Michael Vesper tritt Ende 2017 ab

DOSB-Vorstandschef : Vesper geht Ende 2017

Der 64-Jährige sieht die Zeit für einen Generationenwechsel gekommen: "Für mich ist die Sache rund."

Für Michael Vesper ist am Jahresende Schluss. Der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) wird nach Auslaufen seines Vertrages zum 31. Dezember definitiv aus dem Amt ausscheiden. Das bestätigte der 64-Jährige unserer Redaktion. "Für mich ist die Sache rund und die Zeit für einen Generationenwechsel da", sagte Vesper. Zuvor hatte der DOSB mitgeteilt, dass der Vorstand Leistungssport, Dirk Schimmelpfennig, als Chef de Mission des deutschen Teams bei den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang im kommenden Februar fungieren wird. DOSB-Präsident Alfons Hörmann erklärte, Vesper scheide nach Erreichen der Altersgrenze planmäßig aus.

Vespers Ausscheiden bedeutet eine Zäsur für den DOSB und den deutschen Sport. Elf Jahre lang arbeitete er in der Führung des Verbandes, erst als Generaldirektor, dann seit einer Strukturreform 2014 als Vorstandsvorsitzender, als Verantwortlicher für das operative Geschäft. Der damalige DOSB- und heutige IOC-Präsident Thomas Bach lotste den Grünen-Politiker Vesper 2006 in den Sport und machte ihn zu einem Vertrauten. Der Titel "Generaldirektor" wurde extra für Vesper erfunden - wobei er Wert darauf legte, dass er selbst ihn nicht erfunden habe. 260.000 Euro brutto verdient Vesper dem Vernehmen nach pro Jahr.

Gleich zu Beginn fiel ihm die durchaus knifflige Aufgabe zu, den Zusammenschluss des Deutschen Sportbundes (DSB) und des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland (NOK) zum DOSB im Alltag umzusetzen. An seiner Art der Amtsführung scheiden sich die Geister. Die einen loben ihn als starke Führungspersönlichkeit, die mit klarer Linie Entscheidungen entlang der Hierarchien durchzusetzen versteht. Andere stören sich dagegen an einer, wie es heißt, "Ministerialbürokratie", die die kreativen Potenziale von Mitarbeitern zu wenig ausschöpfe.

In der Natur seines Amtes liegt der wiederholt kritische Austausch mit der Politik, denn in Fragen von Finanzierung und Reformen ist der Sport angewiesen auf die öffentliche Hand. Vesper habe sich an manchen Politikern über die Jahre abgerieben, manche Politiker sich aber auch an ihm, heißt es. Eberhard Gienger, sportpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, sagte: "Ich habe mich mit Michael Vesper weitgehend gut verstanden." Dass man nicht immer einer Meinung sei, liege ja in der Natur der Sache. Was in jedem Fall über das Ende seiner DOSB-Zeit mit Vesper in Verbindung stehen wird, sind drei gescheiterte Olympia-Bewerbungen - München 2018, München 2022 und Hamburg 2024 - sowie die Ende 2016 eingeleitete Leistungssportreform.

"Für mich persönlich ist seit der letzten Vertragsverlängerung im vergangenen Frühjahr klar, dass mein Vertrag Ende 2017 endet", sagte Vesper gestern. Wer ihm nachfolgt, ist unklar. "Um über meine Nachfolge zu sprechen, ist es viel zu früh. Bis zur Übergabe sind es ja noch elf Monate. Das entscheidet im Übrigen nicht der Vorgänger, sondern das Präsidium - und ganz bestimmt nicht in der Öffentlichkeit", sagte er. Michael Ilgner galt mal als möglicher Nachfolger, aber der 45-Jährige verlängerte seinen Vertrag als Vorstand der Deutschen Sporthilfe zuletzt bis 2021. Als weiterer Name kursiert Uli Derad (51). Der Ex-Handballer ist Hauptgeschäftsführer beim Landessportverband Baden-Württemberg.

(klü)