Eine Boxkarriere soll gekrönt werden: Rüdiger May greift nach dem Weltmeistertitel

Eine Boxkarriere soll gekrönt werden: Rüdiger May greift nach dem Weltmeistertitel

Essen (rpo). Mit 29 Jahren steht Rüdiger May vor dem größten Kampf seiner Karriere: Am Samstag trifft der Cruisergewichtler in Essen auf Johnny Nelson, Weltmeister des Verbandes WBO. Zum ersten Mal hat May die Chance, den Boxthron zu erklimmen.

Bei einem Erfolg wäre der Kölner der derzeit einzige deutsche Box-Champ und auch der einzige Weltmeister seines Promotors Wilfried Sauerland. "Ich konnte diese Möglichkeit nicht ausschlagen", sagte May zum WM-Kampf, den er eigentlich gegen diesen Gegner gar nicht wollte. Denn der 37 Jahre alte Nelson ist einer seiner besten Freunde. "Johnny ist Favorit", sagt May, der mit dem Briten schopn zahlreiche Sparringsrunden absolviert hat, "ich muss alle Kräfte mobilisieren."

Dabei vertraut er auf die Hilfes eines Bruders Torsten May, den die deutschen Fans noch in lebhafter Erinnerung haben. Der Olympiasieger von 1992 in Barcelona sollte bei RTL als Nachfolger des Quotenkönigs Henry Maske aufgebaut werden - und das im Eiltempo. In der Stierkampf-Arena von Mallorca wurde Torsten May 1996 in seinem 16. Profikampf von Adolpho Washington regelrecht entstellt. Dieses Trauma hat Torsten May nie verarbeitet, 2001 beendete er seine Laufbahn.

Der Bruder als Trainer

Im Schatten dieser, teilweise sehr blutigen Karriere seines Bruders sammelte Rüdiger May in 44 Kämpfen (39 Siege, 3 Unentschieden, 2 Niederlagen) seine Erfahrungen. Sein Trainer ist seit zwei Jahren Torsten. "Solange, wie wir Sport treiben, machen wir alles zusammen. Natürlich hat man zu seinem Bruder grundsätzlich Vertrauen. Ich vertraue auch in die fachlichen Fähigkeiten von Torsten", erklärte Rüdiger.

Bereits mit 19 wurde Rüdiger May nach einer kurzen Amateurlaufbahn Profi und stellte sich zehn Jahre lang den zahlreichen Namenlosen und mehr oder weniger namhaften der Szene. Probleme bereitete Rüdiger trotz einer Körperlänge von 1,96 m die Gewichtsklasse. "Für das Schwergewicht hat er zu wenig Substanz, für das Cruiser musste er bis zur Erhöhung des Limits immer acht Kilo abkochen", erklärte Torsten May. Mittlerweile wurde das Limit von 86,1 kg auf 90,6 nach oben korrigiert, gegen Nelson soll nun der große Wurf gelingen - unter der Anleitung von Bruder Torsten.

"Er vertraut meinen Fähigkeiten. Die schlimmen Erfahrungen haben mir für meine Arbeit als Trainer viel gebracht. Ich kenne alle Situationen als Aktiver und die nervlichen Belastungen. Ich habe viele Trainer gehabt und ich rede Klartext", sagte Torsten May, der am Fühlinger See bei Köln das Boxcamp Maylife betreibt und neben Rüdiger noch den Österreicher Jerry Elliot trainiert.

Rüdiger May ("die letzten zwei Jahre haben mir viel gebracht"), der den Vertrag mit seinem Bruder bereits um weitere zwei Jahre verlängert hat, wirkte auf der Pressekonferenz zwar nicht so gelassen wie der elegant gekleidete Brite Nelson. Aber er machte einen konzentrierten Eindruck und gab sich selbstbewusst. Der Frage nach dem Schlüssel zum Sieg wich er elegant aus: "Max Schmeling sagte immer: Ich habe etwas gesehen."

(sid)
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