Totes Vielseitigkeitspferd: PETA wirft Veranstaltern "systemimmanente Tierquälerei" vor

Totes Vielseitigkeitspferd : PETA wirft Veranstaltern "systemimmanente Tierquälerei" vor

Nach dem Tod eines zweiten Vielseitigkeitspferdes in vier Wochen geht die Tierschutzorganisation PETA in die Offensive und erstattet Anzeige.

Nach guten Jahren mit vier Olympiasiegen steht die Vielseitigkeitsreiterei in Deutschland wieder am Pranger. Zwei tote Pferde in nur vier Wochen bringen die Gegner der früheren Military auf die Barrikaden. Die Tierschutzorganisation PETA will Anzeige erstatten.

"Wir prüfen derzeit den Fall. Ich gehe davon aus, dass die Anzeige gestellt wird", sagte PETA-Sprecher Edmund Haferbeck dem SID. Am Samstag war die Stute P'tite Bombe bei der 4-Sterne-Prüfung in Luhmühlen gestürzt und musste eingeschläfert worden. Beim Pfingstturnier in Wiesbaden war das Pferd King Artus von Team-Olympiasieger Dirk Schrade (Sprockhövel) tot zusammengebrochen.

Für die Tierschutzorganisation sind das keine Einzelfälle. "Diese Vorfälle wiederholen sich in immer engerer Folge", sagte Haferbeck, der von systemimmanenter Tierquälerei sprach: "Die Wettkämpfe sind für die Pferde eine Tortur. Das ist schon im System der Prüfungen so angelegt."

"Für die Pferde wird zu wenig getan"

Nach Meinung von PETA sind die Sicherheitsstandards für Mensch und Pferd äußerst unterschiedlich. "Bei dem Geländeritt in Luhmühlen wird fahrlässig gehandelt. Schutz ist nur für die Reiter gewährleistet. Für die Pferde wird zu wenig getan", sagte Haferbeck.

Bundestrainer Hans Melzer wies den Vorwurf der Tierquälerei entschieden zurück. "Man muss die Fälle einzeln sehen", sagte Melzer. So sei die Stute P'tite Bombe schon nach wenigen Minuten im Gelände gestürzt: "Da kann man nicht von einer körperlichen Überforderung sprechen." Und der Tod von King Artus habe sich erst nach dem Wettkampf ereignet, sodass man nicht unbedingt die Höhe der Hindernisse als Ursache nennen könnte.

Allerdings räumte auch Melzer ein, dass man solche Unfälle in dem Sport nie so ganz ausschließen könne. "Ein gewisses Risiko ist immer da", sagte der Coach, der in den vergangenen Jahren mit den deutschen Reitern die Weltspitze beherrschte und bei Olympia 2008 und 2012 die optimale Ausbeute von je zwei Goldmedaillen abräumte. "Man muss aber auch sehen, dass unser Sport in den letzten Jahren viel sicherer geworden ist", betonte der Bundestrainer.

In der Tat hat sich in der Military seit den spektakulären Unfällen bei Olympia 2000 in Sydney viel getan. Schon in Athen vier Jahre später war der Geländeritt enorm verkürzt. Betrug die Strecke mit Rennbahn zuvor bis zu 35 Kilometer, wurde die Höchstlänge für 4-Sterne-Prüfungen auf 6,8 Kilometer reduziert. Auch beim Hindernisbau gab es einschneidende Veränderungen. Lautete das Motto vorher "hoch und weit", legten die Parcoursbauer immer mehr Wert auf schmalere Hindernisse.

Allerdings bleibt unübersehbar, dass sich immer wieder Todesfälle ereignen. Der Reitsport-Weltverband FEI gibt die Zahl der tödlich verunglückten Reiter aus den letzten neun Jahren mit sieben an. Tote Pferde gab es weitaus mehr, auch wenn über sie kein Buch geführt wurde.

Einer der prominentesten Todesfälle ereignete sich bei den deutschen Meisterschaften 2007 in Schenefeld, als die gebürtige Aachenerin Tina Richter-Vietor nach einem Sturz mit ihrem Pferd Paulchen Panther starb. Die ehemalige Weltmeisterin Bettina Hoy musste 2005 beim Turnier im bayerischen Kreuth mitansehen, wie ihr Pferd Woodsides Ashby an Hindernis 24 einen Aorten-Abriss erlitt und ebenfalls zu Tode kam.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bilder des Reit-Turniers in Luhmühlen 2013

(sid/seeg)
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