Ruderklassiker: Claas Mertens tritt bei Oxford gegen Cambridge an

Wie BVB gegen S04: Hamburger Mertens rudert im Boat Race vor 250.000 Fans

Der Hamburger Claas Mertens rudert am Samstag vor 250.000 Zuschauern beim Boat Race zwischen Oxford und Cambridge. Für den Weltmeister von 2015 wird es das letzte Rennen seiner Karriere.

Oxford gegen Cambridge, das sei wie Dortmund gegen Schalke. Nur mit mehr Zuschauern, mehr Tradition - und eben auf dem Wasser. "Hier in England kennt jeder das Boat Race zwischen unseren Universitäten. Das ist ein ganz großes Ding", sagt der Hamburger Claas Mertens. Er muss es wissen: Der 26-Jährige sitzt am Samstag (18.32 Uhr MEZ) im Oxford-Achter, wenn seine "Dark Blues" auf der Londoner Themse vor 250.000 Fans gegen die "Light Blues" aus Cambridge rudern.

Rekord bei 350.000 Zuschauern

Dunkelblau gegen Hellblau, dieses Duell zieht seit 1829 die Briten in den Bann. Der Rekord steht bei 350.000 Zuschauern, verteilt auf 6779 Meter zwischen Putney und Mortlake. "Man kommt morgens zur Strecke, und alles ist schon voller Menschen. Da kommt man kaum durch", sagt Mertens. Vor einem Jahr saß er noch im Reserveboot, nun hat er den Sprung in die erste Mannschaft geschafft. "Ich habe dieses Rennen schon als Kind angeschaut, und jetzt bin ich dabei. Wahnsinn", sagt er im SID-Gespräch.

Mertens studiert in Oxford Europäische Politik, doch er ist auch ein erfahrener Ruderer. Seit zwölf Jahren ist er Leistungssportler, 2015 holte er bei der WM in Frankreich mit dem deutschen Leichtgewichts-Achter Gold. Am Samstag endet seine Karriere. "Das wird mein letztes Rennen. Das Boat Race ist der perfekte Abschluss", sagt Mertens, der im Juni seinen Uni-Abschluss macht und dann ins Berufsleben starten will.

Doch zuvor hat er noch eine Mission. 163 "Oxbridge"-Duelle gab es bislang, Cambridge führt 82:80, das Rennen von 1877 wurde unentschieden gewertet. "Am Samstag steht es nur noch 82:81. Davon bin ich fest überzeugt", sagt Mertens. Seit 1930 liegt Cambridge im Wettstreit der ältesten Universitäten des Landes ohne Unterbrechung vorne. Doch Oxford holt auf: Von den letzten 18 Duellen gewannen die "Dark Blues" zwölf.

Mertens ist der 24. deutsche Teilnehmer

Kuriose Geschichten gab es in all den Jahren immer wieder. Auch sinkende Boote gehören dazu. 1912 erwischte es sogar beide Teams, das Rennen musste wiederholt werden. 2012 sorgte ein im Wasser schwimmender Australier, der "gegen Elitedenken" protestieren wollte, für eine 30-minütige Unterbrechung. Und 2017 wurde einen Tag vor dem Rennen am Themse-Ufer eine Bombe aus dem zweiten Weltkrieg entdeckt, eine Absage konnte aber verhindert werden.

Auch Deutsche saßen immer wieder im Boot. Der erste war Dirk Bangert im Jahr 1992, Mertens ist die Nummer 24. Sie alle stellten für das Boat Race ihr Studium hintenan. Auch Mertens. "Ich hatte zuletzt nur abends Zeit, etwa für die Uni zu machen", sagt der künftige Ex-Ruderer: "Ich glaube, da habe ich ein bisschen was nachzuholen."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Oxford setzt sich gegen Cambridge durch

(sid)
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