NRW-Förderung 300 Millionen Euro für die Sportbasis

Düsseldorf · Die Landesregierung stellt 300 Millionen Euro zur Verfügung, um Sportvereine in NRW zu unterstützen. Viele Sportstätten haben einen enormen Sanierungsstau. Zur Verfügung stehende Gelder werden nicht immer abgerufen.

 Der TV Jahn Kapellen - hier Präsident Klaus Calvis - ist seit 1996 Eigentümer des Hallenbads im Grevenbroicher Ortsteil Neukirchen.

Der TV Jahn Kapellen - hier Präsident Klaus Calvis - ist seit 1996 Eigentümer des Hallenbads im Grevenbroicher Ortsteil Neukirchen.

Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Es ist um den Breitensport in NRW nicht besonders gut bestellt. Zu dieser ernüchternden Erkenntnis muss man zumindest kommen, wenn man die offenen Rechnungen sieht. Nach unterschiedlichen Berechnungen soll sich der Sanierungstau bei Sportanlagen im bevölkerungsreichsten Bundesland mit rund 17,8 Millionen Einwohnern auf mehr als 2,5 Milliarden Euro angehäuft haben. Eine gigantische Summe, die so gar nicht zum Selbstverständnis von Ministerpräsident Armin Laschet passt.

Laschet hat NRW zum Sportland Nummer eins erkoren. Er hat kühne Visionen – 2032 würde er sehr gerne in der Region Rhein Ruhr Olympische Spiele sehen. Dieses Projekt kann er aber nur glaubwürdig vertreten, wenn die Basis ihm nicht auf die Finger klopft, wenn es NRW noch nicht einmal schafft, einen Kunstrasenplatz zu finanzieren oder eine Sportanlage zu sanieren. Nun hat die Landesregierung einen Maßnahmenkatalog vorgelegt: Ab 2019 stehen zunächst 300 Millionen Euro zur Verfügung, um Projekte zu finanzieren – ausschließlich von Vereinen.

„Es handelt sich um echtes Geld, also keine Kreditfinanzierung“, sagt Andrea Milz, als Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt im Land zuständig. „Wir erhoffen uns dadurch einen ordentlichen Schwung für den Breitensport.“ Ab 2019 kann das Geld über die NRW-Bank abgerufen werden – sofern man natürlich ein Konzept vorlegen kann, was man mit dem Geld anfangen möchte. Die bürokratischen Hürden sollen so niedrig wie möglich sein, um niemanden auszuschließen. „Wir wissen, dass wir es fast ausschließlich mit Ehrenamtlern zu tun haben. Für die soll das Programm eine Entlastung sein und nicht zusätzliche Sorgen bereiten“, erklärt Milz.

Sportmanager Michael Mronz, der Gründer der Rhein Ruhr City 2032-Initiative, sagt: „Das ist ein großartiges und starkes Zeichen der Landesregierung für den Breitensport in Nordrhein-Westfalen und gut für die gesamte Sportbasis im Land. Sie stellt die Grundlage für erfolgreichen Spitzensport dar. Die vielen sportbegeisterten Kinder und Jugendliche in den über 18.000 Vereinen sind die Talente und das Potenzial der Zukunft.“

Rein theoretisch ist allen klar, dass mit den nun genehmigten 300 Millionen Euro nicht alles auf Null gestellt werden kann. Doch in der Politik geht es auch um Signale und Botschaften, die innerhalb von vier Jahren bis zur nächsten Wahl einen Effekt haben. „Nach 2022 müssen wir dann Bilanz ziehen und sehen, wo noch Geld fehlt“, sagt Milz. Wer keinen Zugriff auf die Geldtöpfe bekommen soll, sind Profivereine (vor allem Fußball) aus den ersten drei Ligen. Parallel, so die Staatssekretärin, hoffe sie auch, dass sich auch viele Kommunen aus anderen Fördermitteln endlich bedienen, um so den Sport zu unterstützen. Aus dem Programm „Gute Schule“ zum Beispiel seien bislang nur 5,8 Prozent für Sportzwecke abgerufen worden. Absolut unverständlich, wenn man bedenkt, wie viele Bezirkssportanlagen, auf denen Schulen sich auf Bundesjugendspiele vorbereiten, brach liegen.

„Es gibt keine Diskussion darüber, dass Sport ohne geeignete Räume einfach nicht denkbar ist. Als eine der zentralen Grundlagen und Ressourcen des Sports benötigt deshalb die Sportstätte auf allen Ebenen möglichst moderne und zuverlässig nutzbare Freiflächen, Hallen und Anlagen“, sagt Walter Schneeloch, Präsident des Landessportbundes. „Vor diesem Hintergrund ist das 300-Millionen-Euro-Programm eine der besten Nachrichten in meiner langjährigen Zeit beim LSB, weil hiermit eine unserer wichtigsten Forderungen erfüllt wird. Denn der unübersehbare Sanierungsbedarf, von löchrigen Bodenbelägen bis zu defekten Sanitärbereichen, erschwert viele Fortschritte bei der notwendigen Sportentwicklung und beeinträchtigt die Lebensqualität der Menschen vor Ort.“