Magnus Carlsen verteidigt seinen Titel als Schach-Weltmeister

WM läuft gerade in Sotschi: Warum Schach matt macht

Auch wenn sich Schachspieler nur wenig bewegen: Sie gelten als Sportler.

Still sitzen sie sich gegenüber, blicken angespannt auf das Spielfeld, das vor ihnen auf dem Tisch aufgebaut ist. Aufmerksam beobachten sie jeden Zug ihres Gegners, machen sich gelegentlich Notizen. Im russischen Sotschi ist gerade die Schach-Weltmeisterschaft. Dort versucht der norwegische Weltmeister Magnus Carlsen (23) seinen Titel zu verteidigen. Sein Herausforderer ist der 44-jährige Viswanathan Anand aus Indien.

Eine Begegnung unter Schach-Profis dauert in der Regel mehrere Stunden, bei höchster Konzentration. Auch nur der kleinste Fehler kann vom Gegner hart bestraft werden. Schach ist Sport, sagt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), Kritiker können das nicht nachvollziehen. Schließlich fehle es an einer körperlichen, motorischen Leistung. Ein Schachspieler überwinde keine Berge, laufe keine kilometerweiten Strecken oder stemme schwere Gewichte. Seine einzige Bewegung liege darin, ein paar Holzfiguren auf einem Brett zu versetzen.

Warum also bezeichnet man Schach als Sport? "Es gibt ganz genaue Aufnahmekriterien, die erfüllt sein müssen, damit - aus Sicht des DOSB - aus einer schlichten Freizeitbeschäftigung Sport wird", sagt Louisa Nitsche vom Deutschen Schachbund. Es gebe einige Merkmale, die allen Sportarten gemeinsam seien. Dazu gehöre die Regelgebundenheit, der Spielcharakter und die Orientierung am Leistungsprinzip. "Über diese Merkmale hinaus, erwartet man von Sport direkte und positive Auswirkungen auf den Menschen, der sich sportlich betätigt", sagt Nitsche. Das könnten sein: Eine höhere Ausdauer und Belastbarkeit sowie die Möglichkeit zum Stressabbau.

Schon im Jahr 1977 begründete Willi Weyer, Präsident des Deutschen Sportbundes, in einer Rede, warum Schach als Sport zu bezeichnen ist. Schach weise alle dem Sport zugeschriebenen Eigenschaften auf und "zeigt zusätzliche wichtige Merkmale für die Bildung der Persönlichkeit, die anderen Sportarten fehlen". Das Brettspiel erziehe zu folgerichtigem Denken, erhöhe die Kombinationsfähigkeit und hebt den Mut zum Risiko, sagte Weyer: "So kann der Schachspieler alle Eigenschaften eines guten Sportmanns erwerben."

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Auch physisch kämen die Wettkämpfer im Schach an ihre Grenzen. "Untersuchungen weisen nach, dass Herz, Atemfrequenz, Blutdruck und Hautreaktion hohen Belastungen unterworfen sind", sagte Weyer. Somit müsse sich auch der Schachspieler einer bestimmten Lebensweise mit gesunder Ernährung, Training und Ausgleichssportarten unterwerfen. Es könne letztlich nicht überraschen, dass "hervorragende Sachspieler auch Meister in anderen Sportarten gewesen sind", sagt Weyer. "Stümper haben keine Chance - wie überhaupt im Sport."

Bis sich nun die Kontrahenten Anand oder Carlsen Weltmeister nennen dürfen, wird es wahrscheinlich noch einige Tage dauern. Der Zweikampf der beiden ist auf zwölf Partien angesetzt, sie haben gerade das vierte Match hinter sich. Sieger des WM-Duells ist derjenige, der zuerst 6,5 Punkte erreicht. Bei Gleichstand erfolgt ein Tiebreak. Der Gewinner einer Begegnung erhält einen Punkt, bei einem Remis bekommen beide jeweils 0,5 Punkte. Momentan gibt es ein Remis (2:2).

Carlsen gilt jedoch als klarer Favorit um den Titel. Er ist nicht nur ein Ausnahmetalent, sondern auch trainierter als sein Gegner. Er hält die Konzentration länger und macht kaum Fehler. Im Vorjahr, als Anand durch eine 3,5:6,5-Niederlage den Titel verloren hatte, war ihm nicht ein einziger Erfolg gegen seinen Konkurrenten Carlsen gelungen. Am Ende kann die Entscheidung über Sieg oder Niederlage wohl auch im Schach über die körperliche Fitness erfolgen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Magnus Carlsen

(RP)