Schwimmstar tut sich nach Comeback schwer: Hobbykoch Thorpe und der lange Weg nach London

Schwimmstar tut sich nach Comeback schwer : Hobbykoch Thorpe und der lange Weg nach London

Auch bei seinem Comeback auf der Langbahn ist Ian Thorpe regelrecht untergegangen. Die Zeit für den fünfmaligen Schwimm-Olympiasieger wird mit Blick auf London allmählich knapp.

Beim Besuch seiner Homepage wird man immer noch von einem herzerfrischenden Lächeln begrüßt. Auf dem Cover seines eigenen Kochbuchs strahlt Ian Thorpe. "Cook for your life" lautet der Titel des großen Werks, in dem der australische Schwimmstar "frische, leckere Rezepte" verspricht. Mit Blick auf seine Leistungen im Wasser dürfte dem fünfmaligen Olympiasieger allmählich der Appetit vergehen. Auch bei seinen ersten beiden Wettkämpfen auf der Langbahn seit über fünf Jahren fehlte dem "Thorpedo" die richtige Zündung.

Im italienischen Riccione kam der 29 Jahre alte Freistilspezialist nicht über Platz 16 im 100-m-Rennen und Platz zehn über die doppelte Distanz hinaus. "Ich vermisse noch meinen Rennrhythmus, aber die Zeit ist in etwa so, wie ich sie erwartet habe", sagte Thorpe, dem auf der längeren Strecke über drei Sekunden auf den niederländischen Sieger Sebastiaan Verschuren fehlten: "Es war hart, aber ich wusste, dass es so kommt. Es ist wichtig, dass ich Wettkämpfe bestreite."

Die Uhr tickt für den 1,95-m-Hünen. "Das erschwert die Sache, deshalb bin ich umso konzentrierter. Ich glaube nicht, dass schon mal jemand in so einem Zeitrahmen so etwas geschafft hat", hatte Thorpe mit Blick auf die kurze Vorbereitungszeit bis zu seinem Ziel Olympia bereits nach seinen enttäuschenden Kurzbahn-Auftritten im November festgehalten. Schon im März stehen in Adelaide die nationalen Qualifikationswettkämpfe für die Olympischen Spiele in London an. Dann ist ziemlich genau ein Jahr seit der Ankündigung des Comebacks vergangen. Experten gestehen Thorpe in seiner derzeitigen Verfassung und mit Blick auf die große australische Konkurrenz nur geringe Chancen auf ein Einzelticket für London zu. Allenfalls in der 4x200-m-Kraulstaffel könnte Thorpe in der britischen Hauptstadt auf Medaillenjagd gehen.

Neben den schwachen Ergebnissen dürfte den Australier auch die beeindruckende Form seiner Konkurrenten ein gutes halbes Jahr vor London irritieren. Paul Biedermann (Halle/Saale) gewann in der Vorwoche zweimal Gold bei der Kurzbahn-EM in Stettin. Rekord-Olympiasieger Michael Phelps stieg vor wenigen Wochen bei einem Meeting in Minnesota nach seinen fünf Rennen fünfmal als Sieger aus dem Wasser. Und Ryan Lochte hat nach fünfmal Gold bei der WM in Shanghai unlängst angekündigt, die acht Siege seines US-Landsmannes Phelps bei Olympia in Peking im kommenden Jahr in London toppen zu wollen.

Thorpe steht unter Druck. Die Besinnlichkeit der Weihnachtstage wird er nutzen müssen, um gemeinsam mit Startrainer Gennadi Turetski seiner neuen Kraultechnik den entscheidenden Feinschliff zu verpassen. Denn eine Tatsache hatte Thorpe schon bei seiner Comeback-Ankündigung im Februar festgehalten: "Ich hatte eine großartige Karriere, und die setze ich nun aufs Spiel."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ian Thorpe - Comeback nach fünf Jahren Pause

(sid)
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