Das weiß auch Lauterbach. Daher sei es wichtig, die Eltern mit ins Boot zu holen.

„Sie müssen sich an unsere Regeln halten und die unterstützen“, sagt der Generalsekretär. Daher empfiehlt die Kommission auch, Elternsprecher bei den Nachwuchskadern einzuführen. In einigen bekanntgewordenen Fälle, hatten sich die Jugendlichen bei Turnieren in den Wohnwagen der Eltern betrunken, offenbar mit deren Wissen. Das soll künftig unterbunden werden. Eltern, die uneinsichtig sind, oder deren Kinder durch Fehlverhalten auffallen, soll die Akkreditierung für Turniere entzogen werden. Dadurch soll der Druck erhöht werden, dass sich Eltern und Kinder an das Alkoholverbot halten. Der Pferdesport soll künftig wieder im Mittelpunkt stehen, nicht die Eskapaden seiner Nachwuchsathleten.