WM in Mönchengladbach: Hockey - die „Tor-Professoren“

WM in Mönchengladbach: Hockey - die „Tor-Professoren“

Mönchengladbach (RP). 366 Zentimeter breit und 214 Zentimeter hoch - das Ziel seiner Arbeit, das Tor, ist klar definiert. Und Andrew Meredith weiß, wie es geht, den Ball hinein zu befördern. Bis vor drei Jahren war er aktiver Torjäger. Seit Februar 2005 ist der Australier (34) beim Deutschen Hockey-Bund als Offensivtrainer angestellt. Nach der WM in Mönchengladbach soll sein Vertrag bis 2008 verlängert werden.

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p class="text">Dass einer vom anderen Ende der Welt auserkoren wurde, um Angreifern wie Christopher Zeller, dem deutschen Top-Torjäger, oder Matthias Witthaus noch mehr Gefahr vor dem Gehäuse des Gegners anzutrainieren, ist folgerichtig: Denn Australien, dessen Fußballer eher robuste Haudegen mit Hang zur massiven Defensive sind, ist im Hockey so etwas wie Brasilien im Fußball: "Wir denken immer offensiv und haben immer die meisten Schüsse aufs Tor", sagt Meredith.

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p class="text">Er selbst machte zwar zwischen 1990 und 1994 nur vier Länderspiele, doch die kurze Episode im Nationalteam prägte ihn. "Es war die goldene Zeit des australischen Hockeys. Terry Walsh, Australiens bester Torjäger der 80er Jahre, war mein Trainer, meine Konkurrenten waren Rekordtorjäger Mark Hager und Stephen Davies, der Maradona des Hockeys. Viele Dinge, die ich heute umsetze, habe ich in dieser Zeit gelernt", berichtet Meredith.

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p class="text">Auch im Hockeypark sind die "Kookaburras" die torhungrigste Mannschaft: 18 Treffer produzierten Jamie Dwyer und seine Kollegen in fünf Spielen. "Gerade für Leute, die keine Hockey-Experten sind, ist Australiens Spiel attraktiv", weiß Meredith. Während Deutschland oder die Niederlande oft sehr taktisch agieren, "denken die australischen Stürmer nicht nach, sie schlagen einfach drauf los".

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p class="text">Diesen Torhunger, den der Olympiasieger demonstriert, soll Meredith den Deutschen beibringen. Seine Arbeit zahlt sich aus: "Deutschland gehört zu den drei Teams, die die meisten Chancen herausspielen." Vor demSpiel gegen Südafrika gab es eine 45-minütige Video-Schulung für die Offensivabteilung - der Weltmeister gewann 5:0; Witthaus, zuvor von Ladehemmung geplagt, traf zweimal.

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p class="text">Bundestrainer Bernhard Peters überlässt auch bei den Strafecken nichts dem Zufall - die fallen jedoch nicht in den Aufgabenbereich des Offensivtrainers. Der seit sieben Jahren für die Ecken zuständige Spezialist ist Werner Wiedersich, im Welthockey als "Professor Strafecke" bekannt. Auf drei Laptops werden die Standards während des Spiels analysiert und die Ergebnisse gleich bei der nächsten Ecke umgesetzt. Der Ablauf der Schlenzbewegung, die Deutschlands bester Schütze Christopher Zeller meisterlich beherrscht, wird von Wiedersich ständig optimiert, fast 40000 Ecken trainierte das deutsche Team in diesem Jahr.

Das Ziel der Arbeit von Wiedersich und Meredith ist identisch: das Tor. Gewinnt Deutschland heute im Halbfinale gegen Spanien könnte der Finalgegner Australien sein. Es wäre pikant, wenn die Tormaschinerie aus "Down under" dank der Tipps des Australiers Meredith entzaubert würde.

(alfa)
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