Fibo 2019 in Köln: Das sind die Trends und Highlights der Fitness-Messe

Fitness-Messe Fibo in Köln : Hier stehen Körper unter Strom

Fitnessmesse "Fibo" in Köln gestartet

Die Fibo ist die größte Messe für Fitness, Wellness und Gesundheit – noch bis Sonntag lässt die Branche ihre Muskeln spielen. Wir haben uns in Köln umgesehen.

Die „Fibo“ ist vor allem eines: eine riesengroße Show. Es ist die weltweit größte Messe für Fitness, Wellness und Gesundheit. Noch bis Sonntag ist sie geöffnet, so lange suchen hunderttausende Fitness-Fans auf einer Fläche von etwa 22 Fußballfeldern nach den neuesten Trends der Branche. Doch wer nach der großen Innovation oder dem einen großen Trend der kommenden Jahre sucht, verlässt die Messe womöglich mit leeren Händen.

Mit jedermenge Shows, Gewinnspielen, Promi-Auftritten oder Gruppen-Fitness-Kursen zum Mitmachen bietet die Fibo zwar viel Unterhaltung und Erlebnis für den Besucher, doch im Allgemeinen gilt: Altbewährtes bleibt. Laufband bleibt Laufband – ob mit oder ohne Wölbung der Lauffläche – und Gewichte bleiben Gewichte, egal ob eckig, rund oder gebündelt in einem großen Multifunktions-Block für das eigene Wohnzimmer.

Spaß mit Strom: XBeat ist EMS-Gruppentraining mit Licht und Musik. Foto: dpa-tmn/Ina Fassbender

Immer mehr Aufmerksamkeit erhält allerdings das „Drumherum“: hippe Nahrungsergänzungsmittel, zuckerfreie Lebensmittel, alternative Proteine, Wellness, Beauty – und: Gemeinschaft. So tummeln sich auf der Fibo nicht nur hunderte Gerätehersteller, sondern auch Sonnenbank-Anbieter, Kältekammer-Säulen und eine ganze Schar an modernen, hipstermäßigen Lebensmittelproduzenten. Und sie bieten alles: Von „Eiweiß-Fluff“, also aufgeschlagenem Eiweiß, das wie ein Eis im Becher serviert wird, über zuckerfreien Ketchup und veganen Pizzaboden bis hin zu Protein-Käsekuchen oder Sport-Riegeln aus Insektenpulver – gemahlene Käfer und Würmer sind frisch von Kleinbauern aus Thailand importiert. Alternative Proteine, aber auch nachhaltige Produktideen wie Sport-Massagerollen aus Holz statt aus Kunststoff sind auf der Fibo an jeder Ecke zu finden – sie spülen Geld in den Fitnessmarkt Europa, der mit jährlich 27,2 Milliarden Euro Umsatz der größte der Welt ist.

Ist der klassische „Pumper“ aus der Muckibude also out? Jein. Bodybuilder sorgen auch 2019 immer noch für lange Schlangen von Besuchern, die ein Foto mit ihren breitschultrigen Vorbildern wollen – immerhin starteten Kurt Thelen und Volker Ebener die Messe 1985 als reine Fitness- und Bodybuilding-Messe. Doch dicke Arme, Stiernacken und herausstehende Adern sieht man immer weniger. Der allgemeine Trend lautet: Jeder will fit werden, Muskeln aufbauen. Und das so schnell und effektiv wie möglich, aber doch bitte integriert in den Arbeitsalltag. Disziplin und Zeit sind Mangelwaren, also hilft man gerne nach: Beispielsweise mit EMS-Anzügen (Elektro-Muskel-Stimulation), die durch integrierte Pads die Muskeln mit Strom stimulieren und dadurch stärker beanspruchen als üblich. Anbieter setzen auf kabellose Kluften, um sie alltagstauglicher zu machen. Die Bedienung läuft nicht über eine EMS-Station oder ein Tablet, sondern über eine Fernbedienung. „Damit kannst du draußen Joggen gehen oder den Anzug an den Geräten im Fitnessstudio nutzen“, erklärt Diego Salas Anaya von EMS Revolution aus Madrid. „EMS wird immer mehr in den Home-Bereich gehen“, sagt Anaya. Künftig würden seiner Meinung nach auch Privatleute EMS-Anzüge kaufen. Derzeit liege der Preis eines Anzugs zwar noch bei rund 4000 Euro, aber „die Preise werden sinken. Die Anzüge werden dann zu einem ganz normalen Trainingsdress, das man nach dem Training in die Waschmaschine schmeißen kann.“

Und damit man das Ganze nicht alleine machen muss, bietet der Stand „XBeat“ um die Ecke EMS-Training in Kleingruppen an. Dort können sechs Besucher im EMS-Anzug während ein paar einfachen Kniebeugen vor Anstrengung (oder Schmerz?) das Gesicht verziehen. Hauptsache nicht alleine. Community ist in der Fitnessbranche nämlich wohl genauso wichtig wie passende Geräte und eine Vielzahl an Kurs-Angeboten. Wearables-Anbieter wie Fitbit und Co. bieten deshalb bereits seit Jahren die Möglichkeit, sich mit anderen Sporttreibenden übers Internet auszutauschen. Nun arbeiten auch konkurrierende Anbieter der Branche zusammen: Kunden werden Abonennten von ganzen Fitness-Netzwerken, wie dem „Urban Sports Club“. 5500 Sportanbieter – vom Yoga-Studio über Aquafitness-Anbieter bis zum Fitnesscenter – hat der Kunde in einem Abo zur Auswahl.

Community gibt es auf der Fibo aber auch direkt vor Ort: So können Besucher im Fibo-Pool beim Aqua Pole Dance Verrenkungen unter Wasser ausprobieren, sich beim Yoga-Kurs kurzzeitig entspannen oder sich bei „Jumping-Fitness“ auf einem dreiteiligen Trampolin auspowern. Aber es geht auch moderner: Interaktive Screens und Böden, Virtual Reality und Sensorik sollen Kunden locken und Fitness zu einem Spiel machen – wenn möglich auch mit Competition.

Und wer bei all den Angeboten immer noch keine Lust auf Sport bekommen hat, kann sich sein Fett auch einfach mit Behandlungen wie dem „Coolsculpting“ wegfrieren lassen. Kostenpunkt: rund 600 Euro für eine Fläche von der Größe einer Zigarettenschachtel. Wer dann noch Kleingeld übrig hat, kann seine Zähne an der Bleaching-Station aufhellen lassen und die Fibo mit einem strahlend weißen Lächeln wieder verlassen.

Bodybuilder posieren auf der Fibo. Foto: Maren Könemann

Immerhin.

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