Fecht-EM 2019: Der Spitzensport muss nahbar bleiben

Fecht-EM in Düsseldorf : Spitzensport muss nahbar bleiben

Die Fecht-EM in Düsseldorf stand sechs Tage lang für ein Erlebnis Leistungssport, wie es nicht untergehen darf. Nur wenn es jenseits des Fußballs noch Stars zum Anfassen gibt, erfahren Kinder den Wert des Sports auch als Zuschauer.

Natürlich gab es auch in der Düsseldorfer Messehalle 8b ein Podium für die Siegerehrung. Aber eigentlich passte das zu dieser Fecht-EM nicht, denn die Tage von Düsseldorf boten vor allem eines: Weltklasse zum Anfassen, Spitzensportler mitten aus dem Leben, ein Miteinander von Akteuren und Zuschauern. Wo König Fußball von seinem Thron die Ehrerbietungen des zahlenden Volkes entgegennimmt, weil Medien und Fans ihn auf diesen Sockel gehoben haben, da standen die Fechter sechs Tage für ein Erlebnis Sport, wie es nicht untergehen darf, wenn Sport auch künftig Faszination aus nächster Nähe und nicht nur weltfremde Starallüren ausstrahlen will.

Bei einer Fußball-EM hätte es die sozialen Medien überflutet und vermutlich Tumulte ausgelöst, wenn sich ein italienischer Nationalspieler nach dem verlorenen Halbfinale auf der Fanmeile eine E-Zigarette gegönnt hätte, während sich seine Teamkollegen für Pizza auf Papptellern in die Schlange stellten. Bei der Fecht-EM und im Fall der italienischen Säbelfechter war das alles kein Problem. Alles kein Skandal. Und das ist gut so.

Es braucht Spitzensportveranstaltungen, bei denen Kinder sich mit leuchtenden Augen Autogramme von Teilnehmern holen, die in Deutschland nur Ausgewählte kennen. Es braucht Momente wie den, in dem zwei Schiedsrichter vor aller Augen per Schnick-Schnack-Schnuck entscheiden können, wer die ersten Gefechte leitet. Momente der Niederlage, in denen der Verlierer trotz aller Emotionen dem Gewinner fair gratuliert. Momente, in denen Ersatzleute ihr Ego hintanstellen und für den Teamerfolg mitfiebern.

Die Europameister (v.l.) Benedikt Wagner, Matyas Szabo und Max Hartung. Foto: dpa/Marius Becker

Fechten wird auch nach dieser EM kein Massenphänomen in Deutschland werden. Aber manch kleiner Fan hat in der Messehalle 8b mehr über das Wesen des Sports an sich gelernt, als ihm der Coca-Cola-Nationalmannschaftsfanclub im Fußball jemals beibringen kann.

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