Leichtathletik-EM 2018 in Berlin: „Warum war Frau Merkel nicht da?“

Leichtathletik-EM in Berlin: „Warum war Frau Merkel nicht da?“

Die deutschen Athleten hätten sich gewünscht, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel die Leichtathletik-EM in Berlin besucht. Einige Sportler sehen in ihrem Fernbleiben fehlende Wertschätzung.

Zehnkampf-Europameister Arthur Abele und Kugelstoßerin Christina Schwanitz haben sich darüber beklagt, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) keinen Abstecher zur Leichtathletik-EM in Berlin gemacht hat. „Was ich mich frage: Warum war Frau Merkel nicht da?“, sagte die EM-Zweite Schwanitz am Samstagabend im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF. „Nach Rio de Janeiro kann sie fliegen und ist mehrere Tage nicht auf Arbeit. Im Fußball geht's“, sagte die Ex-Weltmeisterin mit Blick auf die Anwesenheit Merkels beim Triumph der deutschen Nationalmannschaft im WM-Endspiel 2014 in Brasilien.

„Und jetzt, wo es im eigenen Land ist, und es ist ja nicht erst seit gestern bekannt, ist sie nicht da“, sagte Schwanitz weiter. „Das finde ich ziemlich schade. Da sieht man auch die Wertschätzung.“ Abele meinte auch angesichts des zurückliegenden Urlaubs der Kanzlerin: „Man kann trotzdem einen kleinen Abstecher machen oder vielleicht einen kleinen Gruß ins Stadion, das ist nicht verkehrt.“ Der Zehnkämpfer verwies auch auf die Möglichkeiten in den sozialen Medien: „Dann wäre das für alle eine tolle Situation.“

Die EM geht an diesem Sonntag zu Ende. Merkel trifft nach ihrem Urlaub an diesem Wochenende den spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez in dessen Sommerresidenz in Andalusien.

Die Sportausschuss-Vorsitzende des Bundestages hat sich der Kritik an der Abwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel angeschlossen. „Ich bedauere es nach wie vor, dass die Bundeskanzlerin Großveranstaltungen außerhalb des Fußballs ignoriert. Besonders, wenn so eine großartige Veranstaltung wie die Europameisterschaften in Berlin stattfinden“, sagte Dagmar Freitag.

Präsident Jürgen Kessing vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) hat Verständnis dafür gezeigt, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel der EM in Berlin keinen Besuch abgestattet hat. "Die Kanzlerin hat neben dem Besuch von Sportveranstaltungen auch andere Dinge zu tun", sagte er. Die Politik sei bei der EM auch ohne Merkel hochrangig vertreten gewesen, meinte Kessing. So sei Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller als Bundesratsvorsitzender im Stadion gewesen. Auch Bundesaußenminister Heiko Maas habe das Event mit seiner Familie besucht "und es sehr genossen", wie Kessing betonte.

(dpa/sef)