Olympic Combined: Klettern wird in Tokio 2020 olympisch

In Tokio erstmals dabei : Wie Olympia das Klettern verändert

Klettern wird 2020 olympisch, die Bedingungen für die Sportler werden dadurch professioneller. Das neu eingeführte Wettkampfformat verhagelt einigen Athleten allerdings die Laune.

Als 2016 bekannt wurde, dass Klettern olympisch wird, war die Freude in der Szene riesig. Allerdings können nur wenige Athleten ein Ticket für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio ergattern. Hannah Meul aus Frechen bei Köln gehört bei den Frauen zu den aussichtsreichsten Kandidatinnen. Die Berufsschülerin klettert seit ihrem siebten Lebensjahr extrem erfolgreich. Im vergangenen Jahr war sie bei der Jugendolympiade dabei. „Ich will auf jeden Fall nach Tokio“, sagt die 17-Jährige.

Dass das Klettern olympisch wird, freut Meul. Sie schwärmt von der Atmosphäre in Buenos Aires bei den Jugendspielen. Durch die Aufnahme des Kletterns ins Programm der Spiele ergeben sich für deutsche Spitzenkletterer wie Meul völlig neue Möglichkeiten: Die Sportler dürfen an Olympiastützpunkten trainieren, haben einen besseren Zugang zu medizinischer Betreuung, die Bedingungen werden also professioneller. Und der Sport bekommt mehr Aufmerksamkeit. „Aber durch das neue Format ändert sich mein Training“, sagt die 17-Jährige.

„Olympic Combined“ heißt der Wettkampf, der extra für Olympia geschaffen wurde. Geklettert wird in drei Disziplinen: Beim Bouldern und Lead geht es um die Schwierigkeit der Routen, beim Speed zuvorderst um Geschwindigkeit. Eine Medaille gibt es nur für den Gesamtwettkampf, nicht für die Einzeldisziplinen. Das kritisieren die Athleten. „Für Spezialisten wird es schwierig“, sagt Meul. Generalisten sind gefragt. Wer eine Medaille will, muss alles können.

„Zu Beginn waren alle sehr kritisch. Die meisten Sportler haben sich aber inzwischen mit dem Format angefreundet“, sagt Friederike Kops aus Köln, eine von drei Bundestrainern beim Deutschen Alpenverein, unter dessen Dach das Sportklettern in Deutschland organisiert ist. „Das Speed-Klettern ist jedoch noch immer nicht die Lieblingsdisziplin vieler Athleten.“ Deutsche spielten beim Speed international bislang keine Rolle. Bei der Disziplin geht es darum, eine Strecke, die immer dieselbe ist, möglichst schnell zu klettern. „Es ist eine genormte Strecke, vergleichbar mit einem 100-Meter-Sprint in der Leichtathletik“, erklärt Kops. Damit unterscheidet sich Speed, das vor allem in Asien, Russland und der Ukraine beliebt ist, ganz wesentlich von den beiden anderen Disziplinen, bei denen eine Strecke nie dieselbe ist. Beim Bouldern und dem Lead geht es im Gegensatz zum Speed darum zu tüfteln, wie man am besten nach oben kommt. Es geht darum, Probleme zu lösen: Beim Lead wird die maximal erreichte Höhe gewertet. Geklettert wird mit Seil an zehn bis 20 Meter hohen Wänden. Beim Bouldern, dem Klettern ohne Seil in Absprunghöhe von etwa vier Metern, müssen Athleten eine Route in möglichst wenigen Anläufen bewältigen.

„Beim Training haben sich einige Synergie-Effekte ergeben“, sagt Kops. „Durch das Speed-Training verbessern die Sportler zum Beispiel ihre Schnellkraft, was ihnen auch beim Bouldern hilft.“ Dennoch wollen die Planer reagieren. Geht es nach dem Willen des nationalen Organisationskomitees für die Spiele in Paris soll Klettern auch 2024 olympisch sein. Dann allerdings soll es ein neues Wettkampfformat geben. „Es soll dann eine Medaille für Lead und Bouldern und eine für Speed geben“, sagt Kops. „Die Kritik wird also berücksichtigt.“ Im Juni wird das Internationale Olympische Komitee (IOC) entscheiden, welche Sportarten in Paris dabei sind.

In Tokio werden 20 Frauen und 20 Männer um Medaillen kämpfen. Maximal zwei Männer und zwei Frauen pro Nation sollen es sein. Die Athleten müssen sich bei Qualifikationswettbewerben durchsetzen, um teilnehmen zu dürfen. Bei den Combined World Championships im August etwa, ebenfalls in Tokio, qualifizieren sich die besten sieben Frauen und die besten sieben Männer. „Es wird hart genug, sich überhaupt zu qualifizieren“, sagt Meul. Ihre Motivation ist riesig. „Für Athleten ist Olympia das höchste der Gefühle.“

Der Aufwand, den Meul betreibt, ist enorm. Fünf Mal die Woche trainiert sie etwa zwei bis drei Stunden lang, das alles zusätzlich zur Schule. Trainiert wird in öffentlichen Hallen. Bevor die Saison beginnt, macht die 17-Jährige regelmäßig Krafttraining. Durch das neue Format bei Olympia wird sie bald noch mehr trainieren. Alles für das große Ziel.

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