Magnus Carlsen ist Schach-Weltmeister: Entschuldigung an Anand

Schach-Weltmeister Magnus Carlsen : Lang lebe der König

Die Schachwelt hat einen neuen Meister. Mit nur 22 Jahren hat das Ausnahmetalent Carlsen dem Inder Anand die Krone abgenommen. Der Unterlegene nahm es wie ein Gentleman – und Carlsen entschuldigte sich sogar.

Die Schachwelt hat einen neuen Meister. Mit nur 22 Jahren hat das Ausnahmetalent Carlsen dem Inder Anand die Krone abgenommen. Der Unterlegene nahm es wie ein Gentleman — und Carlsen entschuldigte sich sogar.

Selbst bei seinem größten Triumph zeigte Magnus Carlsen keine überschwänglichen Gefühle. Nachdem der 22-Jährige Viswanathan Anand den Titel als Schach-Weltmeister abgenommen hatte, blieb er erst einmal sitzen und lächelte zufrieden.

"Ich bin sehr, sehr glücklich, dass ich gewonnen habe", sagte der Norweger am Freitag im indischen Chennai. Davon, dass er Geschichte geschrieben habe, wollte er nichts hören. Und dann entschuldigte er sich auch noch beim Publikum für seinen Sieg über den Lokalmatadoren: "Es tut mir leid, dass das Match so ausgegangen ist."

In der Heimat des jungen Weltmeisters herrschte dagegen Euphorie: "Der König hat zugeschlagen!", jubelte die Zeitung "VG" online und erklärte Carlsens Titelgewinn zum "Sieg, der alles im norwegischen Sport übertrifft". Sechs von zehn Norwegern sollen den Titelkampf verfolgt haben. "Du hast in ganz Norwegen Schachfieber geweckt", stellte Ministerpräsidentin Erna Solberg fest.

"Einfach nur Schach gespielt"

Über zehn Partien ging das WM-Turnier, bis der Herausforderer mit einem Remis die notwendigen 6,5 Punkte aus höchstens 12 Spiele beisammen hatte. Dreimal schlug er den "Tiger von Madras", nachdem dieser Fehler gemacht hatte. "Nach Spiel drei und vier habe ich mir keine Gedanken mehr über den Anlass gemacht, sondern einfach Schach gespielt", berichtete Carlsen nach dem über fast fünf Stunden hart umkämpfen Remis am Freitag, als wäre nichts dabei.

Nicht nur am Schachbrett hatte der junge Shootingstar nach kurzer Eingewöhnung lässiger und selbstsicherer gewirkt als sein 43 Jahre alter Gegner. Mit seinen Begleitern tobte er sich an Ruhetagen in Chennai beim Basketball und Fußball aus, während Anand sich ins Hotel zurückzog. Bereits vor dem Turnier galt der "Mozart des Schachs" aus Bærum bei Oslo auch außerhalb Norwegens bei vielen als Favorit. Die Weltrangliste des Internationalen Schachverbands führt das junge Superhirn schon lange an.

Nicht der jüngste Schach-Weltmeister

Kurz vor seinem 23. Geburtstag am 30. November ist Carlsen mit seiner enormen mentalen Ausdauer und seiner kreativen Spielweise etwas gelungen, was er sich schon mit 13 Jahren vorgenommen hatte: Er hat die Schach-Krone erobert. Auch die indischen Medien zeigten sich beeindruckt von der Leistung des Schachgenies.

Den Rekord als jüngster Weltmeister hat er allerdings verpasst. Sein ehemaliger Trainer, der Russe Garri Kasparow, war 1985 ebenfalls 22 Jahre alt, als er Weltmeister wurde - aber ein paar Monate jünger. Carlsen wird es verschmerzen können, hält er doch einen anderen Rekord: Noch nie wurde die Leistung eines Schachspielers vom Weltverband so hoch bewertet wie seine. Bereits 2009 hat er die Marke von 2800 sogenannten Elo-Punkten geknackt - als fünfter Spieler überhaupt und mit Abstand als jüngster. Im Februar erreichte der Überflieger 2872 Punkte, ein Rekordwert.

"Ich werde erst mal ausruhen, und dann sehen wir weiter", sagte der Inder Anand nach dem abschließende Match sichtlich erschöpft. Dass ihm der Norweger ausgerechnet im eigenen Land die Schach-Krone abgenommen hat, ist bitter - auch Anand ist ein nationales Idol. Für Carlsen dürfte zuhause erst einmal Feiern auf dem Programm stehen, die Presse kündigte schon Siegespartys an. Danach gefragt, lächelte das Schach-Genie wieder nur zurückhaltend. "Ich weiß nicht. Mal sehen". Typisch Carlsen eben.

(dpa)
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