Isabell Werth ist die erfolgreichste Dressur-Reiterin der Welt

Sieg für Isabell Werth : Die erfolgreichste Reiterin der Welt

Die Rheinbergerin Isabell Werth hat mehr Turniere gewonnen als je eine Dressurreiterin zuvor. In Göteborg holte sie nun zum dritten Mal in Folge den Gesamttitel im Weltcup der Dressurreiter.

Diese Frau ist ein Phänomen. Sie hat das Dressurreiten auf eine ganz neue Weise interpretiert. Eine Spitzensportlerin mit der Fähigkeit, sich immer wieder einen Zugang zu ihren Pferden zu verschaffen. Isabell Werth, in Issum am Niederrhein geboren, hat diese Gabe. Sie hat das immer wieder nachgewiesen und damit den Unterschied ausgemacht. Werth hat nichts geschenkt bekommen. Sie hat sich den Erfolg erarbeitet. Sie ist neue Wege gegangen und hat auch Rückschläge verkraftet. Werth ist einer der größten Sportlerinnen dieses Landes. Eine absolut Besessene, eine Malocherin, die bereit ist mehr zu investieren als die Konkurrenz um sie herum. Bis heute ist das so geblieben. Am Wochenende hat sie das Weltcup-Finale gewonnen. Zum dritten Mal in Folge.

Die große Stärke der Weltmeisterin und Olympiasiegerin: die beste Kür für jedes ihrer Pferde zu erschaffen. Ob Emilio, Bella Rose oder Satchmo – Werth hatte und hat eine Reihe von Top-Pferden in ihrem Stall. Sie kennt jede Eigenheit, jede Stärke und Schwäche ihrer Pferde. Und sie trainiert gute zu herausragenden Dressur-Pferden. Für jedes ihrer Tiere erarbeitet sie eine Kür, die Pferd und Reiterin besonders gut ins Licht setzt. Ein Element, das mit ihrem Traumpferd Bella Rose hervorragend klappt, kann mit Emilio schief gehen.

Zuletzt habe sie sich mit der neuen Kür schwer getan. Eigentlich wollte sie sie schon im Dezember kreieren. „Nach so vielen Küren fällt es mir manchmal schwer, noch etwas ganz neues zu erfinden“, sagte Werth. Am Ende hat sie mit ihren Pferden aber immer noch eine elegante, anmutige und emotionale Kür geschaffen. „Früher, als junge Reiterin, habe ich dem Pferd noch eher meinen Stil aufgedrückt. Heute passe ich mich dem Pferd und seinem Können an“, sagte Werth. Sie mache sich viele Gedanken, was das Beste für ihre Tiere sei und wie sie sie noch besser in Szene setzen kann.

Isabell Werth genehmigt sich nur wenig Freiheiten, Isabell Werth zu sein. Doch für diesen einen Moment, verlässt sie das bewährte Muster. Der Champagner spritzt, die Blumen fliegen im hohen Bogen ins Publikum – Werth ist völlig euphorisiert. „Die ist einfach so geil“, ruft die Dressurkönigin wenige Sekunden nach ihrem Weltcup-Hattrick durch die trist-grauen Katakomben des Göteborger Scandinaviums und tätschelt ihre Stute Weihegold. Und über sich selber sagt die 49-Jährige kurz danach grinsend: „Das war blöd, so blöd.“

Trotz des Übermuts zum Ende der Kür und trotz eines Fehlers war die Dressurreiterin, die in Rheinberg lebt, so überlegen, dass sie am vergangenen Samstag zum dritten Mal in Folge den Dressur-Weltcup gewann. Kurz nach dem Ritt nahm sie die ersten Gratulationen entgegen und sagt: „Es wäre fast die perfekte Kür gewesen, wenn ich nicht zu arrogant in den Einerwechseln gewesen wäre.“

Vergnügt schmunzelnd erklärte sie ihren Patzer: „Ich war so sicher, das Pferd war so gut drauf – und dann hatte ich schon das Grinsen auf den Augen und reite sowas. Das war mein Fehler.“ Die Dressurkönigin war dennoch so stark und so überlegen, dass sie trotz des Schönheitsfehlers die unbestritten beste Prüfung bot. „Ich glaube, dass sie überragend war in allen anderen Sachen“, schwärmte die sechsmalige Olympiasiegerin über ihre Stute. Und der Schwierigkeitsgrad ihrer Kür sei „enorm“. Für den Auftritt mit der 14-jährigen Stute erhielt die Reiterin 88,871 Prozent.

„Als das Publikum auf der Schluss-Linie schon applaudierte, war ich ganz euphorisch und hatte Gänsehaut.“ Und nach dem Sieg-Ritt bot Werth den rund 11.000 Zuschauern in Göteborg noch eine große Show. Zunächst bespritzte sie FEI-Präsident Ingmar de Vos mit Champagner, dann goss sie den Konkurrentinnen den verbliebenen Schaumwein in die Münder. Und bei der Siegerrunde warf  Werth den Sieger-Blumenstrauß unter dem Gejohle des tobenden Publikums im hohem Bogen auf die Ränge. Hinter Werth kam Laura Graves mit Verdades (87,179) auf Platz zwei. Dritte wurde Helen Langehanenberg aus Billerbeck mit Damsey.

(gic/rent/dpa)
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