Neben der Spur: Fußball macht krank

Neben der Spur : Fußball macht krank

Klinische Tests haben bewiesen, dass Fußball krank machen kann. In England diagnostizierten Ärzte bei einer 58 Jahre alten Frau "Morbus Manchester", ein heftiges Leiden an und mit den Spielen des Fußballklubs Manchester United.

Es ist natürlich kein Wunder, dass die Krankheit auf der Insel entdeckt wurde. Wenn die Mediziner leidenschaftliche Liebhaber der schönen Literatur wären, hätten sie schon vor fast 20 Jahren dem Schrecken auf die Spur kommen können.

Da erschien Nick Hornbys Buch "Fever Pitch", dessen zentrale Aussage lautet: Ein Fußball-Fan ist niemals glücklich, weil bereits in jedem Erfolg, in jedem Tor, in jeder gelungenen Aktion die Möglichkeit lebt, dass gleich doch alles wieder danebengeht. Hornby hat das alles selbst erlebt — als Anhänger von Arsenal London, das auch nicht immer gewinnt. Siehe: 2:8 ausgerechnet gegen Manchester United.

Hornby hat Millionen von Leidensgenossen. Die Rezepte zur Behandlung von "Morbus Fußball" sind dabei nach Landsmannschaft höchst unterschiedlich. In Britannien bekämpft der chronisch Kranke bange Gefühle an Spieltagen durch Zufuhr von möglichst viel Bier in möglichst kurzer Zeit. Das lässt die Angelegenheit zumindest so weit verschwimmen, dass der Schmerz nicht allzu haltbar bleibt.

Im hohen Norden pflegt man die Verzweiflung mit vorsichtshalber bereits vorher tief gesenktem Haupt und einer dauerhaften Wiederholung der schlimmsten Horror-Visionen vor dem Anpfiff und während des Spiels.

In Köln wird ein lustiges Liedchen angestimmt und zum Beweis, dass sowieso alles schon mal tragischer war, in der Vereinschronik geblättert. Gute Besserung.

(RP/chk)
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