Urteil ohne Folgen Gericht weist Klage der Klitschkos ab

Hamburg (rpo). Vitali und Wladimir Klitschko haben vor Gericht eine Niederlage gegen Promoter Klaus-Peter Kohl einstecken müssen. Das Hamburger Landgericht wies die Feststellungsklage der Ukrainer auf ein Ende ihres Vertrages mit Kohls Universum Box-Promotion am 30. April ab. Gleichzeitig erklärte es die umstrittene Verletzuingsklausel in ihren verträgen für rechtens.

Nach Auffassung von Richter Kai Mückenheim endete der Vertrag von Wladimir Klitschko am 22. Juni, der von WBC-Champ Vitali Klitschko am 22. Oktober. Damit konnten sie ihre letzten beiden Fights im Oktober (Wladimir) und dem vergangenen Wochenende (Vitali) selbst vermarkten. Schadenersatzforderungen von Kohl kann es deshalb nicht geben.

Klitschko-Anwalt Sebastian Cording kann mit diesem Urteil "sehr gut leben": "Gut ist, dass die Verträge beendet sind und beide weitere Kämpfe planen können", sagte er, "außerdem heißt das, dass ihre letzten Kämpfe ebenfalls außerhalb der Vertragslaufzeit mit Kohl stattgefunden haben. Schadenersatz ist deshalb nicht zu befürchten."

Wenn er sich da mal nicht täuscht. Denn bei Universum sieht man die Sache völlig anders. "Entscheidend ist, dass der Richter geurteilt hat, dass die Ausfallklauseln in unseren Verträgen rechtswirksam sind", sagte Kohl, "wir haben jetzt bereits Anspruch auf Schadenersatz. Dieses Urteil ist ein großer Erfolg für uns."

Kohl pocht auf millionenschweren Schadensersatz

Kohl wird also Schadenersatz von den Brüdern in Millionenhöhe geltend machen. Und zwar nicht für die Kämpfe, die sie im Oktober (Wladimir) und am vergangenen Wochenende (Witali) bestritten haben, sondern für die Fights, die sie in den nun festgestellten Vertragslaufzeiten nicht bestritten haben. So soll Witali vertragswidrig einen bereits fest vereinbarten Kampf im Sommer im Berliner Olympiastadion gegen Mike Tyson abgelehnt haben. Beide Boxer haben in der fraglichen Zeit mehrmals angebotene Kämpfe nicht bestreiten wollen.

Richter Mückenheim sorgte mit seinem Spruch nach vier mündlichen Beweisaufnahmen erneut für eine Überraschung. Nachdem er zu Beginn des Verfahrens im Frühjahr signalisiert hatte, dass er Kohls Auffassung zuneige und bereits in die Beweisaufnahme über die Länge der Verletzungspausen eingetreten war, schien er zuletzt eher Klitschkos Meinung zu vertreten. "Im Rahmen der Vertragsauslegung sprach der Wortlaut zwar für die Kläger", erklärte der Richter, "jedoch sprachen die außerhalb des Wortlautes liegenden Begleitumstände dafür, dass eine Auslegung entgegen dem Wortlaut des Vertrages stattzufinden hatte."

Cording wollte trotz der abgewiesenen Klage seinen Mandanten zunächst keine Berufung empfehlen. Er erwartet jedoch, dass Kohl trotz des Erfolges die nächste Instanz bemühen wird. Universum ist der Auffassung, dass der Vertrag von Witali Klitschko erst am 20. Mai 2005 endet, der von Wladimir Klitschko am 22. Februar. Mit einer erfolgreichen Berufung würde sich die Schadenersatzsumme weiter erhöhen.

Kooperation mit Sauerland

Mittlerweile vermarkten die Ukrainer ihre Kämpfe durch die eigene Agentur K2 selbst. Sie haben österreichische Profi-Lizenzen erworben und sind eine Kooperation mit Kohls Promoter-Kontrahenten Wilfried Sauerland eingegangen, der einen TV-Vertrag mit der ARD besitzt. Witali Klitschkos WM-Fight am vergangenen Samstag gegen den Briten Danny Williams war bereits im "Ersten" zu sehen.

(sid)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort