Schwimm-WM 2019: Start des dopingverdächtigen Sun Yang sorgt weiter für Empörung

Weltmeister Sun Yang unter Dopingverdacht : „Dass der hier schwimmt, ist eine Frechheit für alle sauberen Athleten“

Mit einer gezielten Aktion zum WM-Auftakt hat Mack Horton seinen Protest gegen den umstrittenen Chinesen Sun Yang auf die Spitze getrieben. Nun erfährt der Australier Solidarität von anderen Schwimmern - allen voran aus Deutschland.

Auch nach dem Protest bei der Siegerehrung schlägt der brisante Fall Sun Yang bei der Schwimm-WM weiter hohe Wellen. Nachdem Mack Horton mit seinem ungewöhnlichen Protest bei der Medaillen-Zeremonie für viel Aufregung gesorgt hatte, solidarisierte sich der deutsche Athletensprecher Jacob Heidtmann mit dem Australier und kritisierte den WM-Start des dopingvorbelasteten Chinesen scharf.

"Dass der hier schwimmt, ist eine Frechheit für alle sauberen Athleten, für jeden, der für den sauberen Sport einsteht. Das ist ein Schlag ins Gesicht", sagte der 24 Jahre alte Elmshorner am Montag: "Ich bin froh, dass endlich mal jemand ein Zeichen gesetzt hat."

US-Olympiasiegerin Lilly King verriet, dass Horton bei seiner Rückkehr ins Athletendorf mit Ovationen begrüßt wurde: "Der ganze Essenssaal hat vor Applaus gebebt, es war großartig zu sehen, dass die Sportler in seiner Haltung vereint sind und ihn unterstützen." Diese weltweite Solidarität hat der Schwimm-Weltverband auch vernommen, vielleicht fiel die Sanktion am Montag auch deshalb milde aus: Horton und der australische Verband bekamen von der FINA nur eine offizielle Verwarnung ausgesprochen.

Olympiasieger Horton hatte nach seinem zweiten Platz hinter Sun auf Paul Biedermanns Weltrekordstrecke 400 m Freistil "aus Frust" den Gang aufs Podest, den Handschlag und das obligatorische Foto aller Medaillengewinner verweigert. "Bei der Siegerehrung sollte man mein Land respektieren", kritisierte Sun.

Doch laut Heidtmann, der als 18. im 200-m-Vorlauf am Montagmorgen 1,16 Sekunden langsamer war als der dreimalige Olympiasieger, sprach Horton mit dem Protest vielen Schwimmern aus der Seele. "Das frisst alle im Team an, und alle sind froh, dass endlich ein Zeichen gesetzt wurde", sagte er.

Heidtmann hoffte, "dass der Weltverband einsieht, dass der eigentlich nie wieder auf so einer Bühne stehen darf". Den Namen "Sun Yang" nahm der Mixed-Staffeleuropameister bei seiner Abrechnung kein einziges Mal in den Mund.

Dem Chinesen, der 2014 von der FINA nach einem positiven Test nur für drei Monate gesperrt worden war, droht im September eine nachträgliche Strafe. Der Internationale Sportgerichtshof CAS rollt den Fall um eine womöglich durch einen Sun-Gefolgsmann zerstörte Dopingprobe neu auf. Die FINA hatte den dreimaligen Olympiasieger nach einer Anhörung im Januar freigesprochen, dagegen hatte die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA ("unglaublich und inakzeptabel") vor dem CAS Einspruch eingelegt.

"Mich hat es auch geärgert. Ich darf mich damit eigentlich gar nicht beschäftigen, denn das macht einen fertig", sagte Heidtmann. Freiwasser-Weltmeister Florian Wellbrock, der im 800-m-Rennen am Dienstag auf Sun trifft, will das Thema deswegen ausblenden. Die Situation sei zwar "sehr schade", aber im Rennen "ist er ein Wettkampfsportler wie jeder andere auch".

Dass die Diskussionen nicht spurlos an ihm vorbeigehen, bewies Sun nach seinem 400-m-Sieg am Sonntag, dem vierten in Folge in dieser Disziplin. Der 27-Jährige musste sich im Gespräch mit chinesischen Journalisten abwenden und gegen die Wand lehnen. Nach einem kurzen Schluchzen drehte sich der knapp zwei Meter große Athlet wieder um und wischte sich mit zitternden Fingern eine Träne aus dem Auge. Doch die Sympathie der Konkurrenten gewann Sun damit nicht zurück.

Als Wiederholungstäter droht dem Freistil-Dominator sogar eine lebenslange Sperre. Das Bedauern in der Schwimmszene würde sich in Grenzen halten.

(sid/old)
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