“Jede Sekunde genossen“ Das hat die deutschen Hockey-Frauen bei der WM stark gemacht

Düsseldorf/Terrassa · Obwohl es für das deutsche Team nicht zu einer WM-Medaille gereicht hat, will Nationalspielerin Elisa Gräve die Zeit in Spanien nicht missen. Was die Spielerin des Düsseldorfer HC noch über das Turnier sagt und woran die Nationalmannschaft noch arbeiten muss.

 DHC-Spielerin Elisa Gräve (r.) freut sich zusammen Deutschlands Torhüterin Julia Sonntag über den Einzug ins WM-Halbfinale.

DHC-Spielerin Elisa Gräve (r.) freut sich zusammen Deutschlands Torhüterin Julia Sonntag über den Einzug ins WM-Halbfinale.

Foto: dpa/Frank Uijlenbroek

Elisa Gräve hat ein aufregendes Jahr hinter sich, Zeit zum Luftholen blieb kaum. So schön die Erfolgsserie im Trikot des Düsseldorfer HC mit drei Deutschen Meisterschaften in der Halle und auf dem Feld war, so kräftezehrend waren die vergangenen Monate. Selten lag die Hockeytasche unberührt in der Oberkasseler Wohnung. Der Gewinn einer Weltmeisterschaftsmedaille mit der deutschen Nationalmannschaft (Danas) wäre für die 26-Jährige und ihre DHC-Mitspielerinnen Selin Oruz und Nathalie Kubalski das Sahnehäubchen auf der Titel-Torte gewesen.

Dass es trotz bärenstarker Leistungen im Halbfinale und im Spiel um Platz drei nicht zur ersten WM-Medaille für die Deutschen seit 24 Jahren reichte, war für das hoch ambitionierte Team von Neu-Bundestrainer Valentin Altenburg bitter genug. Die Art und Weise, wie knapp die Deutschen gegen Argentinien (Penalty-Shootout) und gegen Australien (1:2) am Triumph vorbeischrammten, hinterließ tröstende Gesten, Sprachlosigkeit und feuchte Augen. Die Danas hatten alles aus sich herausgeholt und standen doch mit leeren Händen da. Was blieb, war der Stolz, Werbung für den Hockeysport gemacht zu haben.

Elisa Gräve hatte auch am Tag danach noch an dem zu knabbern, was ihr und den anderen Danas widerfahren war. Die Tränen waren zwar getrocknet, der Frust aber saß tief, das Grübeln ließ nicht locker. Dennoch: „Wir haben vieles richtig gemacht. Es macht mehr Spaß, mit so einer Leistung zu verlieren, als das Gefühl zu haben, nicht alles in die Waagschale geworfen zu haben. Allein durch das Vorrücken unter die besten vier Teams der Welt haben wir Außerordentliches geleistet.“ Die Danas hätten sich in den vergangenen Monaten unter Leitung des neuen Bundestrainers zu einer starken Einheit gemausert und stetig verbessert. Aber in den Annalen zähle eben, ob man ein Spiel gewinnt oder nicht, ob man eine Medaille holt oder nicht.

Was nicht ist, kann noch werden. Denn auf dem, was die Mannschaft geleistet habe, könne aufgebaut werden, ist Gräve zuversichtlich. Eine große Stärke seien hohe Flexibilität und Allrounderqualitäten der Spielerinnen. So liefen die gelernten Abwehrspielerinnen Nike Lorenz vom Mannheimer HC und Hanna Granitzki vom Club an der Alster im Sturm auf. „Nike und Hanna können ihre Offensivqualitäten in der Defensive nicht so umsetzen wie im Sturm. Und in vorderster Reihe können Abwehrqualitäten auch nicht schaden. Unter dem Strich hat das ja auch gut geklappt.“

Dass der 20-köpfige Kader Spielerinnen aus zehn Vereinen umfasste, habe dem Teamgeist nicht geschadet. „Wir verstehen uns alle gut, aber natürlich steht einem die eine näher als die andere. Das ist in allen Mannschaftssportarten so. Als Team haben wir auf und neben dem Platz super harmoniert, über Vereinsgrenzen hinaus. Grüppchen, die sich absonderten, gab es nicht“, sagt „Elli“ rückblickend.

Natürlich lief noch nicht alles reibungslos, sonst hätte es am Ende wohl doch zu mehr gereicht. Zu den Baustellen gehört die schwache Chancenverwertung. 27 Strafecken nutzten die Danas bis zum Halbfinale nur zu einem Treffer. „Unsere Effizienz ist tatsächlich ausbaufähig. Da ist Luft nach oben. Dass wir so viele Chancen kreiert haben, verdeutlicht aber auch unsere Qualitäten in der Offensive“, betont die pfeilschnelle Außenstürmerin, die in der Nationalmannschaft mehr aus der Tiefe agiert als im Verein.

„Wir haben bei der WM jede Sekunde genossen“, lässt Elisa Gräve die Tage von Amstelveen und Terrassa auch im Namen von Nathalie Kubalski und Selin Oruz Revue passieren. „Solch ein Turnier entschädigt für den Stress, den wir das Jahr über in Studium und Beruf hatten und für die Dinge, die wir für das Hockey zurückgestellt hatten.“ Die drei hätten schließlich erleben dürfen, wovon andere nur träumen. Gräve, deren freundlich-unkomplizierte Art jedes Team bereichert, sagt lachend: „Es gibt sicherlich Schlimmeres, als bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein.“

So groß die Vorfreude auf die WM war, so groß ist sie jetzt darauf, den Hockeyschläger in die Ecke zu stellen. „Ich freue mich trotz aller tollen Erfahrungen, die wir bei dem Turnier gesammelt hatten, auch wieder auf Düsseldorf. Schließlich waren wir inklusive Vorbereitung sehr lange unterwegs. Nathi, Selin und ich werden erst einmal eine Auszeit vom Hockey nehmen und runterfahren, bevor es in die neue Saison geht. Dann gilt es, mit dem DHC die Titel zu verteidigen.“ Und ganz nebenbei geht es für die studierte Psychologin um den Doktor-Titel. Die kommenden Monate werden es für Elisa Gräve in sich haben. Sie kennt es nicht anders. Und freut sich darauf.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort